Wittmund/Harlingerland - Mit 35 schon Chef einer Einrichtung? Das geht nur mit Herzblut und mit Respekt: Vor den Menschen, mit denen man täglich große Aufgaben angeht – und vor denen, für die man sich immer wieder ins Zeug legt. Als Geschäftsführer des Diakonischen Werks Harlingerland hat Lars Remmers jetzt die Nachfolge von Hans-Jürgen Weigelt angetreten.
Eine Aufgabe, die die Gesellschaft vor Ort zusammenhält und jeden als mündigen Bürger achtet. Auch diejenigen, die unkonventionelle Lebensformen vorziehen; die mehr oder weniger freiwillig auf der Straße leben. „Die Tür zu uns steht allen offen“, versichert der neue Diakonie-Geschäftsführer. Im Geist des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und des christlichen Glaubens „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – und wenn sie noch so unbedeutend sind – das habt ihr für mich getan“. Aus dieser Überzeugung werden Hilfsangebote geschaffen. Angebote, die man annehmen kann, ohne sich verbiegen zu müssen. Zum Beispiel, die Diakonie in Wittmund als Postadresse zu nutzen.
Begegnung auf Augenhöhe
„Wir machen niemandem Vorwürfe, nur weil er oder sie so lebt, wie er gern möchte“, versichert Lars Remmers. Stets begegne man sich „auf Augenhöhe“ – was auch für die vielen anderen Angebote gelte, die die evangelische Hilfsorganisation vorhält. Angebote, die bei der Diakonie nicht von Amts wegen gestaltet wird, sondern aus Achtung und Zuwendung. Manchmal geht es „nur“ darum, ein paar Anträge richtig auszufüllen, um etwa eine „richtige“ Wohnung zu finden.
Bewältigung von Krisen
Aber auch wer mit komplexeren Problemen die Beratungsstelle aufsucht, bekommt fundierte Unterstützung. Bei der Bewältigung von Krisen in der Partnerschaft – oder in einer laufenden Trennung. Dieser Bereich machte übrigens in der Bilanz 2022 die meisten Fälle aus. Beratungshilfe wurde und wird zudem bei einer ungewollten Schwangerschaft geleistet, bei Erziehungsproblemen oder schlicht bei Existenzängsten, seien sie durch schwere Krankheit oder auch durch das berüchtigte Nichtauskommen mit dem Einkommen begründet. „Auch das ist zuletzt deutlich häufiger geworden“, sagt Remmers, „oft haben Eltern die Sorge, ihren Kindern nur noch sehr wenig bieten zu können.“
Ob das so ist oder was man dagegen tun kann, das lässt sich mit einer der erfahrenen Berater der Diakonie erörtern. Nach einem formlosen Auftaktgespräch, in dem eine der fünf Mitarbeiterinnen im Sekretariat – dem „Herz unseres Hauses“ – die weiteren Schritte zum passenden Angebot vorstellt und plant. Insgesamt rund 350 Ratsuchende haben sich allein im vergangenen Jahr neu für eine psychologische Beratung zu einem Termin angemeldet.
Darum ist die Arbeit wichtig
Die Arbeit des Diakonischen Werks – zu der in Wittmund übrigens auch die Fachambulanz Sucht des Kreiskirchenverbandes Ostfriesland-Nord gehört – ist notwendig, auch in 20 oder 30 Jahren noch, davon ist Lars Remmers absolut überzeugt. „Weil hier vieles zusammenläuft, auch in der Kooperation mit den Kommunen und den anderen Wohlfahrtsträgern.“ Sein eigener beruflicher Werdegang scheint ihn ganz besonders für die Pflege und Weiterentwicklung gerade dieser Zusammenarbeit auszuzeichnen.
Nach dem Start aus der kirchlichen Jugendarbeit, nach Ausbildung (zum Erzieher) und Studium (Religionspädagogik und Soziale Arbeit) hat Remmers bereits sieben Jahre im Jugendamt des Landkreises Erfahrungen gesammelt. Dass er in seiner neuen Position auch ökonomisch gestalten muss, macht ihm keine Sorge. Weil er weiß, was langfristig tragen muss: „Am Ende müssen die Zahlen stimmen. Wir müssen uns gut für die Zukunft aufstellen, um das gute und breite Angebot aufrecht zu erhalten.“
