Wittmund - Das Wittmunder Krankenhaus arbeitet erfolgreich zum Wohle der Patienten — und rutscht dennoch wieder in die roten Zahlen. Nach zwei Wirtschaftsjahren mit leichtem Plus rechnet der neue Klinikgeschäftsführer Kai Schasse für 2022 mit einem Minus zwischen 300.000 und 500.000 Euro. Eine Summe, die der Landkreis Wittmund bereits vorausschauend im Haushalt des Vorjahres zum Verlustausgleich eingeplant hatte. Mitte des Jahres will Schasse den Jahresabschluss vorlegen und den Fehlbetrag genau beziffern.
Liquidität grundlegendes Problem
Grundsätzlich fehle es in der „deutschen Krankenhauslandschaft an Liquidität“, erklärte der Geschäftsführer am Montagnachmittag vor der Gesellschafterversammlung der Klinik. „Für abgerechnete Leistungen, die ohnehin zu günstig sind, bekommen wir auch erst verspätet das Geld.“ Das Wittmunder Krankenhaus verfüge über ausreichend Liquidität. Das sei ein beruhigendes Signal und im Krankenhausgeschäft nicht mehr ganz selbstverständlich.
Die Fallzahlen habe man 2022 um 758 auf 7936 steigern können. Das sei angesichts der Corona-Pandemie „außergewöhnlich gut und spricht für das Haus und die Akzeptanz des Hauses“. Die Auslastung sei zwar unter 80 Prozent gefallen, aber letztlich nicht verwunderlich. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres sei ein weiterer Anstieg der Fallzahlen und damit verbunden wieder bessere Auslastung zu verzeichnen. 2023 sei auf dem Weg, ein gutes Jahr zu werden, sagte Schasse. Zur Personalentwicklung berichtete der stellvertretende Geschäftsführer Stephan Rogosik den Kreistagspolitikern, die die Gesellschafterversammlung des kreiseigenen Krankenhauses bilden.
Wenig Bewerber für Pflege
Das Pflegepersonal sei in wenigen Jahren von etwas über 100 auf 150 Kräfte aufgestockt worden. Doch auch wenn in diesem Jahr 14 von 16 Absolventen übernommen würden, bleibe es eine Herausforderung, genügend Bewerberinnen und Bewerber für die Pflegeausbildung zu finden. Für das aktuelle Ausbildungsjahr seien bislang erst vier Stellen besetzt. Im ärztlichen Dienst sollen in diesem Jahr noch drei Stellen nachbesetzt werden. Damit könne die Klinik dann Kosten für externes Personal sparen, das zwei- bis dreimal so teuer sei wie eigenes Personal.
Debatte zur Krankenhausreform
Geschäftsführer Schasse sensibilisierte in seinem Ausblick, sich in die Diskussion zur Krankenhausreform einzubringen. Er bat die Politiker, alle Kontakte zu nutzen. „Die regionalen Unterschiede müssen berücksichtigt werden.“ Es dürfe keine Reform geben, die für alle gleich sei. Das wäre realitätsfremd. Schließlich käme eine Klinik in Ballungszentren auf ganz andere Fallzahlen als ein Haus in der Fläche. Man könne nicht überall denselben Maßstab ansetzen. Das würde die Versorgungssicherheit gefährden. „Es gibt noch viele Haken an dieser Reform, die uns noch richtig zu schaffen machen werden“, sagte Schasse.
Nichtsdestotrotz plant die 152-Betten-Klinik für die Zukunft: Am Montag startete die zweite Bauphase am Krankenhaus mit dem symbolischen Spatenstich. Rund 21 Millionen Euro werden in die Hand genommen, um bis Ende 2025 unter anderem ein neues Stationskonzept umzusetzen und um den Haupteingang nach Süden mit Anbindung an die Südumgehung (B210) zu verlegen. Die Baukosten müsse man stets im Blick haben, stellte Schasse die Abgeordneten auf zu erwartende Steigerungen ein. Zu gegebener Zeit werde man beim Land einen Antrag auf Nachförderung stellen müssen.
