Wittmund - Für Bootsmann gibt es bald jeden Tag ein Leckerli. „Aber für mich nicht jeden Abend eine Pfeife“, sagt Ralf Benninghoff und lacht. Für den Geschäftsführer des Krankenhauses Wittmund war es immer ein Ritual: Wenn er am Freitag nach Hause kam, begrüßte ihn der Hund voller Freude. Dann zog sich der 56-Jährige um, ging mit Bootsmann in den Garten und zündete sich zum Wochenende eine Pfeife an. Nun muss sich nicht nur Bootsmann umstellen, denn ab dem 22. Dezember wird sich das Familienleben der Benninghoffs nicht mehr nur auf das Wochenende beschränken.
Kollegen sind ihm ans Herz gewachsen
Vor fast sechs Jahren, am 1. März 2017, wurde Ralf Benninghoff Geschäftsführer der Wittmunder Klinik, zu der 152 Betten gehören. „Die Jahre waren gut“, beschreibt er kurz und prägnant. Alle Kollegen sind ihm ans Herz gewachsen. Heute, am Donnerstag, wird Benninghoff zum letzten Mal die Gesellschafterversammlung leiten und einen Ausblick auf das kommende Wirtschaftsjahr geben. „Es wird mir nicht Bange um das Haus, in dem ich mich immer wohl gefühlt habe“, sagt der Geschäftsführer. Wenngleich die Rahmenbedingungen für Häuser dieser Größe nicht besser und einfacher geworden sind. Immer mehr Bürokratie würde den Kliniken alles abverlangen, betont Ralf Benninghoff. Aber er weiß: In Wittmund haben die Mitarbeiter das Herz am rechten Fleck. „Hier wird auf Augenhöhe kommuniziert, das ist unglaublich wichtig“, betont der 56-Jährige, der sich als Fels in der Brandung beschreibt. Und so stand auch seine Tür für die Kollegen immer offen. Aber Benninghoff weiß auch, für das Krankenhaus gibt es in Zukunft noch „dicke Bretter zu bohren“. Und damit meint er nicht allein den zweiten Bauabschnitt, den nun sein Nachfolger Kai Schasse, der am 15. Februar anfängt, begleiten wird.
Finanziellen Kurs beibehalten
Für das Krankenhaus gilt es auch, den finanziellen Kurs weiter zu halten. Unter Benninghoff ist es gelungen, positive Betriebsergebnisse zu erzielen. „Diese Entwicklung ist mit Blick auf die sich stark wandelnde Krankenhauslandschaft im Nordwesten nicht selbstverständlich“, so der Geschäftsführer. Das Krankenhaus Wittmund könne aber stolz darauf sein, dass nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Politik voll und ganz hinter der Klinik stehen.
„Als ich hier anfing, habe ich mir nicht ausmalen können, welche Herausforderungen mit der Corona-Pandemie noch einmal auf die Kliniken zukommen würden“, sagt der Geschäftsführer. Aber auch dabei habe sich das Prinzip der kurzen Wege einmal mehr als Vorteil erwiesen. „Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt und dem Impfzentrum war hervorragend“, sagt der 56-Jährige. Für ihn war es eine rein private Entscheidung, zum 2, Januar als Geschäftsführer an das DRK-Krankenhaus Clementinenhaus in Hannover-List zu wechseln. Im Sommer hatte Benninghoff um Aufhebung seines Vertrages gebeten – die Gremien folgten diesem Antrag. 286 Kilometer waren es für Ralf Benninghoff, die ihn von seiner Familie, die in der Nähe von Hildesheim lebt, trennten. Künftig wird er von seinem Haus bei Hildesheim bis zur Arbeit nur noch eine Fahrzeit von einer halben Stunde haben. Und so wird sich das Leben des Vaters von zwei Kindern, 15 und 18 Jahre alt, noch einmal ändern.
Vater in Sande besuchen
Aber Ralf Benninghoff ist nicht ganz weg aus der Region. Schließlich wurde er in Sande geboren und dort lebt auch sein Vater Rolf noch. Den hat er einmal die Woche besucht. „Als ich ihm sagte, dass ich zurückziehe, war er natürlich nicht wirklich begeistert, aber meine Heimat ist da, wo meine Familie wohnt“, sagt Ralf Benninghoff. Zwar war in der Zeit, die er in Wittmund gearbeitet hat, ein Umzug im Gespräch, aber seine Frau Claudia hat eben auch ihre Arbeit als Erziehungsleiterin. „Es wird für uns ein neues Gefühl, wieder als Paar auch in der Woche etwas unternehmen zu können“, sagt der Geschäftsführer, der sich auf die gemeinsame Zeit freut. „Aber Pfeife werde ich weiterhin nur am Freitagabend rauchen – mit Bootsmann im Garten“, sagt er lachend.
