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Dr. Gerhard Becher erklärt Darum ist Wittmund die Stadt der ungenutzten Potenziale

Auf dem Johannimarkt ist Dr. Gerhard Becher (links) mit vielen Wittmundern und Wittmunderinnen ins Gespräch gekommen.

Auf dem Johannimarkt ist Dr. Gerhard Becher (links) mit vielen Wittmundern und Wittmunderinnen ins Gespräch gekommen.

Privat

Wittmund - Dass sich in der Wittmunder Innenstadt einiges tun muss, ist für Einheimische und Touristen offensichtlich. Und das bestätigen auch die ersten Ergebnisse der Befragungen, die die Cima derzeit in Wittmund durchführt. „Bei der Online-Umfrage haben bis jetzt etwa 800 Leute teilgenommen. Man merkt, dass das Interesse groß ist, dennoch gab es einige Punkte, die uns sehr überrascht haben“, berichtet Dr. Gerhard Becher, Projektleiter beim Cima Institut für Regionalwirtschaft. Zum Beispiel bewerten die Wittmunder ihre Innenstadt auf einer Skala von eins bis zehn mit einer 3,5. „Das ist unter dem Durchschnitt und spiegelt sich auch in den Kommentaren und der Kritik wider, die wir bekommen“, sagt Becher. Die Hauptkritikpunkte sind demnach: Leerstand, Gepflegtheit der Gebäude und die Qualität der Angebote. „Touristen waren in der Bewertung bislang etwas großzügiger, sie kommen auf eine 6,5.“ Das sei auf den ersten Blick erfreulich, doch bei der Nachfrage, warum die Gäste nach Wittmund kommen, wurde schnell klar, dass es keinen wirklichen Grund gab. „Viele waren eher zufällig hier, das zeigt, Wittmund hat kein Alleinstellungsmerkmal, für das es unter Urlaubern bekannt ist“, schlussfolgert Becher daraus.

Unpassender Stil

Neben der Befragung von Einheimischen und Gästen schaut die Cima auch „mit einem geschulten Auge“ auf die Wittmunder Innenstadt. „Da ist meinen Kollegen aufgefallen, dass manche Gebäude einfach nicht zum Stil und Charme der Innenstadt passen, ganz abgesehen vom Verfall und dem Leerstand. Außerdem sind viele Schaufenster und die Bepflanzung einfach hinter der Zeit und nicht mehr aktuell“, erklärt Becher. Schade findet der Projektleiter es auch, dass vieles, was Potenzial bietet, nicht genutzt oder gepflegt wird. „Ein Beispiel sind die Rosen, die an einigen Stellen gepflanzt wurden, aber jetzt verwelkt sind. Oder der Bouleplatz. Das ist ein tolles Angebot, das gut genutzt wird, aber ohne Schatten und einladende Sitzmöglichkeiten wird das Potenzial nicht ausgeschöpft“, erklärt Becher.

Ein weiterer Punkt ist das gastronomische Angebot. Hier kritisieren Urlauber und Einheimische in den Befragungen, dass es kaum ein Angebot für kleine Snacks auf die Hand gibt. „Häufig ist da das Beispiel Fischbrötchen gefallen, was man in der Region erwarten würde“, sagt Becher. Auch am Sonntagnachmittag einen Kaffee in der Innenstadt trinken gehen ist zurzeit nicht möglich und wurde kritisiert. Genauso wie fehlende Möglichkeiten in einem schönen Ambiente draußen zu sitzen. „Das gibt es vereinzelt, aber in einigen Lokalitäten schaut man dann auf eine Steinwüste, wie den Marktplatz.“

Ein Ort zum Wohlfühlen

Dennoch ist sich Dr. Gerhard Becher sicher, dass die Wittmunder Innenstadt zu einem Ort werden kann, in dem Besucher und Gäste sich wohlfühlen. Denn trotz all der Kritik gab es auch mehr als 200 Vorschläge mit konkreten Verbesserungen. „Die Wittmunder wollen etwas verändern, aber das geht nicht alleine. Die Bereitschaft, sich konstruktiv einzubringen, ist sehr groß“, sagt Becher. Und auch er und seine Kollegen sehen großes Potenzial zum Beispiel im Schlosspark oder darin, wie der Pudding verläuft. „Das vorhandene Potenzial muss jetzt nur noch genutzt werden.“

Um die Wittmunder Innenstadt weiterzuentwickeln, liegt noch ein langer Weg vor den Beteiligten.

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Kim-Christin Hibbeler
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