Langeoog - Nun ist sie im Dezember 2022 doch demontiert worden, die alte Bake auf dem Langeooger Hospizplatz, die an ein Stück Seefahrtsgeschichte erinnerte. Sie war eine verkleinerte Nachbildung der ehemaligen Nordost-Bake und gehörte in ihrer Bauweise zu dem breiten Spektrum von Kopfbaken, Kapen, Seetürmen und Seetonnen, die jahrhundertelang als Tagesseezeichen für die Sicherheit der küstennahen Schifffahrt sorgten. Seit geraumer Zeit übernehmen jedoch moderne Radaranlagen und Navigationssysteme diese Aufgaben.
Zeichen ab Mittelalter
Aber auch heute ist nichts in der Seefahrt wichtiger als eine stetige und zuverlässige Hilfe zur räumlichen Orientierung. Nun mag man denken, Seezeichen seien so alt wie die Schifffahrt selbst, aber das ist in der südlichen Nordsee keineswegs der Fall. Hier fließen die Nachrichten über Orientierungshilfen erst aus dem späten Mittelalter. Über viele Generationen hinweg verkehrten nur kleine Wattfahrzeuge im Küstengebiet, deren Schiffer hier zu Hause waren. Sie wickelten auch weitgehend den Handelsverkehr mit den Seehäfen Hamburg, Bremen, Emden und Amsterdam sowie anderen Inseln und Sielhäfen ab und kannten ihre Reviere.
Anders wurde es erst, als fremde Schiffer in größerer Zahl die südliche Nordsee aufsuchten. Für sie war ein künstliches Seezeichensystem eine unverzichtbare Orientierungshilfe, denn sie waren ohne diese Hilfen im Wattengebiet und bei den Einfahrten in die Flussmündungen verloren.
Orientierung an Dünen
Natürliche Seezeichen für die fremden Frachtensegler waren zunächst einmal die Inseln. In einem Segelhandbuch von 1541 findet man die derzeit älteste bekannte Beschreibung markanter Erkennungsmerkmale. So war Baltrum im Westen an hohen und im Osten an niedrigen Dünen zu erkennen, Langeoog an zwei voneinander getrennten Dünengruppen und Spiekeroog an seinen niedrigen Sandhügeln. Als Wangerooger Zeichen galt die kleine Kirche. Kapitäne und Steuerleute mussten also scharfe Beobachter sein, um die Orientierung bei der Passage nordseits der Inselkette nicht zu verlieren. Bald standen auch mehr oder weniger aussagekräftige Seekarten zur Verfügung und gaben weitere Informationen.
In einer alten niederländischen Wattenkarte wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Befahrer des Seegatts westlich von Langeoog auf dem Festland mit Dornumer Zöllnern und die Befahrer der „Ossen-Balje“ (gemeint war die Otzumer Balje) östlich von Langeoog mit Esenser Zöllnern zu rechnen hätten.
Zwei natürliche Fahrwasser bei Langeoog
Um Langeoog hier gab es zwei natürliche Fahrwasser, die einen Zugang zur Küste ermöglichten: Westlich die sogenannte Accumer Ee Richtung Dornumersiel/Westeraccumersiel und östlich die Otzumer Balje, die in Richtung des heutigen Bensersiel führte. Eine problemlose Zufahrt war bei guten Witterungsbedingungen zwischen den letzten Frühjahrsstürmen und den ersten Herbststürmen immer möglich – man durfte nur nicht zu sehr in die Nähe der Insel kommen und musste durch ständiges Loten Untiefen rechtzeitig erkennen.
In der übrigen Jahreszeit mit stürmischer See, häufigem Nebel und schlechter Sicht ruhte die Schifffahrt nördlich der Inseln weitgehend, und die Seeleute brachten sich in ihren Heimathäfen in Sicherheit.
Von Wangerooge profitiert
Die Einstellung des Kohlenleuchtfeuers auf Wangerooge und die Errichtung des ersten Lampen-Blinkfeuers an der Nordseeküste war 1830 ein deutlicher Entwicklungsschritt, denn es war – von Westen aus gesehen – schon vor Langeoog zu erkennen. In der Bekanntmachung der Großherzoglich-Oldenburgischen Regierung zur Umstellung hieß es, dass das Licht eine Minute scheine und danach eine Minute verschwinde und sich damit von den Zeichen in Borkum, Helgoland, Neuwerk und Cuxhaven unterscheide.
Langeoog profitierte also von den technischen Vorkehrungen auf Wangerooge und brauchte keine eigenen Nachtseezeichen zu bauen. Auf der Nachbarinsel indes entstand nach dem Einsturz des Kirchturmes 1597 ein etwa 60 Meter hoher Backsteinbau als Tagmarke, der später mit einem Leuchtfeuer ergänzt wurde, das man mit Öl- bzw. Tranlampen betrieb. 1631 wurde das nur schwache Leuchtfeuer durch eine Kohlenblüse ersetzt, die auf einem Sandhügel stand. Ständig mussten Personal eingesetzt und die laufenden Kosten für die Befeuerung getragen werden. Die Langeooger konnten sich dagegen entsprechende Investitionen ersparen. 1849 baute die Generaldirektion des Wasserbaus im Königreich Hannover auf Langeoog zwei Kapen, um die Weserschifffahrt sicherer zu machen.
Kennzeichen unterscheiden sich
Heute entdeckt man jenseits der Meierei von Langeoog auf dem Osterhook die sogenannte Ostbake aus dem Jahre 1981. Nordwestlich der Meierei befindet sich auf den Dreebargen-Dünen eine pyramidenförmige Peilbake mit Vierecktoppzeichen von 1960. Beide Kennzeichen unterscheiden sich also deutlich voneinander.
Auf der Kaapdüne im Südwesten der Insel wurde um 1849 eine Bake errichtet, um die Zufahrt zwischen Langeoog und Baltrum in die Accumer Ee zu erleichtern. Optisch stellte sie eine Pyramide dar und hatte obenauf ein Dreieck, deren Spitze nach unten zeigte. Nach sechs Jahrzehnten wurde sie von dem weithin sichtbaren Wasserturm abgelöst, der seither für die küstennahe Schifffahrt eine markante Landmarke darstellt und längst zu einem Wahrzeichen Langeoogs geworden ist.
