Neuharlingersiel - Nils Sander ist Fischer aus Neßmersiel. Er ist am Donnerstag nach Neuharlingersiel gekommen, um gegen das drohende EU-Verbot von Schleppnetzfischerei in Meeresschutzgebieten zu demonstrieren. Dass die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte persönlich gekommen ist, um sich die Sorgen und Ängste der Fischer, Touristiker und Politiker anzuhören, macht ihn dankbar. „Jetzt hoffen wir, dass sie etwas ausrichten kann.“ Das hoffen auch Jürgen Peters, Bürgermeister von Neuharlingersiel, und seine Kolleginnen und Kollegen aus Jemgum, der Krummhörn, Norden und Dornum. Sie haben einen offenen Brief an alle Landes- und Bundesminister sowie die niedersächsischen Abgeordneten im EU-Parlament, im Landtag und im Bundestag verfasst.
Differenziert betrachten
Darin zeigen sich die Rathauschefs besorgt über die Pläne der EU. Zwar werde der Schutz der Meere begrüßt. Die Fischerei mit Netzen, die den Meeresgrund berühren, müsse aber differenzierter betrachten werden. Grundschleppnetze, die lediglich über den Meeresboden rollen, nähmen keinen unwiderruflichen Einfluss – das sei auch wissenschaftlich erwiesen. „Sowohl die Krabben- als auch die Muschelfischerei sind mit dem Nachhaltigkeitssiegel des MSC zertifiziert“, heißt es in dem Brief.
Die Bürgermeister zeigen auch eine Folgenabschätzung auf, die die EU bislang nicht vorgenommen habe: So würde die gesamte Küstenfischerei verboten, rund 100 Familien-Wirtschaftsbetriebe müssten ihren Betrieb einstellen, der Ausbildungsberuf des Fischwirts würde verschwinden. Auch vor- und nachgelagerte Branchen würden Einbußen hinnehmen müssen. Der Tourismus müsse sich neue Werbeträger suchen, ein Stück regionaler Identität würde zerstört. Kutter, die als Altersvorsorge dienen sollen, würden wertlos. Das Projekt „Alternative Krabbenwertschöpfung“ beim Thünen-Institut Bremerhaven, mit 2,3 Millionen Euro Fördergeld, wäre wirkungslos.
Die Bürgermeister laden Politiker ein, sich in den Häfen von Ditzum, Greetsiel, Norddeich, Accumersiel, Neßmersiel, Bensersiel oder Neuharlingersiel selbst ein Bild zu machen. Unterzeichnet haben den offenen Brief Hans-Peter Heikens für Jemgum, Hilke Looden für die Krummhörn, Florian Eiben für Norddeich, Uwe Trännapp für Dornum und Jürgen Peters für Neuharlingersiel.
Geschlossenheit
Das Gespräch mit Ministerin Staudte nannte Jürgen Peters „genau richtig“. Es seien alle zu Wort gekommen, und die Bedeutung der Fischerei für die Region sei deutlich geworden. Die Landwirtschaftsministerin habe jetzt den Auftrag bekommen, sich um die Sorgen der Menschen vor Ort zu kümmern.
So sieht es auch die Esenser SPD-Landtagsabgeordnete Karin Emken. „Die ganze Küste steht geschlossen hinter den Krabbenfischern.“ „Es ist aber noch nicht vorbei“, sagt Jürgen Peters. Alle Beteiligten müssten jetzt aktiv bleiben und weiter auf die drohenden Probleme aufmerksam machen.
