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Früherer Stadtarchivar Johannes Mennen berichtet Kriegsende in Wittmund – Erinnerung an eine Panzersperre

Zwischen den Häusern Abels (links) und dem ehemaligen „Hotel Finkenburg“ an der Auricher Straße hatte man im Mai 1945 eine massive Panzersperre aufgebaut.

Zwischen den Häusern Abels (links) und dem ehemaligen „Hotel Finkenburg“ an der Auricher Straße hatte man im Mai 1945 eine massive Panzersperre aufgebaut.

Stadtarchiv Wittmund

Wittmund - Nur wenige Zeitzeugen gibt es, die sich an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Ostfriesland am 8. Mai 1945 erinnern. Johannes Mennen, heute 91 Jahre alt und früherer Stadtarchivar in Wittmund, gehört zu ihnen.„Wir waren eine Gruppe von ehemaligen Pimpfen der Deutschen Jugend (DJ) und ein paar Tage vorher bei einem sogenannten Feierlichen Appell auf dem Schulhof der Finkenburgschule aus den Diensten des größten Verbrechers der deutschen Geschichte, Adolf Hitler, entlassen worden“, schreibt Mennen in einem Aufsatz. Die Hitlerjugend habe es nicht mehr gegeben. „Wir waren frei, keinen Dienst mehr, keine Aufmärsche und Gedenktage, Gelände-Übungen und vormilitärischer Drill.“ Aber auch der Schulunterricht sei eingestellt worden.

Marschierende Jugendliche

Die Front befand sich am Küstenkanal und im südlichen Ostfriesland. „Auf dem Wittmunder Marktplatz wurde eine Gruppe von 20 älteren Hitlerjungen unter Führung eines alten Feldwebels mit Ziel Küstenkanal verabschiedet“, erinnert sich Johannes Mennen. Andere Jugendliche seien zuvor irgendwo auf dem Lande versteckt worden. „Nach dem ersten Marschtag fehlten am anderen Morgen in Friedeburg schon sechs Jugendliche. Nach dem zweiten Stopp in Neuenburg löste der alte Feldwebel den Rest der Einheit auf und schickte sie zurück nach Wittmund.“

In der Kreisstadt wurden danach Vorkehrungen für eine Verteidigung gegen die Alliierten getroffen. Die Stadt gehörte zum Festungsbereich Wilhelmshaven und musste gesichert werden. „Überall entstanden Gefreitenstände, Panzerlöcher und Panzersperren.“

Fallschirmjäger in Finkenburg

Johannes Mennen weiter: „Für uns Zwölfjährige aus der Klusforde und der Buttstraße war das erste Ziel natürlich die Auricher Straße. Dort war die Sperre zwischen dem Finanzamt und dem Abelschen Haus fertig geworden. Eine Gruppe Fallschirmjäger sollte dort in beiden Häusern Stellung beziehen – junge gut ausgerüstete Soldaten mit der besonderen Tarnbekleidung, den Fallschirmjäger-Helmen und modernen Sturmgewehren. Sie hatten sich so gut es ging in den Räumlichkeiten des Hauses Finkenburg eingerichtet.“

Die Kinder fühlten sich allerdings unsicher; war es doch verboten, sich in der Nähe von Befestigungsanlagen zu bewegen. Auf der anderen Seite waren die sechs Freunde, die im 4. Jungzug Fähnlein gewesen waren, neugierig. „In den Tagen zuvor hatten wir gemeinsam unsere Uniformen, Ehrenabzeichen, Dolche und Koppeln hinter einem Schuppen in einer Kiste vergraben, damit sie keiner bekommt. Später waren sie dann aber doch verschwunden.“

Ersten Farbigen gesehen

Am 5. Mai, morgens um 8 Uhr, war dann alles vorbei. Nachts um 2 Uhr gab der Seekommandant Ostfriesland bekannt: „Ab 8 Uhr herrscht Waffenruhe zu Lande, zu Wasser und in der Luft“. Johannes Mennens Mutter sagte damals nur: „Du darfst wieder überall spielen, es gibt jetzt keine Tiefflieger mehr.“

Wittmunder Kinder trafen sich dann an der Panzersperre Auricher Straße, wo die Querbalken und der Sand in der Sperre schon abgebaut wurden. Bürgermeister Schröder kam ebenfalls vorbei. In der Ferne hörte man Geräusche wie leises Donnergrollen – die kleinen Schützenpanzer und Jeeps mit den Offizieren der kanadischen Besatzungskräfte. Johannes Mennen beeindruckt: „Was uns damals total aus der Fassung brachte war, dass im ersten Panzer ein Farbiger saß, der zu den Siegern über unser Großdeutschland gehörte. Er lächelte uns an und winkte.“ Einen Schwarzen hatten die Zwölfjährigen bis dato noch nicht nie gesehen.

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund
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