Yared Dibaba ist nicht nur Moderator und Musiker, sondern auch leidenschaftlicher Plattschnacker. Das passt gut, da er für seine NDR-Sendung „Yared kommt rum – Dibaba erzählt Dorfgeschichten“ auch in Werdum zu Besuch war.Dort hat er nicht nur mit dem Bürgermeister gesprochen, sondern die Menschen des Dorfes kennengelernt – und eine Runde geboßelt. Wie es war, verrät er im Interview.
So jetzt erstmal die wichtigste Frage: boßeln – wie war’s?
Yared DibabaSuper – ich liebe boßeln. Ich habe zu Hause auch zwei große Kugeln.
Aber die stauben schon im Schrank ein?
Dibaba(lacht) Ja, die stauben schon, weil ich nicht so viele Gelegenheiten in Hamburg habe, zu boßeln – eigentlich gar keine. Aber hin und wieder ergibt sich die Gelegenheit und dann mache ich gern mit. Fälschlicherweise denken viele, dass es ein Trink-Sport ist, aber das ist wirklich Sport, also Sport Sport, Vereinssport, der die Menschen verbindet. Dass es was ganz eigenes Ostfriesisches ist, deswegen finde ich boßeln irgendwie cool.
Yared Dibaba wurde an 8. April 1969 in Aira in Äthiopien geboren. 1973 kam die Familie erstmals nach Deutschland, da sein Vater einen Studienplatz für Erziehungswissenschaften an der Universität Osnabrück erhalten hatte.
In Ganderkesee besuchte Dibaba die Schule und lernte unter anderem Plattdeutsch. Nach der Schule und einer abgeschlossenen Ausbildung, besuchte er in den 1990er-Jahren eine Schauspielschule in Bremen.
Seit über 20 Jahren ist der Musiker auch im Fernsehen zu sehen. Dibaba moderierte eigene Formate, war aber auch als Schauspieler aktiv.
Der 54-Jährige ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Hamburg.
Die neue Sendung „Yared kommt rum – Dibaba erzählt Dorfgeschichten“ läuft ab Mitte Juli im NDR, freitags um 21.15 Uhr. Die Werdum-Folge wird am 28. Juli ausgestrahlt.
Das Boßel-Abenteuer war nur eine Station hier bei deinem Besuch in Werdum. Du warst mehrere Tage hier, wie war dein Eindruck?
DibabaSuper nett. Die Gegend kenne ich auch. Als Kind habe ich in Esens mit meinen Eltern Ferien gemacht – bestimmt viermal oder fünfmal. Also ich kenne Ostfriesland seit meiner Kindheit und habe deswegen auch eine besondere Verbindung. Ich sage das also nicht nur aus Spaß, dass ich im Herzen Ostfriese bin. Ich fühle mich total wohl hier und als wir hier in den Ort gefahren sind, habe ich gleich ein gutes Gefühl gehabt.
Wie hat sich denn Ostfriesland mit den Jahrzehnten verändert?
DibabaAch, es wird natürlich einiges moderner, das sieht man einfach. Es wird in einigen Ecken neu gebaut, neue kleine Siedlungen entstehen, es wird dichter besiedelt oder ein neues Einkaufszentrum entsteht. Auf der anderen Seite merkt man aber auch, dass die Menschen hier verwurzelt sind. Es gibt welche, die weggezogen und wieder zurückkommen sind und sagen „Nee, ich will hier nicht weg“. Das ist eine ganz besondere Liebe zur Heimat.
Welche Geschichten nimmst du denn jetzt mit für dein Programm?
Dibaba(lacht) Ich weiß nicht, welche Geschichten in den Film kommen, das entscheidet die Autorin. Im Herzen nehme ich natürlich alle Geschichten mit.
Aber eine tragische Erfahrung musstest du hier auch machen – im Haustierpark. Willst du uns dazu etwas erzählen?
DibabaEs geht um Ilona, die Ziege. Die kenne ich von der Fußball WM 2018. Da war ich mit dem Moma-Team in Russland und Ilona war das Orakel. Das war natürlich total süß und wir haben immer jeden Tag irgendwelche Spielchen mit ihr gemacht. Leider ist sie zwei Wochen bevor wir hier her gekommen sind, verstorben. Das ist schon ein bisschen traurig, weil es ein schönes Wiedersehen gewesen wäre. Aber es ist, wie es ist: Das Leben beginnt irgendwann, und das Leben geht zu Ende.
Ja, das stimmt. Ich wechsele mal hart das Thema: Platt und Ostfriesland – was bedeutet das für dich?
DibabaBei mir ist es so, dass ich einfach viele schöne Erinnerungen aus der Kindheit habe und die Menschen hier immer als sehr warmherzig und offen und auch weltoffen erlebt habe. Es gibt mit Sicherheit auch andere Leute hier, aber so, wie ich die Menschen erlebt habe, war das immer sehr herzlich. Und ich habe viele positive Erfahrungen auch aus verschiedenen Sendungen, die ich mit Ostfriesen gemacht habe, es war immer sofort eine Verbindung da.
Bei einem Dreh wird meist auf das Bild geachtet. Es werden Sachen wiederholt gedreht. Wie echt sind da die Begegnungen, die man später im Fernsehen sieht?
DibabaFür mich sind die echt. Natürlich sind es Fernseh-Begegnungen, für den Film kommen wir ja auch hierher. Aber ich freue mich immer, die Menschen kennenzulernen. Ich bin auch neugierig und interessiere mich für die Menschen, wie sie hier leben wie sie ticken – das finde ich immer spannend. Wir waren ja mit unserer Sendung auch schon im alten Land, wir waren in Mecklenburg-Vorpommern, wir haben viele andere Dörfer gesehen. Zu jedem Ort entsteht eine besondere Beziehung.
Ich möchte noch einmal auf das Boßeln zurückkommen. Wird man dich vielleicht im kommenden Jahr bei der EM hier vor Ort wiedersehen?
Dibaba(lacht) Ja, warum nicht, das wäre doch eine gute Gelegenheit. Wenn ich eine Einladung krieg, komm ich gerne – und vorausgesetzt, dass es terminlich passt.
