Dornum/Hage/Aurich - „Kätzchen in Dornum/Schwittersum gefunden. Vermisst sie jemand?“, schreibt Marina Siefken aus Dornum in einem Facebook Post. Vor etwa einer Woche hat ihr Sohn ein Katzenjunges an der Bürgermeister-Fischer-Straße in Schwittersum gefunden. „Mein 15-jähriger Sohn fährt jeden Tag mit dem Fahrrad da lang und hörte ein leises ,Miau’. Wir gingen gegen 22 Uhr sofort dahin und das Kleine saß weit oben im Baum. Wir versuchten, es runter zu bekommen, aber es entwischte. Nach einer Stunde fanden wir es und nahmen es mit nach Hause. Da wir es aber leider nicht auf Dauer halten können, werden wir es die Tage zum Tierheim bringen“, schreibt uns Siefken. Mittlerweile ist das Kätzchen im Tierheim Hage untergekommen. Diese Geschichte ist allerdings kein Einzelfall. Auf Facebook gibt es aktuell zahlreiche Posts über Fundkatzen und Sichtungen.
„Es werden immer mehr“
Das bestätigt das Fundbüro der Gemeinde Dornum auf Nachfrage – hier werden die Tiere gemeldet, bevor sie in ein Tierheim kommen können: „Dieses Jahr sind es bisher 15 Meldungen. Die Dunkelziffer wird noch viel höher sein. Das ist für unsere kleine Gemeinde schon heftig, wir müssen ja dann auch die Kosten tragen. Bis Jahresende sind es locker 30 bis 40 Tiere“, prognostiziert Johannes Eckhoff von der Gemeinde und fügt hinzu: „Das wird die letzten Jahre immer mehr. Erst gerade ist wieder jemandem ein Tier zugelaufen.“
Die Tiere bleiben aber nicht bei der Gemeinde, sondern werden manchmal privat, aber öfter auch in den umliegenden Tierheimen untergebracht – zum Beispiel in Hage oder Aurich.
Nicht nur Streuner abgegeben
„Heute waren es schon zwei neue Tiere, Montag sind sechs angekündigt, und ich habe vorhin mit einem Mann gesprochen, der will etwa acht Tiere abgeben“, macht der Hager Tierheimleiter Marcus Lomberg die Situation am Freitag deutlich. Momentan seien etwa 75 Katzen im Tierheim Hage untergebracht. „Die Tendenz ist stark steigend“, sagt der Leiter. Im Jahr würden beim Tierheim Hage etwa 200 bis 250 Katzen abgegeben werden. Dabei zeigt sich ein neuer Trend: „Es gibt neben den Fundkatzen auch ein ganz anderes Problem. Die Menschen geben nämlich immer häufiger ihre eigenen Tiere ab.“ Lomberg vermutet, dass dies mit den gestiegenen Kosten zusammenhängt – denn seit dem 22. November gelte die neue Gebührenordnung für Tierärzte. „Dann kann so eine Kastration schon gerne mal 300 Euro kosten. Das können sich nicht alle leisten.“ Und so eine Kastration sei Pflicht in vielen Gemeinden und Städten – wie auch in Dornum.
Auch im Tierheim in Aurich werden momentan wieder einige Tiere abgegeben, erklärt Neele Kaufmann, Leiterin der Katzenstation: „Um diese Jahreszeit ist es allerdings immer voll.“ Dass die Anzahl mutwillig ausgesetzter Tiere zunehme, könne sie nicht bestätigen. „Ich denke, das nimmt sich nichts.“ Etwa die Hälfte der Tiere sei ausgesetzt worden, der andere Teil sind Wildtiere.
Richtig Verhalten bei Fund
Auch wenn es gut gemeint ist, herrenlose Tiere abzugeben, sollte einiges beachtet werden, rät Lomberg: „Wenn es ein Muttertier mit Jungen ist, dann niemals die Tiere voneinander trennen – das ist nicht cool.“ Ansonsten weist er darauf hin, dass eine Fundbescheinigung gebraucht wird, um ein Tier abzugeben. Die gibt es dann entweder beim Fundbüro oder beim Ordnungsamt oder der Polizei.
