Esens - Kaum ein Handwerk hat sich innerhalb der vergangenen Jahrzehnte so stark verändert wie das des Kraftfahrzeugmechanikers. So ist es heute kaum vorstellbar, dass Johannes Janssen aus Esens zu Beginn seiner Lehrzeit im Jahr 1944 mit einfachen Werkzeugen und einer einzigen Hebebühne auskommen musste.
Ursprünglich wollte es der 1929 in Schwittersum geborene Janssen seinem Vater gleichmachen und Polizist werden. Weil Fritz Janssen 1935 den Landgendarmposten in Thunum übernahm, war die Familie immerhin dorthin umgezogen. Doch als es nach dem Schulabschluss in das Berufsleben gehen sollte, fiel die Wahl doch auf die Ausbildung zum Autoschlosser. Eine Lehrstelle fand er in der Opel-Werkstatt von Diedrich Julius am Herdetor in Esens.
Einfache Hilfsmittel
Hilfsmittel wie Drehbank und eine elektrische Schweißanlage standen Johannes Janssen da schon zur Verfügung; vor allem war jedoch handwerkliches Geschick gefragt. Zu dieser Zeit hatten die Räder noch teilweise Links- und Rechtsgewinde. „Das Gesellenstück bestand aus einem metallenen Werkzeugschlüssel, der gesägt, gedreht und gefeilt werden musste“, berichtet der Esenser, der die Berufsschule in Wittmund besuchte.
Als die Arbeit im Betrieb einige Jahre später weniger wurde, begann der Kfz-Geselle, als Güterfahrer im Fernverkehr für die Spedition Gerhard Edzards und die Holz- und Baustoffhandlung E. J. Hedlefs zu fahren. 1952 heiratete er die von Spiekeroog stammende Thea Harms, die Johannes Janssen später motivierte, die Meisterprüfung abzulegen. Immerhin hatte er in der Jücherstraße in Esens zum Jahresanfang 1961 den Werkstattbetrieb von Kfz-Meister und Fahrschullehrer Theodor Julius übernommen, nachdem er dort seit 1955 mitgearbeitet hatte.
Meisterprüfung abgelegt
Nach dem Besuch der Meisterschule in Heide/Holstein gemeinsam mit Walter Geißler bestand Janssen 1962 an der Handwerkskammer Flensburg die Prüfung zum Kraftfahrzeugmechanikermeister. Im praktischen Teil musste er seine Fertigkeiten beim autogenen Schweißen beweisen; das Meisterstück bestand aus einem metallenen Lagerabzieher.
Kraftfahrzeugmechaniker Johannes Janssen brachte schnell Schwung in den Esenser Betrieb. Ein von Julius übernommener Lastwagen diente als Abschleppfahrzeug. „In dieser Zeit waren vor allem Goggomobile, Fahrzeuge der DKW/Autounion, Heinkel-Kabinenroller und die Zündapp-Janus gefragt, die repariert und gewartet wurden“, erinnert sich der heute 92-Jährige. Am Straßenrand befand sich eine Haltebucht mit handbetriebener Pump-Zapfsäule.
Aufbau des Betriebs
Die geschäftstüchtige Thea Janssen war dann wohl die treibende Kraft, aus den gepachteten Räumen in einen eigenen Betrieb zu wechseln. Das Ehepaar führte an der Norder Landstraße und an der Bensersieler Straße Verkehrszählungen durch, und entschied sich in der Folge für einen Neubau an der letztgenannten Straße.
Neben einem Betriebsgebäude mit Werkstatt und Halle für die Hand-Autowäsche entstand eine Tankstelle der Montan-Union, die Janssen später den besagten Spitznamen einbrachte. 1964 wurde der Kfz-Meister Auto-Union-Händler.
In den nachfolgenden Jahrzehnten erwies sich Johann Janssen immer wieder als technischer Vorreiter im Landkreis Wittmund: Bei ihm fand die erste TÜV-Abnahme im Harlingerland statt, er richtete 1968 den ADAC-Straßendienst ein und stellte die erste Münztanksäule in der Region auf. 1980 punktete „Hannes Montan“ mit dem ersten vollelektronischen Betankungssystem; fünf Jahre später floss bei ihm das erste bleifreie Benzin im Landkreis.
