Esens - Wo sollen all die Menschen mit einem hohen Betreuungsbedarf bleiben? Dies fragt sich der Esenser Verein Lebensanker fortwährend und könnte sich vorstellen, seine Angebote für kranke, behinderte oder schwer unfallverletzte Personen zu vergrößern. „Der Gesetzgeber beschloss vor wenigen Jahren, stationäres Wohnen in Wohnheimen deutlich zu reduzieren und nicht mehr zu fördern. Das hat sicher viele gute Gründe. Doch es wurde vergessen, alternativ den sozialen Wohnungsbau anzutreiben“, erklärt Vereinsvorsitzende Brigitte Mikesky.
Der Bedarf steigt
Pflegeheime schlössen wegen Personalmangels ganze Abteilungen. Es gebe Einrichtungen, die nur noch von gut situierten Senioren bezahlbar sind, sagt sie. Und auswärtige Einrichtungsträger verwiesen auf ihre Regionalität. „Wer berät und hilft denn älteren, pflegebedürftigen Müttern, die erwachsenen Kinder zu versorgen und unterzubringen? Wer hilft den behinderten Menschen, die trotz eigenem Hilfebedarf tagtäglich ihre pflegebedürftigen Eltern notdürftig versorgen?“ Allein dem Lebensanker, so Brigitte Mikesky, seien in Esens unzählige Fälle bekannt. Kaum jemand wisse, an wen er sich wenden kann und wo er Hilfe bekommt. „Wir brauchen ein transparentes Netzwerk, durch das niemand mehr fallen kann“, fordert sie.
Wenn der Lebensanker ein weiteres Grundstück erhalten sollte, sei dies immer noch ein Minimalziel. Mikesky: „Mit einem zweiten Reihenhaus hätten wir zwar fünf oder sechs weitere Menschen untergebracht. Doch bis zur Fertigstellung stehen weitere 20 und mehr Personen an, die ebenfalls einen bezahlbaren Lebensort brauchen. Wir werden derzeit überrollt von Anfragen.“ Dabei gehe es nicht nur um Wohnraum, sondern um unzählige bürokratische Hürden, die noch vor dem Umzug aus dem Weg geräumt werden müssten.
Pflege für zehn Personen
„Wir würden gerne selbst eine Tagespflege für acht bis zehn Personen anbieten. Doch die nötigen Räumlichkeiten stehen nicht zur Verfügung“, macht Brigitte Mikesky deutlich. Eine alternative Tagesbetreuung sei zwar angedacht, doch Fachkräfte fehlten und die Fahrtkosten seien derzeit nicht bezahlbar. „Trotz aller Bemühungen wäre eine von uns geführte Tagesbetreuung nur ein Tropfen auf den sehr heißen Stein.“
