Marx - Der Entschluss von Hobbylandwirt Michael Wendel steht fest. Er will seine Weiden in Marx wolfsabweisend einzäunen. „Meine schottischen Hochlandrinder laufen das ganze Jahr auf der Weide“, erklärt er seine Entscheidung. Er sehe die Gefahr, dass sie sonst vom Wolf angegriffen werden. „Die Weidesaison für schwarzbunte Rinder ist bald zu Ende und dann sind nur noch meine elf Tiere auf der Weide.“
Dabei mache er sich weniger Sorgen, um seine Bullen oder Muttertiere, sondern vor allem um seine Jungtiere. „Die sind leichte Beute“, sagt er und zeigt auf eins. Seine Rinder sehen zwar kräftig aus, doch „sie sind lammfromm“.
Gittermatte als eine Lösung bei Wallhecken
Zusammen mit Finn Ahrens, Wolfsberater und Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Wittmund, und Hinrich Frerichs, ebenfalls von der Unteren Naturschutzbehörde, geht Wendel seine Weideflächen ab. Das Problem: Der Hobbyhalter hat vier Flächen, drei davon sind eher klein und umgeben von Wallhecken. Jedes Grundstück einzeln einzuzäunen, sei nicht ideal. „Bei vielen kleinen Flächen brauche ich mehr Zaunmaterial als bei einer großen Wiese. Außerdem habe ich bei mehreren kleinen Wiesen einen größeren Pflegeaufwand“, sagt Wendel.
Doch dafür gibt es jetzt eine Lösung. „Wir machen aus den drei kleinen Flächen eine große Fläche, die wir wolfsabweisend einzäunen“, erklärt Hinrich Frerichs. Damit das klappt, muss stellenweise mit einem Minibagger ein schmaler Durchbruch in die Wallhecken gegraben werden. Dort wird dann eine Gittermatte in den Wall eingegraben. Auf der Matte werden elektrische Litzen befestigt. Sie bilden die Kontur des Walls nach. So müsse nur minimal und kurzfristig in die landschaftlich geschützten Wallhecken eingegriffen werden, sagt Frerichs.
„Wir als Landkreis wollen helfen und es den Landwirten so einfach wie möglich machen, ihre Tiere vor Wolfsangriffen zu schützen“, sagt Ahrens. Und da sei auch ein minimaler Eingriff in die geschützten Wallhecken möglich. Michael Wendel findet die Idee gut: „Durch das Zusammenlegen meiner Flächen ist der Pflegeaufwand geringer. Hoch ist der Aufwand aber immer noch. Ich werde vermutlich alle zwei Wochen mit dem Freischneider die untere Litze von Bewuchs befreien müssen. Sie ist nur 20 Zentimeter vom Boden entfernt“, erläutert Wendel. Das sei wichtig, nur so bliebe der Zaun stromführend.
Wolfsabweisender Zaun 20 Zentimeter höher
Damit der Wolf nicht von der Wallhecke über den Zaun in die Weide springt, haben „wir einen Meter Abstand von der Wallhecke eingeplant. Außerdem wird der Zaun sechs Litzen und eine Höhe von 1,40 Meter haben. 20 Zentimeter höher als normalerweise viele wolfsabweisende Zäune sind.“
Das Material für den Zaun kostet 15 000 Euro. „Das bekomme ich von Land Niedersachsen bezahlt.“ Das Aufstellen des Zaunes will Michael Wendel selber machen, finanziert wird es nicht. Er hofft, dass er Anfang nächsten Jahres das Material bekommt. „Ich sehe keine andere Möglichkeit, um meine Herde zu schützen“, sagt Wendel. In den Stall könne seine Herde nicht, da seine Tiere ein zu dichtes Fell haben und dann anfangen würden zu schwitzen.
Finn Ahrens appelliert als Wolfsberater: „Ich rate jedem, die Förderung für Zaunmaterial in Anspruch zu nehmen, um so den Wolf aus der Weidefläche zu halten.“ Der Betrieb von Michael Wendel sei der erste im Landkreis Wittmund, der sich bei ihm gemeldet hat, so Ahrens. Er hofft, dass sich noch mehr dafür entscheiden.
