Nenndorf - Der eine ist 51 Jahre alt und damit doppelt so alt wie der andere. Und auch hauptberuflich gehen sie ganz unterschiedliche Wege. Die Rede ist von Holger Haarmann aus Schweindorf und Klaas Freese aus Nenndorf. Gemeinsam haben sie jedoch ein Ziel: Sie wollen die alte Kneipe am Unlandsweg in Holtriem-Nenndorf für die dörfliche Bevölkerung neu beleben – im Stile von 1975.
Etwas Mut gehört dazu
„Man muss schon ganz schön durchgeknallt sein, wenn das gelingen soll“, sagt Holger Haarmann. „Und etwas Mut gehört natürlich auch dazu“, erklärt Klaas Freese. Holger Haarmann ist gelernter Automobilkaufmann. Aus gesundheitlichen Gründen hat er zum Steuerfachangestellten umgeschult. „Das ist seit fünf Jahren mein Hauptberuf. Die Kneipe ist als Hobby dazugekommen“, sagt Haarmann, der als Gastronom vorbelastet ist. „Meine Eltern hatten eine Gastwirtschaft in Nordrhein-Westfalen.“
Klaas Freese ist gelernter Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik und nach einer Weiterbildung in diesem Job Industriemeister. „Die Nachbarschaft in Schweindorf und die Leidenschaft für historische Mopeds hat mich und Holger zusammengebracht“, sagt der 25-Jährige. Und Holger Haarmann ergänzt: „Beim Bier am Grill entstand die verrückte Idee, die ehemalige Kultkneipe samt Wohnhaus und dem kompletten Gelände am Unlandsweg zu kaufen und mit neuem Leben zu füllen.“
Haus 1966 gebaut
Vorbesitzer war Willi Willms. Das Wohnhaus stammt aus dem Jahr 1966, die Kneipe, die in Absprache mit der Familie und in Erinnerung an Willi Willms nun „Bi Willi“ heißt, aus dem Jahr 1968. Willi Willms hatte einen Getränkevertrieb. Zum Gelände gehört ein kleiner Campingplatz mit 28 Stellplätzen. „Nicht für Touristen. Der Platz wird vom Campingverein Löwenzahn genutzt“, erklärt Haarmann. Die Kneipe trug daher früher den Namen „Camping Klause“. 19 Jahre lang war sie jetzt außer Betrieb.
Als Haarmann und Freese davon erfuhren, dass ein anderer Kaufinteressent aus Bayern abgesprungen war, haben die beiden zugeschlagen. Sie haben Wohnhaus, Kneipe und Campingplatz 2021 während der Pandemie gekauft. Ihr gemeinsames Ziel: die Kultkneipe aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken und wieder zu einem Treffpunkt zu machen. Hauptzielgruppe sind nicht Touristen, sondern Menschen aller Generationen aus den Dörfern Nenndorf, Schweindorf, Westerholt und umzu. „Der Holtriem-Wanderweg liegt nebenan. Deshalb hoffen wir auch auf Radwanderer und Fahrradfahrer aus der Region“, sagt Holger Haarmann.
Er und Freese wollten nach dem Kauf nicht alles auf links drehen und modernisieren. „Natürlich mussten wir erstmal alles wieder auf Vordermann bringen. Den einzigartigen Charme der dörflichen Kultkneipe um 1975 mit der Original-Theke und ihren Sammlungen wollten wir aber unbedingt erhalten“, geben die Betreiber Einblick in ihr Konzept.
Besondere Krüge
Vorbesitzer Willi Willms hatte ein Faible für besondere Krüge, Gläser und Modellautos. Alle drei Sammlungen sind noch vollständig erhalten und können bewundert werden. Die Aufschriften und Firmennamen auf den Planen der Modell-Sattelzüge geben Einblicke in Unternehmensgeschichten.
„Nach Gesprächen mit dem Vorstand des Campingvereins bleibt auch der Campingplatz erhalten“, sagt Freese. Kneipe und Campingplatz sind durch einen Sichtschutz voneinander getrennt. Bei Bedarf können jedoch beide Bereiche durch Öffnen eines Tores zusammengeführt werden. Im ehemaligen Wohnhaus von Willi Willms entsteht zurzeit eine gemütliche Teestube. Das angrenzende Grün wird zum Biergarten umgestaltet.
Interesse ist groß
Seit dem 28. Januar ist die Kultkneipe „Bi Willi“ wieder geöffnet. An diesem Tag hieß es „Bi Willi – to Kieken“ (Bei Willi – zum Schauen). Nachbarn und Dorfbewohner waren zum Schnüstern eingeladen. „Das Interesse war groß“, sagt Haarmann. Doch zum Konzept der neuen Kneipenwirte gehört, dass sie nur an sechs Tagen im Monat öffnen wollen. Die Preise bewegen sich auf historischem Niveau. Mitarbeiter haben sie deshalb keine. „Wir stehen selbst hinter der Theke. Wir bieten einen Treffpunkt für Jung und Alt, für Zweiradfahrer oder Strickkreis, für ungestörtes Klönen im alten Clubraum oder ab Juni zu Tee und Gebäck in der Teestube“, sagt Haarmann. Auch Livemusik soll es geben. Aber das wollen die beiden Wirte erst einmal ausprobieren, wie das bei den Gästen ankommt.
Zum bisherigen Konzept gehören ein allmonatlicher Stammtisch, ein Skatabend für einen Skatclub aus Nenndorf, ein Abend für Motorradfahrer aus der Umgebung und das allmonatliche Bergfest. Arbeitnehmer treffen sich zur Monatsmitte auf ein Feierabendbier und natürlich zum Klönsnack.
Auch wenn Gäste „Bi Willi“ in das Jahr 1975 zurückkatapultiert werden, Infos zu Öffnungszeiten und mehr gibt es unter bi-willi auf facebook, bei Instagram und TikTok sowie mobil unter 0170 / 7300545.
@ Info@bi-willi.de
