Langeoog - Die Inseln stehen vor einem großen Problem. Denn sie müssen eine Frage beantworten, die nicht leicht zu beantworten ist: Wie kann Wohnraum für Einheimische oder Menschen, die dauerhaft dort wohnen wollen, bezahlbar sein, wenn die Immobilienpreise steigen und es für Eigentümer wirtschaftlich attraktiver ist, Ferienwohnungen anzubieten?
Überlässt man den Markt sich selbst, könnten sich Sylter Verhältnisse entwickeln und Langeoog langfristig zu einer Insel der Wohlhabenden ohne ausreichend Wohnraum für Arbeitskräfte werden lassen.
Schutzsatzung
Neben der Regelung der Nutzung von Immobilien über Bebauungspläne wird als eine mögliche Alternative eine Millieuschutzsatzung gehandelt. Diese bedeutet, dass die Immobilien, die derzeit für das dauerhafte Wohnen genutzt werden, auch künftig nur so genutzt werden dürfen. Das hört sich erstmal gut an, würde aber zur Entwicklung von zwei Immobilienmärkten führen. Einmal der „günstigere“ für Immobilien von Langeoogern, und ein freier Markt für Ferienimmobilien – mit deutlich höheren Preisen. Eine solche Situation bedeutet dann auch, dass zwei identische Häuser nur wegen der Nutzung einen ganz anderen Wert haben werden. Zudem kann nicht garantiert werden, ob eine Millieuschutzsatzung wirklich bezahlbaren Mietwohnraum sichert und dass am Ende nicht doch ein zweites Sylt entsteht.
Die Verzwicktheit der Situation hat auch der Bauausschuss der Insel Langeoog bei seiner letzten Sitzung erkannt und deswegen eine Entscheidung zum Thema Millieuschutzsatzung zurück gestellt. Nicht zuletzt auch wegen der vielen Bedenken, die auch seitens der Bürgerschaft angesprochen wurden. Die Satzung würde große Risiken bergen, für viele Langeooger Werte vernichten und Lebensplanungen infrage stellen. Zudem sei sie in der vorigen Ratsperiode aus diesem Grund schon einmal ad acta gelegt worden, geeignete B-Plan-Änderungen müssten geprüft werden.
Die Satzung sei der falsche Weg
Jan Martin Janssen (Union für Langeoog) stimmte grundsätzlich zu, dass man Mittel finden müsse, Dauerwohnraum zu erhalten. Diese Satzung sei aber der falsche Weg, hier würden Millionenwerte vernichtet. Damit das nicht passiert, könnte es vor Inkrafttreten der Satzung zu einer Welle massiver Umwandlungen von Dauerwohnraum in Ferienwohnungen kommen. Bürgermeisterin Heike Horn begründete die Vorlage damit, dass viele Bürger Angst vor dem Ausverkauf der Insel hätten. Wohnraum sei zudem wichtig, um Mitarbeitende zu gewinnen. Fakt sei, dass etwas passieren müsse.
Das Beispiel der Genossenschaft Uns Oog, so Horn, habe gezeigt, dass nach dem Bau von 34 Wohnungen nur zwei frühere Wohnungen weiter als Dauerwohnraum genutzt würden. Uwe Garrels (parteilos) widersprach. Er wisse von 22 Wohnungen, die weiter als Dauerwohnraum genutzt werden.
Die stellvertretende Bürgermeisterin Ines Mühlinghaus (Bürgerliste Langeoogers) stimmte Jan Martin Janssen voll zu und ergänzte, dass damit die in vielen Fällen die Altersversorgung vernichtet werde. Daher bestehe noch Beratungsbedarf. Heike Horn zeigte sich darüber irritiert, da Ines Mühlinghaus als Mitglied des Verwaltungsausschusses (VA) beteiligt gewesen sei, eine Entscheidung herbeizuführen. Die angesprochene entgegnete, dass es im VA nur um das Gelände des ehemaligen Internats gegangen sei, jetzt werde ganz Langeoog ins Auge gefasst.
Experten befragt
Gerda Spies (CDU) stellte den Antrag, das Thema zurück zu stellen, da niemand fundierte Kenntnisse habe. Es wurde entschieden, Alternativen zu besprechen und die Regelungen anderer Inseln vorzulegen. Horn entgegnete, dass die Verwaltung Experten befragt habe und auch andere Inseln diesen Weg gewählt hätten. Michael Recktenwald (parteilos) stellte fest, dass man in einem Dilemma sei. Es seien alle Argumente richtig und man könne es nicht allen Recht machen. Eine Entscheidung müsse aber getroffen werden. Er war später der einzige, der sich gegen eine Zurückstellung aussprach.
