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Historisches aus dem Harlingerland Sie waren früher unverzichtbare Dorfhandwerker – die Schuhmacher

Karl-Heinz De Wall
Ein Schild weist auf eine alte Werkstatt hin.

Ein Schild weist auf eine alte Werkstatt hin.

Karl-Heinz de Wall

Harlingerland - Das Herstellen von Schuhwerk gehört zu den ältesten handwerklichen Tätigkeiten in der Region, denn wir kämen nicht weit, wenn unsere Füße nicht ausreichend geschützt wären. Schuhmacher waren aber auch die ersten Handwerker, deren Aufgaben mit der Gründung von Fabriken und der damit verbundenen Massenproduktion innerhalb weniger Jahrzehnte wegfielen. Sie hatten im Grunde nur noch Reparaturen auszuführen, und heute werden Schuhe, die wir tragen, zum Großteil im Ausland hergestellt.

Außergewöhnlich viele Meister

Im 18. Jahrhundert gab es außergewöhnlich viele Meister, Gesellen und Lehrlinge dieses Metiers der Bekleidungs-, Textil- und Lederhandwerke, weil Qualifikation und Kapitalbedarf recht gering waren. In den Ämtern Friedeburg, Wittmund und Esens zählte man 1756 etwa 60 Schuhmacher und die Stadt Esens meldete sogar über 70 Schuster und Schuhflicker. Um 1880 arbeiteten in Burhafe Mamme Fremy Heidefeld und Tönjes Weyerts, in Carolinensiel Hayo Janssen, Johann Meents, Hero Warrings und Ernst Cassens. Marx meldete Johann und Berend Antons, Horsten Hermann Janssen und Tobias Rieken, um weitere Beispiele zu nennen. Aus der Zeit um 1960 sind z. B. die Schuhmacher Evers (Marx); Borchers (Friedeburg), Kieselhorst (Wiesede), Hinrichs (Reepsholt), Conrads (Abickhafe), Cassens und Möde (Leerhafe), Behrends, Tholen und Eden (Wittmund), Rickerts (Ardorf) und Helmerichs (Leepens) bekannt. 1976 gab es im Landkreis noch 24 Schuhmacherbetriebe, die aber kaum noch ganze Schuhe handwerklich herstellten. Reparaturen waren ihre Hauptaufgabe und zusätzliche Einnahmen brachte meist ein kleiner Laden, in dem Fabrikware angeboten wurde.

Hintergrund

Die Holzschuhmacherei  war kein Vollhandwerk und gehörte nicht zu den lederverarbeitenden Betrieben. Sie war vielmehr eine Tätigkeit, die die kleinen Leute im Nebenerwerb durchführten. Wenn in den Wintermonaten die Arbeit weniger wurde, nahm man sich die rechtzeitig geschnittenen Holzstämme vor, um daraus die Schuhe für das nächste Jahr zu schnitzen. Pappel, Birke aber auch Linde und Erle eigneten sich, denn das Holz dieser Bäume ließ sich leicht bearbeiten und fußgerecht formen. Zuerst wurde der Stamm etwa in Schuhlänge in Stücke zersägt, dann die äußere Form herausgearbeitet, schließlich das Werkstück eingespannt und mithilfe eines Löffelbohrers ausgehöhlt.

Zum Schluss  musste dann nur noch mit einem Zugeisen nachgeglättet werden – und fertig war der Schuh aus Holz. Natürlich waren die Holzschuhe weitaus billiger als Lederschuhe und auf dem Land und bei vielen Fabrikarbeitern die normale Fußbekleidung. Ältere Menschen, die noch die traditionelle Holzschuhmacherei beherrschen, sind heute auf Märkten und Folklore-Veranstaltungen gern gesehene Akteure.

Immer weniger Handwerker

Im Jahr 2000 gehörten der Schuhmacher-Innung Ostfriesland nur noch 15 Meister an. Gründe für den raschen Rückgang waren die rückläufigen Verdienstmöglichkeiten, die auch durch Nebenarbeiten schwer aufzubessern waren. Von einem „goldenen Boden“ dieses Handwerkszweiges konnte seit langem keine Rede mehr sein. Eine bessere Basis hatten die wenigen spezialisierten Orthopädie-Schuhmacher, die bei einem entsprechenden Kundenkreis gut verdienten.

Die ersten Schuhmacher stellten wohl den Grundstoff Leder selbst her. Mit zunehmendem Bedarf gab es bald spezialisierte Lohgerbereien, die die Rinderhäute in einem langwierigen Prozess aufbereiteten und über den Häutehandel vertrieben. In der Region war die in den Barkmühlen zerkleinerte Eichenrinde das wichtigste Gerbmittel.

Zunft sollte Handwerk retten

Die Schuhmacher verstanden es auch, ihren Handwerksstand zu schützen, denn schon vor 1600 hatten sich die Esenser Meister zu einer Zunft zusammengeschlossen, um Konkurrenten und Pfuscher abzuwehren. Der Bedarf an Handwerksgeräten war gering: Hammer und diverse Zangen, Schneidebrett, Messer und Lederschere zum Zuschneiden des Oberleders, Ahlen und andere Geräte zum Zusammennähen samt der Brandsohle und Laufsohle und der Befestigung der Hacke. Hinzu kamen diverse Leisten als Grundformen und zum Schuhausweiten. Irgendwann gab es Nähmaschinen und Ausputzmaschinen, die die Handarbeit erleichterten. Das Zusammenkleben der einzelnen Teile der Schuhe setzte sich ab ca. 1920 nach und nach durch und erforderte geeignete Klebepressen. Auf Vorrat wurden übrigens kaum Schuhe hergestellt – gängig waren Einzelbestellungen, die nach Maß angefertigt wurden.

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