Friedeburg - Auch für die Dörfer rund um Friedeburg können die Fünfziger-Jahre als Höhepunkt des Rundfunkzeitalters bezeichnet werden. Einige Familien verfügten zwar schon vor dem Kriege über ein einfaches Radio, den sogenannten Volksempfänger. Doch kam es erst in dieser Zeit zu einer umfassenden Versorgung selbst in kleinen und entlegenen Ortsteilen. Zumeist waren es recht klobige Geräte – 30 oder 40 Zentimeter hoch und 50 bis 60 Zentimeter breit. Sie arbeiteten mit Röhrentechnik und waren auf eine Außenantenne angewiesen. Die Sendungen wurden über Kurz-, Mittel- oder Langwelle empfangen.
Feste Sendeplätze
Beliebte Rundfunksendungen waren der mittägliche Landfunk von Radio Bremen, das wöchentlich häufig plattdeutsche NDR-Hörspiel am Montagabend und selbstverständlich Nachrichten mit Wetterbericht oder Magazinsendungen wie „Echo des Tages“. Aufmerksame Zuhörer fanden im Programm ebenso das regelmäßige Hafenkonzert am frühen Sonntagmorgen (die Live-Sendung begann um 6 Uhr), Sportreportagen, die Ratschläge Dr. Walter von Hollanders, diverse Ratesendungen, aber auch Hinweise für Vorarbeiter und Arbeitsgänge bei den Schiffsankünften in Bremen und Bremerhaven.
Für Sendungen mit lokalen Inhalten sorgten in erster Linie Radio Bremen und der Norddeutsche Rundfunk mit seinem Studio Oldenburg. Viele Rundfunksprecher waren jahrelang für bestimmte Beiträge verantwortlich und hatten in der Bevölkerung durchweg einen guten Ruf – kleine Medienstars sozusagen.
Deutsche Sender
So wurden breiteste Bevölkerungskreise mit nützlichen und unterhaltenden Sendungen angesprochen. Das Rundfunkgerät wurde zu bestimmten Zeiten an- und dann auch wieder ausgeschaltet; es diente nicht als Dauer-Geräuschkulisse wie heute. Das Rundfunkhören hatte seinen festen Platz im Feierabendgeschehen, zumal es auf dem Land so gut wie keine anderen Unterhaltungsangebote gab. Auf der Mittelwellen-Skala entdeckte man neben Sender aus Nordwestdeutschland ebenfalls auch Luxemburg, Straßburg, den Rheinsender, London, AFN, München, Berlin-Ost, England 3, Budapest und Beromünster.
Einen deutlichen Sprung in der Klangqualität gab es, als die alten Röhrengeräte von den kleineren, batteriebetriebenen Transistorradios abgelöst wurden. Sie konnten mit nach draußen genommen werden. Im Übrigen verbesserte sich die Leistungsfähigkeit der Empfangsteile allmählich, so dass der Aufwand mit den Außenantennen geringer wurde.
Fernsehen siegt
Der Siegeszug des Fernsehens begann Ende der Fünfziger-Jahre. Große Hörerkreise blieben dem Rundfunk zunächst noch treu, weil die Fernsehsendungen bei zwei Programmen anfangs auf wenige Stunden beschränkt waren. Tagsüber war meist nur das „Testbild“ zu empfangen, aber der Abend wurde vom Fernsehen dominiert. Die Beginnzeit der Tagesschau (20 Uhr) erwies sich als strukturierend zwischen beruflicher und häuslicher Arbeitszeit und Freizeit. Rundfunksendungen indes konnten damals schon rund um die Uhr gehört werden.
Billig waren die ersten Rundfunkgeräte nicht, doch bald gab es wohl in jedem Haushalt einen Empfänger. Ein gutes Geschäft mit der „braunen Ware“ machten damals zum Beispiel die Firmen Taddicken und Ziebarth in Friedeburg sowie Hellmers in Bockhorn. Ausstellungen diverser Modelle gab es nicht nur in den Schaufenstern, die Händler gingen vielmehr auch über Land. So erinnerte man sich noch lange an eine kleine „Rundfunkmesse“, für die die Gastwirtschaft Eilers (Leerhafe) ihre Räumlichkeiten bereitstellte.
Transistor für Jugend
Für Jugendliche war es in den Fünfziger- und Sechziger-Jahren wichtig, Besitzer eines „Transistors“ zu sein, um damit – oft geschultert – bei voller Lautstärke durchs Dorf zu spazieren und auf sich aufmerksam zu machen. Die kleinen handlichen Taschenradios, meist schon in Fernost produziert, wurden später ebenso zu einem Verkaufsschlager.
