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Anke Manott im Porträt Ortsbrandmeisterin kämpft für den Erhalt der Ochtersumer Feuerwehr

Ochtersum - Ihr Herz schlägt durch und durch für die Feuerwehr: Daher ist Anke Manott neben ihrer Arbeit als Friseurmeisterin seit April Ortsbrandmeisterin der Ortswehr in Ochtersum. Bis zu ihrem zehnen Lebensjahr ist sie in dem Ort aufgewachsen. Dann ist sie nach Langeoog gezogen.

„Für mich stand aber schon immer fest, wenn ich groß bin, will ich wieder nach Ochtersum“. Nachdem sie 2004 ihren Friseurmeister gemacht hat, zog die 41-Jährige drei Jahre später wieder zurück: „Ich habe mit meinem damaligen Mann ein Haus in Ochtersum gekauft. Nichteinmal 200 Meter von der Feuerwehr entfernt“, merkt die zweifache Mutter an. Zur Feuerwehr kam Anke Manott 2017, als es um die mögliche Zusammenlegung der Wehren in Schweindorf und Ochtersum ging: „Ich habe mich damals schon fürchterlich aufgeregt. Die Wehr gehört doch hier in den Ort“, so Manott. In einem Ratsbeschluss wurde festgehalten, dass die Wehren ihre Mitgliederzahlen steigern sollen. So trat sie kurzerhand in die Feuerwehr ein, denn „auf der einen Seite meckern und auf der anderen Seite nichts machen“, kam für sie nicht infrage.

Aber nur Mitglied sein reichte der 41-Jährigen nicht. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es ganz“, fasst sie zusammen. Daher tauschte sie sich mit ihrem Vorgänger Dieter Dirks aus. Schnell meldete sie sich für viele Lehrgänge an und war bei jedem Übungsdienst vor Ort. Innerhalb eines Jahres konnte sie bereits auf dem Einsatzleitwagen mitfahren.

Sorge vor Einsätzen

Ein mulmiges Gefühl hatte sie bei ihren ersten Einsätzen zwar auch, aber das Risiko sei „überschaubar und vertretbar“ gewesen. „Ich hatte nie die Sorge, dass meine beiden Jungs ihre Eltern verlieren. Ich und mein damaliger Partner haben das klar aufgeteilt. Ich übernehme die Leitung und Dokumentation im Leitwagen. Aber ich gehe nicht ins Feuer.“

Als Ortsbrandmeisterin fährt sie auch weiterhin im Einsatzleitwagen mit und koordiniert die Wagen und Einsatzkräfte. Zu ihrem Amt gehört aber auch „ein riesiger Haufen Papierkram“. Grundsätzlich ist sich die 41-Jährige aber „für nichts zu schade“. Sie packt dort mit an, wo Hilfe gebraucht wird: „Wir sind ein Team – anders geht das nicht. Wir helfen uns gegenseitig und jeder hat seine Stärken und Schwächen.“ Sie arbeite daher auch eng mit ihren beiden Stellvertretern zusammen.

Die Förderung des Ehrenamts ist besonders wichtig. Ehrenamtliche mit Geld zu locken, ist für sie aber keine Lösung: „Das ist der falsche Ansatz. Feuerwehrarbeit muss man einfach leben. Man hat Verantwortung füreinander. Da hilft es nicht, den Mitglieder eine Aufwandsentschädigungen zu versprechen.“

Frauen bei der Feuerwehr

Dass Frauen bei der Feuerwehr eine Führungsposition haben ist eher die Ausnahme: „Ich war die einzige Frau bei meinem Führungslehrgang“. Dass Frauen „zu schwach“ für die Feuerwehr sind, sei „aber totaler Quatsch“. „Das ist alte Schule. In Ochtersum haben wir eine Ausnahme. Wir haben gemessen an unserer Mitgliederanzahl schon viele Frauen“. Sie möchte interessierte Frauen dazu ermutigen, an ihre Stärken zu glauben. „Ich denke vielen haben Angst, das sie nicht anerkannt werden. Sie trauen sich die Arbeit nicht zu.“

Aber auch ihre Familie hat die Liebe zur Arbeit in der Feuerwehr entdeckt. Ihre beiden Söhne waren die ersten Mitglieder der 2018 gegründeten Kinderwehr, die Manott als erste Kinderfeuerwehrwartin betreute. Ihre beiden Kinder kommen nun in die Jugendwehr. Und auch ihr Partner ist als Gruppenführer in der Ochtersumer Wehr aktiv. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt der Ortsbrandmeisterin nicht. Ihre Tage sind lang und oft bis zur letzten Minute durchgeplant: „Mein Tag beginnt um halb sechs, dann wecke ich die Kinder und wir machen uns fertig für die Schule.“ Je nachdem welche Schicht die 41-Jährig hat, geht sie direkt im Anschluss arbeiten. „Am Nachmittag mache ich mit den Kindern die Hausaufgaben.“ Dann geht es zum Feuerwehrhaus: „Zwei bis drei Stunden am Tag sind Minimum für die Feuerwehr eingeplant. Irgendwas ist hier immer zu tun.“ Auch Abends werde oft noch über die Wehr gesprochen. Und so wundert es auch nicht, dass fast alle ihre Freunde auch gleichzeitig Kameraden sind. „Für mich gibt es eben nichts anderes als Feuerwehr.“

Larissa Siebolds
Larissa Siebolds Redaktion Wittmund
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