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Historisches aus Bensersiel Bis zum Bikini-Café war es ein weiter Weg

Karl-Heinz De Wall
Zelten in Bensersiel gehörte zu den Sommerfreuden vieler junger Menschen.

Zelten in Bensersiel gehörte zu den Sommerfreuden vieler junger Menschen.

Karl-Heinz de Wall

Bensersiel - Eine ganz neue Fremdenverkehrsentwicklung setzte zu Beginn der sechziger Jahre in den Küstenbadeorten des Harlingerlandes ein. Bensersiel machte den Anfang mit einem Campingplatz und einem Freibad und hatte sogleich engagierte Mitbewerber in Neßmersiel/Dornumersiel/Westeraccumersiel, Neuharlingersiel und Carolinensiel. Überall schossen jetzt Campingplätze, Ferienhauskolonien, Hallen- und Freibäder, aufgespülte Badestrände, Kurhäuser usw. aus dem Boden. Hotellerie und Gastronomie bemühten sich um weitere Kapazitäten und investierten – wie auch viele Privatvermieter, deren Bettenzahl nie genau herauszubekommen war.

Esens als Partner

Bensersiel hatte den starken Partner Esens im Rücken. Während man an der See eine touristisch interessante Infrastruktur aufbauen konnte, war das weiter südlich gelegene Städtchen Esens die Stätte für kulturell-gastronomische Ansprüche der Gäste und die Einkaufsbummelei. Beide Orte ergänzen sich bis zum heutigen Tage. 1970 wurde in dem Saisonprospekt – übrigens schon vierfarbig – besonders auf das mit einer Fläche von 5000 Quadratmetern größte Seewasserbadebecken Deutschlands hingewiesen.

Südseespaß versprach die Sonnentherme „Sonneninseln“.

SCHWIMMEN IN BENSERSIEL Kreative Köpfe sorgten für einmalige Erlebnisse

Karl-Heinz De Wall
Bensersiel

Das Baden war nun unabhängig von Ebbe und Flut möglich, verschiedene Sprungbretter und eine Rutsche sorgten für Abwechselung. Hinzu gesellte sich eine neue Strandhalle mit Gastronomie, Club- und Leseräumen. Ein besonderes Highlight war der Camping- und Zeltplatz, unmittelbar am Wasser gelegen. Esens-Bensersiel verzeichnete in der Saison 1962 nach den damaligen statistischen Erhebungsunterlagen 2700 Gäste mit 5300 Übernachtungen. Zahlreiche Privatvermieter wurden aber bald aktiv, sodass 1971 16 000 Gäste mit 118 000 Übernachtungen und 1980 sogar 81 000 Gäste und 660 000 Übernachtungen gezählt werden konnten.

Profitiert von Langeoog

Bensersiel profitierte natürlich davon, dass es Fährhafen für die stark besuchte Insel Langeoog war. Es gab zwar in früherer Zeit auch einen Personen- und Frachtverkehr von Westeraccumersiel aus nach Langeoog, aber Bensersiel machte das Rennen, weil mit Esens im Rücken die bessere Verkehrsanbindung an das Hinterland gegeben war.

1951 wurde in Bensersiel zur Gründung eines Bade- und Verkehrsvereins aufgerufen, der die Zeichen der Zeit erkannte und sich um eine wachsende Infrastruktur für Gäste kümmerte: Es begann mit einem kleinen Badebecken in dem Kolk auf dem Hellergelände.

Die 1972 erfolgten Klassifizierungen als Staatlich anerkannter Küstenbadeort und 1979 als Nordseebad bestätigten nach vielen weiteren Schritten den eingeschlagenen Weg.

Bedeutung behalten

Trotz der alles dominierenden Tourismuswirtschaft hat Bensersiel seine wasserwirtschaftliche Bedeutung behalten, denn durch das Siel in der Dorfmitte fließt mit dem Benser Tief und seinen Zuläufen das Oberflächenwasser eines riesigen Bereiches im westlichen Harlingerland in die Nordsee. Vorgelagert sind nach den Seekarten das Damsumer Sand und das Benser Watt, geteilt von der tideunabhängig nutzbaren Fahrrinne zur Insel Langeoog.

Deichlinie

Nach den schweren Sturmfluten des Mittelalters und der frühen Neuzeit sind nördlich des heutigen Bensersiels zwar mehrere Quadratkilometer Festland und einige Dörfer aufgegeben worden, doch im Grunde hat sich seither die heutige Deichlinie des Hafens für Esens kaum verändert. Es hat im Laufe der letzten Jahrhunderte mehrere Siele gegeben, die durch historische Karten und Funde an Ort und Stelle nachgewiesen werden konnten.

In Landesbeschreibungen des beginnenden 18. Jahrhunderts heißt es kurz und knapp, dass Bensersiel ein kleiner Ort mit wenigen, einzeln stehenden Häusern und 59 Einwohnern sei. „Als Hafen von Esens hat es allein einige Bedeutung gewonnen. … (Bis nach) Helgoland wird von hier aus Verkehr getrieben und allerhand für die Insel benötigtes, selbst Heu, dahin gebracht …“.

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