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Molkerei vor 115 Jahren gegründet Prämierte Friedeburger Dosenbutter auch in der Schifffahrt beliebt

Hans-Werner Arians
Bis in die Sechzigerjahre lieferten die Milchbauern ihr Rohprodukt noch per Pferdegespann zur Molkerei Friedeburg.

Bis in die Sechzigerjahre lieferten die Milchbauern ihr Rohprodukt noch per Pferdegespann zur Molkerei Friedeburg.

Elimar Ricklefs

Friedeburg - Es handelt sich um eins der markantesten Gebäude in der Ortschaft Friedeburg: Die Molkerei, dessen Hauptgebäude sich seit 115 Jahren an der Wieseder Straße befindet und seit drei Jahrzehnten vom Spirituosenhersteller Heiko Blume genutzt wird.

Betrieben zwischen 1907 und 1991 galt die Molkerei Friedeburg als eine der modernsten und leistungsfähigsten Milchverarbeitungsbetriebe Ostfrieslands. In der „Oldenburger Zeitung für Stadt und Land“ vom 14. März 1906 war zu lesen, dass für den Bezirk des Alten Amtes Friedeburg seinerzeit eine Genossenschaftsmolkerei errichtet werden sollte. Man hatte zu einem Vortrag über das Molkereiwesen des Molkereiinspektors Kleinschmidt im Landwirtschaftlichen Klub eingeladen.

30 Gründungsmitglieder

Mit Datum vom 17. Juli 1907 schlossen sich schließlich 30 Personen, vor allem Landwirte aus Friedeburg und den Nachbargemeinden, zur Molkereigenossenschaft Friedeburg zusammen. Das Betriebsgebäude an der Wieseder Straße wurde 1908 fertiggestellt und danach gemäß der erforderlichen Marktlage immer wieder erweitert. Der erste größere Umbau erfolgt 1927, danach wurde das Verwaltungsgebäude mit der Dienstwohnung für den Molkereidirektor auf der gegenüberliegenden Straßenseite errichtet. 1954/55 modernisierte die Genossenschaft das Betriebsgebäude und erweiterte es erheblich. Der 40 Meter hohe, weit sichtbare Schornstein ersetzte 1967 den alten Schornstein. Weitere größere Erweiterungsmaßnahmen schlossen sich an.

In ihrer Geschichte hatte die Friedeburger Molkerei drei Direktoren. Von 1908 bis 1951 führte August Treede die Geschäfte, von 1951 bis 1962 Gerd Hartmann, und von Mai 1962 bis zur Auflösung der Genossenschaft Ende 1991 wirkte Peter Schneider als Molkereidirektor.

Vergrößertes Einzugsgebiet

Zum Einzugsgebiet der Molkerei Friedeburg gehörten neben Friedeburg die Ortschaften Abickhafe, Dose, Hesel, Reepsholt, Marcardsmoor, Wiesmoor-Mullberg, Bentstreek, Marx und Etzel. Mit der 1967 erfolgten Fusion mit der Molkereigenossenschaft „Fresena“ Horsten wurde das Einzugsgebiet um den Raum Horsten, Neustadtgödens, Gödens und Dykhausen erweitert. Durch diese Gebietserweiterung stieg die Zahl der Milchlieferanten von 950 auf 1100. Betrug im Gründungsjahr 1908 die angelieferte und verarbeitete Milchmenge 2,5 Millionen Kilogramm, so waren es 1967 rund 27,5 Millionen Kilogramm – mit steigender Tendenz. Nach einer Betriebsstättenerhebung von 1964 war die Molkerei Friedeburg mit 29 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Ort.

Milchlaster ersetzt Pferd

Erfolgte die Milchanlieferung der Landwirte in den ersten Jahrzehnten mittels Pferdefuhrwerke und später Treckergespanne, so ersetzte man den Milchtransport 1974 durch Milchtanklastwagen. Dafür errichtete die Genossenschaft gegenüber des Molkereigebäudes Garagen.

Ende der Achtzigerjahre setzte eine drastische Veränderung in der Landwirtschaft ein, die eine Zentralisierung von Molkereien in Gang setzte. Im Dezember 1991 endete somit die Geschichte der Molkerei in Friedeburg, deren Kunden zur Ammerland-Molkerei in Dringenburg wechselten. Sie gehört heute zu den größten und modernsten Milchwirtschaftsbetrieben Europas. Heiko Blume übernahm das Betriebsgebäude zum nachfolgenden Jahreswechsel.

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