Wittmund - Mit Patchwork fing alles an: 3250 Euro kamen bei einer gemeinsamen Aktion der Patchwork-Gruppe um Helene Fischer und des Landfrauenvereins Wittmund beim Erntedankfest auf dem Wittmunder Marktplatz zusammen. Diese Summe wurde von der Blücher-Stiftung „Kinder in Not“ um 2000 Euro aufgestockt. Für alle Beteiligten stand fest, dass damit die schnellere Integration von jungen Flüchtlingen gefördert werden soll. Jetzt ist der erste von vorerst drei Deutsch-Kursen beendet. Und mit Patchwork ging es weiter: Helene Fischer bedankte sich bei Lehrerin Zoryana Tsytsyk mit einem Patchwork-Kissen aus handgewebtem Leinen für die bislang erfolgreiche Arbeit.
Kleine Gruppen
Bei einer Gesprächsrunde berichtete die 25-jährige Ukrainerin, die seit zwei Jahren in Deutschland lebt und hier als Haupt- und Realschullehrerin arbeitet, wie die Arbeit mit den vier- bis achtjährigen Kindern angelaufen ist. Sie werden zweimal in der Woche, jeweils montags und mittwochs, in einer kleinen Gruppe spielerisch an die deutsche Sprache herangeführt. „Wir sprechen über Alltagsfragen, zum Beispiel, welche Farbe das ist oder um welches Tier es sich handelt“, erzählt Zoryana Tsytsyk: „Wir haben viel Spaß, aber es geht durchaus schon um viel Kenntnisse.“
Die Gruppen sind bewusst klein gehalten worden. Mehr als acht bis zehn Kinder sollen nicht gemeinsam unterrichtet werden. Allerdings sind nicht nur ukrainische Flüchtlinge unter den jungen Schülern, sondern auch Syrer oder Türken, die allesamt besser Deutsch lernen sollen. „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass wir da den richtigen Weg gehen“, sagt Landfrauen-Sprecherin Inge Elis. Das Honorar für die ukrainische Lehrerin und die Nebenkosten werden aus dem Erlös der Patchwork-Aktion und der „Kinder in Not“-Spende finanziert.
Allerdings hatte die Aktion einen für die Beteiligten enttäuschenden, holprigen Anlauf. Da es für Behörden offenbar nichts Wichtigeres gibt als Datenschutz, konnten konkret keine Eltern oder Kinder für die geplanten Deutsch-Kurse angesprochen werden. Gerd Thellmann: „Der Landkreis weigerte sich, Adressen von ukrainischen Familien herauszugeben oder sie über die geplante Aktion zu informieren.“ Erst über die Kreisvolkshochschule ergab sich eine Möglichkeit: In den dort laufenden Deutschkursen konnten Inge Elis und Zoryana Tsytsyk das Projekt vorstellen, zudem im Jugendzentrum in dem Kurs „Mama lernt deutsch“. So meldeten Eltern schließlich ihre Kinder für den Unterricht im Gemeindehaus an.
Weitere Kurse
Die erste Gruppe hat bereits ihre Schulung abgeschlossen. Die nächste Gruppe startet am kommenden Montag. Eine dritte Gruppe legt Mitte Juni los – bis zu den Sommerferien. Weitere Kurse nach den großen Ferien sind im Gespräch. „Am Geld soll es nicht scheitern“, meint Bernd Jeske vom Vorstand der Stiftung „Kinder in Not“. Gerd Thellmann setzt sich zudem dafür ein, dass den jungen Kursteilnehmern in den Ferien ein über die Stiftung finanzierter Urlaubstag angeboten wird: „Damit sie zusammen mit ihren Eltern mal rauskommen aus dem Alltag.“ Im Gespräch sind eine Fahrt nach Jaderberg oder eine Wattwanderung.
