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50. Todestag Lale Andersens große Liebe zu einer kleinen Insel

Anneus Buisman

Langeoog - Als Lale Andersen im September 1944 zum ersten Mal die Insel Langeoog betrat, begann ihre große – lebenslange Liebe zu einer kleinen Insel. Aus dem Trümmerfeld Berlin hatte sie sich, auf Einladung eines ehemaligen Tourneebegleiters, auf die abenteuerliche Reise an die Nordsee gewagt.

In ihren Erinnerungen schreibt sie über die Eindrücke der ersten Begegnung mit dem Eiland: „Nach den Tagen und Nächten in dichtem, schwitzendem Menschenknäuel, in dem du das Gefühl hast, dich nie mehr aus ihm herauswickeln zu können, scheint dies alles unwirklich, eine Traumlandschaft, durch die du schwebst. . . bei starkem ostfriesischen Tee vom Stövchen, den man auf knisternden Kandis in durchsichtige Porzellantässchen goss, war das Leben so, wie es eigentlich vom lieben Gott gemacht war.“

Militärschreibstube

In den Wirren des Kriegsendes war sie auf der Insel in eine leergeräumte Militärschreibstube eingezogen, dem Kern das späteren „Sonnenhofes“. Hinter ihr lag ein wechselvolles Leben mit Höhe- und Tiefpunkten. Geboren wurde Liese-Lotte Bunnenberg 1905 in Bremerhaven. Aus einer frühen Ehe war sie ausgebrochen, um im pulsierenden Berlin zu Anfang der 1930er-Jahre ihrer Bestimmung als Künstlerin zu folgen. Zwei Jahre dauerte es, bis man ihr kleine Schauspielrollen anbot, dazu tingelte sie als „Nordseekrabbe“ mit überwiegend maritimen Liedern über Deutschlands Variétébühnen. Ein Engagement hatte sie an das Züricher Schauspielhaus gebracht. Dort lernte sie den Schweizer Rolf Liebermann kennen und zog mit ihm zusammen. Liebermann sollte nach dem Krieg als Operndirektor in Hamburg und Paris europaweite Karriere machen. Als sie 1935 als unerwünschte Ausländerin nach Nazi-Deutschland ausgewiesen wurde, blieb ihre große Liebe zurück.

Um die Spuren zu ihren jüdischen Kontakten zu verwischen, legte sie sich den nordisch klingenden Künstlernamen Lale Andersen zu. 1939 hatte sie das Lied von einer Soldatengeliebten, die unter einer Laterne auf ihren Liebsten wartet, auf Platte aufgenommen. Ganze 700 Schallplatten hatte man geprägt. Eine davon war auf Umwegen beim Soldatensender Belgrad, der der Wehrertüchtigung an den Fronten dienen sollte, gelandet. Nun ging das Lied allabendlich in den Äther. Als man es nach ein paar Sendungen absetzen wollte, kamen Protestschreiben von allen Fronten, von Norwegen über Russland bis Nordafrika. Dort hingen auch die englischen Truppen allabendlich am Radioempfänger und viele, die in der Sprache des Feindes den Refrain mitsangen. So wurde Andersen ein internationaler Star.

Nicht wehrertüchtigend

Da das Lied alles andere als wehrertüchtigend war, enthielt es doch auch die bange Frage vieler im Felde „Wer wird bei der Laterne steh’n, mit dir Lili Marleen?“, wurde es dann doch abgesetzt. Mit Auftritten auf kleinen Variétébühnen schlug sich Lale Andersen in den Kriegsjahren durch. Als die Kanadier Langeoog besetzten, musste sie zuerst eine Probe ihrer Künste im Lesesaal der Insel abgeben. Kurz darauf erlaubte man ihr wieder erste Auftritte. Als sie Rolf Liebermann wiedersah, hatte sich ihre Liebe durch die lange Trennung verflüchtigt. Andersen begann ihre Nachkriegskarriere. Die war nicht mehr so steil, aber beständig. Zweimal nahm sie am „Eurovision Song Contest“ teil, war im Fernsehen Gast in der „Haifischbar“, tingelte über die Bühnen des Nachkriegsdeutschlands. Filme wurden über sie und „ihr Lied“ gedreht.

Langeoog blieb sie bis zuletzt treu. In den letzten Lebensjahren von einer schweren Krankheit gezeichnet, suchte sie in ihrem „Sonnenhof“ immer wieder die Kraft für ihr Künstlerleben. Am 29. August 1972 starb sie und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Dünenfriedhof bestattet. Zu ihrem 100. Geburtstag schuf die Goldschmiedin Eva Recker die Bronzefigur einer Frau unter einer Laterne. Bleibende Erinnerung für jeden Langeoog-Urlauber an ein berühmtes Lied und an seine ebenso berühmte Interpretin.

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