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Nationalsozialismus auf Langeoog Jüdische Familie de Heer wurde vertrieben – Nachkommen zufällig ausfindig gemacht

Auch auf der Insel Langeoog waren Flucht und Vertreibung während der NS-Zeit Thema. Die jüdische Familie de Heer musste ihre Geschäfte auf der Insel aufgeben und in die Niederlande flüchten.

Auch auf der Insel Langeoog waren Flucht und Vertreibung während der NS-Zeit Thema. Die jüdische Familie de Heer musste ihre Geschäfte auf der Insel aufgeben und in die Niederlande flüchten.

dpa/archiv

Langeoog - Eigentlich wollte der Architekt Christoph Lowes lediglich eine Broschüre über das Haus Dünenlust auf Langeoog für die Betreiber Norda Westerkamp und Frank Niemeier erstellen. Bei seiner Recherche wurde aber schnell klar: Das Haus ist weit mehr als nur eine Pension und birgt eine für Langeoog bedeutsame historische Geschichte. Denn ab 1933 war das Haus Dünenlust, zuvor als Pension unter dem Namen Haus Recker bekannt, im Besitz der jüdischen Familie de Heer.

Sie waren Händler

Aus der Recherche geht hervor: „Der gebürtige Niederländer Pieter de Heer und seine deutsch-jüdische Frau Margarethe verdienten ihr Geld mit dem Handel von Butter und Käse in Recklinghausen. Außerdem betrieben sie auf Langeoog seit 1929 zunächst einen Laden für Molkereiprodukte, den sie dann im Jahr 1930 um das neu errichtete Café Dünenschlößchen, unmittelbar am Fuß des Wasserturmes gelegen, erweiterten.“ Das Cafe Dünenschlößen wurde bis 1938 betrieben. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurden sie in Recklinghausen immer häufiger Opfer von dem durch den Nationalsozialismus wachsenden Rassismuss. Sie verlegten ihren Wohnsitz nach Langeoog. Aber auch hier nahm der Hass und der rassistisch motivierte Boykott gegen jüdische Händler zu.

Sie wurden enteignet

1936 musste zunächst das Dünenschlößchen, 1938 die Dünenlust verpachtet werden. 1940 wurde das Café-Restaurant niedergerissen und das Pensionshaus zwangsversteigert. Margarethe und Pieter de Heer verließen mit ihrem einzigen Kind Adolf im April des Jahres 1938 Deutschland und flüchteten nach Winschoten in den Niederlanden. „Von Winschoten aus betrieben die de Heers nach Ende des Krieges mehrere mühsame, langwierige Verfahren zur Entschädigung für das abgerissene Café und vor allem zur Rückgabe des zu Unrecht enteigneten Haus Dünenlust. Trotz ihrer haarsträubenden Erlebnisse und angstvollen Erfahrungen in nationalsozialistischer Zeit kehrte die Familie nach Langeoog zurück und begann unverzüglich damit, das Haus wieder für eine Vermietung als Ferienpension vorzubereiten.“ Pieter de Heer starb im Jahr 1954 nach der Wiedereröffnung seines Hauses – 1962 verließen auch seine Frau und der Sohn Adolf wieder die Insel.

Nachdem Lowes die Broschüre über das Haus Dünenlust veröffentlichte hatte, traf er zufällig auf einem Campingplatz einen Nachkommen der Familie de Heer, erklärt Erhard Nötzel vom Langeooger Heimatverein. „Christoph Lowes besuchte die Familie de Heer in den Niederlanden und arbeitete die Familiengeschichte auf.“ Diese Informationen sollen demnächst veröffentlicht werden und unter anderem auch für die Informationstafeln der Stolpersteine, die für die Familie verlegt werden sollen, genutzt werden.

Die alte Postkarte zeigt das ehemalige Café Dünenschlößchen auf Langeoog. Dieses wurde von 1929 bis 1938 von der jüdischen Familie de Heer betrieben.

GEDENKEN AUF DER INSEL Auf Langeoog sollen nun Stolpersteine an die jüdische Familie de Heer erinnern – Verlegung 2024

Larissa Siebolds
Langeoog
Larissa Siebolds
Larissa Siebolds Redaktion Wittmund
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