Wittmund - Millionenfach ist es weltweit auf den Handys der Menschen rund um den Globus abgebildet und weist mittlerweile auf einen technischen Standard der Mobiltelefonie hin: das Zeichen von Bluetooth. Bei diesem Begriff handelt es sich um eine unkomplizierte Datenübertragung zwischen Geräten über kurze Distanz per Funktechnik. Die Bluetooth Special Interest Group hatte das System Mitte der 1990er-Jahre entwickelt. Und als typisches Symbol ist seit Beginn an der eckig ausgeführte Buchstabe B bekannt – mit abgewinkelten Ausläufern nach links.
Initialen des Künstlers
Kurios ist jedoch, dass der Wittmunder Kunstmaler, Gebrauchsgraphiker und Pädagoge Karl Bösch (1883–1952) genau dieses Zeichen vor mehr als 100 Jahren bereits genutzt hat, wie die Signaturen auf seinen Radierungen eindeutig belegen. Mit verbindungslosen Funkübertragungen hatte der Kulturschaffende seinerzeit natürlich nichts im Sinn. Um seine Werke in Kurzform zu signieren, nutzte Bösch seine Initialen und lehnte die Ausführung an den seinerzeit noch beliebten Germanismus des Deutschen Kaiserreichs an. Dabei spiegelte er das K und verband es mit dem Buchstaben B.„Derartige Signaturen gibt es bereits auf Radierungen aus seiner Siegener Zeit“, berichtet Dr. Walter Baumfalk, der sich intensiv mit dem Leben und Schaffen Karl Böschs beschäftigt und kürzlich eine umfassende Biografie dazu veröffentlicht hat. Dort, so der Wissenschaftler, habe der Wittmunder zwischen 1905 und 1919 als Kunsterzieher am Realgymnasium in Siegen gearbeitet, lediglich unterbrochen für Studien, Militär- und Kriegsdienst. „Erst hatte Bösch etwas herumexperimentiert und sich dann auf diese Signierung festgelegt, die ausschließlich bei grafischen Arbeiten und nicht bei Gemälden Anwendung fand – auch noch in seiner Wittmunder Zeit“, erklärt der Auricher Baumfalk. Dem Künstler sei es wohl um eine Einfachheit und einen Wiedererkennungswert gegangen.
Von König Blauzahn
Die Bluetooth-Erfinder dürften schließlich nichts von Karl Bösch gewusst haben, als sie den Markennamen sowie das dazu gehörende Logo beim U.S. Patent and Trademark Office (USPTO) schützen ließen. Sie machten sich vielmehr eine mittelalterliche Geschichte zunutze. Vertreter der drei seinerzeit führenden Mobilfunk-Unternehmen Ericsson, Intel und Nokia, denen mit Bluetooth 1996 ein technischer Durchbruch in Sachen Funkübertragung gelang, erinnerten sich an den dänischen König Harald Gormsson, der wohl wegen seiner abgestorbenen, dunkelblauen Vorderzähne Blauzahn gerufen wurde – Zahnhygiene spielte im Mittelalter kaum eine Rolle. Zur Zeit der Christianisierung im 10. Jahrhundert befanden sich Dänemark und Norwegen im Krieg. Und im Jahr 958 regierte eben der dänische König Harald, der das kriegerische Treiben zwischen den beiden Ländern beenden wollte. Der Regent bewies Verhandlungsgeschick und begründete den Frieden; beide skandinavischen Länder kamen unter seine Regierungsgewalt.
Gut 1000 Jahre später stand König Blauzahn somit Pate für die Namensgebung von „Bluetooth“ (auf Englisch: Bluetooth), das zunächst nur als Platzhalter für den neuen Industriestandard im Bereich drahtloser Datenübertragung vorgesehen war. Das heute weltberühmte Zeichen leitete sich ebenfalls vom Dänen-König ab: Unter den germanischen Runen steht Hagall (Nordic H) somit für König Harald und Bjarkan (Nordic B) für den Beinamen Blauzahn.
