Stedesdorf - Mächtige Steinkirchen in Dunum (Backstein, 13. Jahrhundert.) und Stedesdorf (teilweise Tuffstein, 12. Jahrhundert) überragten in der Zeit ihres Baus alles. Stedesdorf war im Mittelalter Sendkirche, ihr unterstanden elf Filialkirchen in der Region. Die Stedesdorfer Burg stand südlich der heutigen Gemeindekirche, doch waren im 17. Jahrhundert nur noch wenige Reste von dem Bauwerk vorhanden. Sicherlich ist sie ursprünglich wie die üblichen befestigten spätmittelalterlichen Steinhäuser gestaltet worden, war also wehrhaft und durch äußere Verteidigungsanlagen zusätzlich geschützt.
Als aber die Häuptlinge ihren Sitz nach Esens verlegten, gab es keine Verwendung mehr und man ließ die Stedesdorfer Anlagen verfallen. Nachdem Sibet Attena in den Besitz der Herrlichkeit Stedesdorf gekommen war und im Frühjahr 1454 Rechte und Titel eines Häuptlings von Esens hinzukamen, holte er sich Monate später durch einen Überfall auf die Wittmunder Burg auch das Territorium der Kankena hinzu. Damit bildete das Harlingerland einen geschlossenen Herrschaftsraum. Folgerichtig wird er heute in einem weltweit verbreiteten Internet-Lexikon (Wikipedia) in der Bilder-Rubrik auch als „Lord of Harlingerland“ bezeichnet.
Eine Beschreibung des Amtes Esens von 1794 nennt Einwohnerzahlen der Stedesdorfer Vogtei: Stedesdorf (176), Osteraccum (106), Insenhausen (31), Boisenhausen (28), Helsenwarfen (19), Mamburg (48), Koldehörn (38), Bargstede (26), Folstenhausen (65), Nobiskrug (20), Gabens (32), Amkenhausen (37), Reitsburg (12), Meyenburg (7), Thunum (230), Dunum (303), Brill (89), Moorweg mit Wagnersfehn (166), Kloster Schoo (12) und Schafhaus (10).
Insgesamt waren dies im ausklingenden 18. Jahrhundert knapp 1500 Menschen, die unter höchst unterschiedlichen Bedingungen siedelten und wirtschafteten.
