Wiesmoor -

Zum wievielten Mal moderieren Sie das Blütenfest?

Ludger Abeln: Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, müsste es in diesem Jahr das 13. oder das 14. Mal sein, in dem ich das Blütenfest moderiere. Das erste Mal war es zu Beginn der 2000er-Jahre. Als Wahlostfriese kannte ich das Blütenfest zwar, war aber komischerweise vorher noch nie dabei gewesen. Von Anfang an war es mit den Akteuren eine tolle Zusammenarbeit und der Spaß dabei darf bis heute nicht fehlen.

Was macht den Reiz des Blütenfest als größtes Wiesmoorer Volksfest aus?

Abeln: Wer nicht einmal alles mitgemacht hat, der kann, glaube ich, gar nicht einschätzen, welch ein immenser Aufwand, welch liebevolle Arbeit – und das freiwillig – hinter so einem großen Event stecken. Man darf ja nicht vergessen, dass zum Beispiel die Blütenwagen alle von Hand gebaut und gesteckt werden mit manchmal einer Million Blüten. Das ist wie ein kleines, verbindendes Volksfest vor dem großen Blütenfest. Und natürlich sind alle tierisch aufgeregt, wie ihre Wagen beim Publikum ankommen. Und auch in jedem Jahr wieder neue Ideen für den Korso zu finden, ist nicht so einfach. Und neben den Blütenwagen und der Wahl darf man das Drumherum nicht vergessen. Egal ob Feuerwehr, Rettungskräfte, die Vereine in Wiesmoor, die Sponsoren und viele mehr hängen sich da richtig rein. Und ich finde, dass man das in jedem Jahr dann beim Blütenfest auf der Freilichtbühne sieht. Für mich immer wieder beeindruckend und ich bin da über die Jahre mit hineingewachsen, weil ich mich jedes Jahr freue, auf alte Akteure oder neue Menschen zu treffen, die sich das ganze Jahr auf dieses Ereignis freuen. Da ist Herzblut und Leidenschaft dabei und ich bin sehr gern ein Teil davon. Außerdem sind die kleinen Feste vor und nach der Wahl auch nicht von schlechten Eltern.

Alle Wiesmoorer arbeiten und halten also zusammen...

Abeln: Ich merke in jedem Fall das Gefühl von Zusammengehörigkeit in der Stadt Wiesmoor. Klar ist Wiesmoor gewachsen, die Strukturen innerhalb der Ortsteile funktionieren aber noch ganz anders als z. B. in Aurich. Hier kennt jeder jeden. Und wenn ich als Moderator hinter der Bühne stehe und beobachte, wie sich die Freilichtbühne langsam füllt, und wie sich die Leute freuen sich zu sehen, sich in den Arm nehmen, ihre Banner für ihre Favoritin vorbereiten, wo über Bankreihen hinweg gelacht und gequatscht wird, das zeigt schon, wie wichtig den Wiesmoorern dieses Fest ist und dass ein Jahr ohne Blütenfest ein gebrauchtes Jahr ist. Das haben wir ja jetzt in den Pandemiezeiten erleben müssen. Und dass das Blütenfest auch über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist, zeigen die Gäste, die Königshäuser aus anderen Teilen des Landes und auch die politische Prominenz, die als Schirmherren gern nach Wiesmoor kommen. Ich glaube, die haben auch Spaß und krönen lieber eine Königin, als sich im Parlament mit anderen zu kabbeln.

In welcher Form werden dieses Mal die Kandidatinnen dem Publikum vorgestellt?

Abeln Was die Anwärterinnen auf den Thron an Aufgaben bekommen, das ist wie immer ein Geheimnis. Auch in diesem Jahr soll es ja eine Überraschung für die Kandidatinnen und das Publikum bleiben. Insofern: Lassen Sie sich überraschen!

Wie nehmen Sie den Frauen das Lampenfieber?

Abeln : Klar, sind die jungen Frauen aufgeregt. Erst einmal, weil man sich schon trauen muss, sich als Kandidatin zu bewerben. Denn immerhin sitzen da zwischen 1500 und 2000 Leute im Publikum. Da muss man sich präsentieren, gut laufen, das Winken ist auch nicht zu verachten. Möglichst spontan antworten, nicht zu nervös wirken und sich von der besten Seite zeigen. Ich sehe und spreche die jungen Frauen bei den Proben für das Blütenfest am Samstag, früher Sonntag, so gegen 10 Uhr das erste Mal. Alle werden von den Betreuerinnen eingewiesen. Sie stehen meistens auch das erste Mal auf der Fläche vor den Sitzen. Das ist schon ein ganz anderer und sicherlich beeindruckender Blickwinkel. Und dann stehen dann alle vor mir und ich versuche sie locker zu machen, indem ich Situationen durchspiele, sie zum Lachen bringe. Sie sollen einfach merken, dass ich für sie da bin und ihnen zur Seite stehe, wenn es mal klemmt. Dieses „Auftauen“ hilft natürlich nur bedingt, denn vor großem Publikum ist das dann immer noch eine andere Nummer. Ich möchte, dass sie eine gute Zeit haben auf der Bühne, sich wohl fühlen und wünsche allen nur das Beste. Wer am Ende gewinnt, entscheidet eh das Publikum.

Es gibt nach einigen Jahren wieder eine bekannte Schlagergröße im Programm. Versprechen Sie sich dadurch ein größeren Zusprach bei der Show?

Abeln: Ireen Sheer ist ein Vollprofi. Sie spricht viele Menschen an, hat eine tolle Ausstrahlung und eine große Bühnenpräsenz. Ich habe sie in der Zeit bei der Aktuellen Schaubude in meiner Zeit als Moderator beim NDR-Fernsehen zwei Mal als Gast bei den Sommertouren interviewt und erlebt. Sie ist sehr warmherzig, witzig und offen und wird mit Sicherheit die Menschen begeistern. Ich freue mich auf sie.

Was würden Sie Schirmherr Stephan Weil einmal fragen wollen?

Abeln : Unseren Ministerpräsidenten begleite ich seit einigen Jahren bei seinen Bürgerdialogen, die er im ganzen Land abhält. Im Mai waren wir gemeinsam in Accumersiel. Morgens macht er dann seinen Arbeitseinsatz, diesmal rund um den Campingplatz und arbeitet mit, um sich einen Eindruck von den Menschen, der Arbeit und ihren Herausforderungen zu verschaffen und danach stellt er sich den Fragen der Bewohner und interessierten Menschen. Das geht von Lehrstellenmangel, über gerechte Bezahlung, Bürokratieabbau, digitalen Wandel bis hin zu ganz persönlichen Fragen. Das Blütenfest ist für ihn sicherlich ein entspannter Tag. Und die Fragen sind meistens spontan, das hängt oft von der Situation ab und von dem, was auf der Bühne passiert. Ich weiß z. B. nicht, ob er einen grünen Daumen hat. Das könnte eine Frage sein, die ich ihm stellen werde. Der Rest ergibt sich dann in der Regel im Gespräch, auch mit dem Bürgermeister. Bisher haben aber, glaube ich, alle Schirmherren richtig Spaß beim Blütenfest gehabt. Außerdem ist ja Wahlkampf und dann kann man sich mal von einer persönlicheren Seite zeigen.

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund