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Sabine Odenthal aus Ochtersum gibt Tipps Als selbstständiger Künstler arbeiten – aber wie?

Larissa SIebolds

Ochtersum - Wer das Haus von Sabine Odenthal in Ochtersum betritt, der hat das Gefühl, in einem Atelier zu stehen. Und wer ihr dann zu einer persönlichen Führung durch die Zimmer folgt, merkt schnell, dass die 73-Jährige ihr Handwerk versteht und viel in der Welt herumgekommen ist. Bilder, die Wüsten, alte Landhäuser in Dänemark, Gondeln in Venedig oder spanische Gassen zeigen.

In ihren Werken übt die 73-Jährige unter anderem Gesellschaftskritik – eines ihrer Bilder zeigt beispielsweise eine Zwangsheirat, der sie bei einer Reise im Orient beiwohnte. Aber auch die Vermüllung der Meere und die Zerstörung der Umwelt sind Themen, die ihr wichtig sind. Einen großen Teil ihrer Inspiration holte sie sich auf ihren Reisen, unter anderem in Griechenland, Norwegen, Spanien, Kanada und Dänemark.

Mehr als nur Kreativität

Aber um eine Künstlerin oder ein Künstler zu werden, braucht es nicht nur Ideen und Kreativität, so Odenthal: „Zunächst sollte man eine gute Schule besuchen, um die verschiedenen Techniken zu lernen.“ In ihrem Fall ging sie gut zwei Jahre in eine Kunstschule und lernte das Zeichnen, Farbenlehre, Aquarellmalerei, Kupferstich und das Malen auf Holz. Besonders die Ölmalerei interessierte Odenthal schon früh.

Wer lernen möchte, mit Öl zu malen, der sollte vor allem eins haben: Geduld. Neben unzähligen Arbeitsstunden, um das Bild zu gestalten, müssen die Werke insgesamt bis zu drei Monate trocken. „Ich hatte damals immer drei Werke parallel – ansonsten ist das purer Frust.“ Seit 1982 lernt Odenthal immer wieder auch neue Techniken kennen. Für Anfänger eigne sich die Decalcomanie-Maltechnik, auch Chaos Technik genannt. Dabei wird wasserlösliche Farbe auf eine Plexiglasscheibe aufgetragen und auf einen dicken Malkarton gedrückt. Die Scheibe wird manuell bewegt. Das Ergebnis sind oft abstrakte, verschobene Bilder. „Dies ist eine heute so gut wie vergessene, aber höchst amüsante Technik.“

Etwas anspruchsvoller sei die Gestaltung von Objekten. Dafür nutzt sie unter anderem alte Autoteile wie Innenteile und Kotflügel, die mit einem Sandstrahler, einer Drahtbürste oder Säure angeraut und dann bei Bedarf mit Leinen beklebt und bemalt werden. „Momentan arbeite ich eher an solchen Objekten.“

Von den „Rohlingen“ habe sie noch sehr viele: „Mein Mann arbeitete in der Automobilindustrie und hat die Teile mitgebracht. Er sagte: ,Den Schrott nehme ich mit, meine Frau macht aus allem etwas.’“ Seit einigen Jahren kann Odenthal von ihrer Kunst leben.

Anfänge nicht einfach

Das war aber nicht immer so, wie die 73-Jährige berichtet: „Ich wollte früher die Kunst nebenbei machen. Dann bekam ich ein Angebot, eine Malschule zu übernehmen. Das ging leider nicht. Mein Mann war selbstständig und wir hatten ein Kind. Ich musste im Büro helfen.“

Schritt für Schritt baute die Künstlerin über Jahre ihr Hobby zum Beruf aus und stellte regelmäßig aus. Auch hier in Ostfriesland, unter anderem in Aurich. Noch bis zum 8. Januar, sind ihre Werke in der Cliner Quelle in Carolinensiel zu sehen.

Nachdem sie einen Großteil ihrer Lebenszeit in die Kunst investiert hat, kann die 73-Jährige allerdings auch sagen: „Wenn man alleine davon leben möchte, dann ist das in Ostfriesland nicht möglich. Da muss man schon eine eigene Schule gründen.“

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