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“Kaffeebeere“ am Marktplatz Warum in dieses Café nur Kinder ab zehn Jahre dürfen

Esens - Es war keine leichte Entscheidung, die Elena und Martin Helwig getroffen haben. Und der Vorfall, der letztlich alles ausgelöst hat, belastet die beiden Gastronomen noch immer. Das Ehepaar hat beschlossen, in ihrem Café „Kaffeebeere“ am Esenser Marktplatz keine Kinder unter zehn Jahren zuzulassen – zumindest im Innenbereich.

Martin Helwig ist dabei wichtig zu betonen, dass sie nicht die Kinder damit verbieten wollen, sondern die Eltern, die nicht auf ihre Kinder aufpassen. „Wir lieben Kinder“, sagt Elena Helwig. Und es tue ihnen leid für alle Familien mit Kindern, die sich vorbildlich verhalten. „Das ist ja die große Mehrheit. Es sind nur wenige, die das Problem sind“, sagt Elena Helwig. Letztlich hätten sie aber nur zwei Optionen gehabt: weiter auf sich rumtrampeln zu lassen oder entschieden Konsequenzen zu ziehen.

Was war passiert?

Aber zurück zum Anfang – was ist passiert? Am Freitagmorgen sei eine vierköpfige Familie ins Café bekommen. Eines der Kinder sei um die zwölf Jahre alt gewesen, das andere deutlich jünger. „Das kleine Kind ist immer die Treppe ein Stück hochgelaufen und von da dem Vater in den Nacken gesprungen“, erzählt Elena Helwig. Die Familie habe an einem Tisch mit vier Stühlen neben der Treppe gesessen.

Auch als das Kind anfing, unter der Treppe entlangzulaufen, wo die Getränke gelagert sind, hätten die Eltern nicht eingegriffen. „Das ist ja auch gefährlich. Ich möchte hier doch keine Kinder gefährden“, sagt Elena Helwig. Das Kind habe dann angefangen, die schmierigen Hände an den Sesseln im Innenraum des Cafés abzustreichen. Auf die Bitte von Elena Helwig, das zu lassen, habe es nicht reagiert. Weil das Kind nicht aufhörte zu toben, habe die Inhaberin die Familie schließlich angesprochen. Der Vater sagte nur, es sei ja nichts passiert, die Mutter sei nur am Telefonieren gewesen.

Für Elena und Martin Helwig war das zu viel. Sie entschieden sich, das Café den Rest des Tages zu schließen und wandten sich mit dem Thema über die Sozialen Medien an ihre Gäste. Dort erklären sie die Situation und ihre Gedanken dazu, ob und wie sie ihren Betrieb weiterführen sollten. Am nächsten Tag folgte die Erklärung, die Altersgrenze auf zehn Jahre zu setzen.

Mehrmals am Tag zur Ordnung rufen

Sie wisse, sagt Elena Helwig, dass die Kinder nichts dafür könnten. Und dass die allermeisten Familien diesbezüglich kein Problem sind. Doch der Trend sei bemerkbar. „Früher kam so etwas vielleicht einmal im Monat, auch mal einmal die Woche vor.“ Bis zuletzt hätten sie mehrmals am Tag Kinder und Eltern zur Ordnung rufen müssen.

In den Facebook-Kommentaren unter der Beschreibung des Vorfalls äußern sich viele verständnisvoll und kritisieren Eltern, die nicht aufpassen. Die Entscheidung mit der Altersgrenze hat gemischte Reaktionen hervorgerufen – von Unterstützung bis Empörung und dem Vorwurf der Diskriminierung. Die Diskussion will das Ehepaar auch zulassen. Auf seitdem abgegebene schlechte Bewertungen auf Google wollen die beiden ausführlich und sachlich antworten. Glücklich sind sie mit der Situation selbst nicht. Denn es werde die Mehrheit der Familien bestraft, deren Kinder keine Probleme machten. Aber Martin und Elena Helwig führen die „Kaffeebeere“ seit fünf Jahren und das Problem sei immer schlimmer geworden.

Dass das Thema hochkochen würde, war ihnen bewusst. Deshalb waren sie am Montag auch gemeinsam im Geschäft, um Kunden die Situation erklären zu können. „Das müssen ja nicht unsere Mitarbeiterinnen ausbaden“, erklärt Martin Helwig. Das ist unsere Entscheidung.

Julia Dittmann
Julia Dittmann Redaktion Wittmund
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