Ostfriesland - Sie sind im Meer allgegenwärtig – die Krebse. Ob im freien Wasser als winzige Planktonkrebse oder zwischen Felsen als kräftige Taschenkrebse – die gepanzerten Ritter der Meere besetzen zahlreiche Lebensräume in sämtlichen Ozeanen.
Im Uferbereich sind häufig Einsiedlerkrebse anzutreffen. Der Hinterleib dieser Arten ist nicht gepanzert und muss daher geschützt werden. Deshalb bedienen sich Einsiedlerkrebse eines leeren Schneckenhauses, welches sie mit sich herumtragen. Die Jungtiere bewohnen meistens leere Gehäuse der Strandschnecke, wohingegen ausgewachsene Exemplare jene der Wellhornschnecke bevorzugen. In den letzten Jahren hat eine eingewanderte Art, der Diogenes-Einsiedler, zunehmend die einheimische Art, den Gewöhnlichen Einsiedler verdrängt.
Invasive Arten
Der Diogenes-Einsiedler wird zwar nicht größer als zwei Zentimeter, ist jedoch weitaus agiler als der einheimische Verwandte. Er kann in einem beachtlichen Tempo über den Sandboden rennen und sich sogar blitzschnell eingraben. Durch diese Fähigkeiten entgeht er seinen Fressfeinden, was ihm gegenüber dem langsameren Konkurrenten einen deutlichen Vorteil verschafft. Wahrscheinlich wird diese neue Krebsart den Gewöhnlichen Einsiedler letztendlich vollständig verdrängen, denn sie besetzt dessen ökologische Nische im schwierigen Lebensraum des Sandgrundes, in welchem nur hochangepasste Arten langfristig erfolgreich sind, erklärt Biologe Dr. Alexander Stollenz.
Fast allgegenwärtig ist auch einer der bekanntesten Krebse, die Strandkrabbe. „Wer bei diesem Namen zunächst wieder an das bekannte Krabbenbrötchen denkt, sollte Folgendes wissen: Sämtliche Krabbenarten gehören zur Gruppe der Kurzschwanzkrebse mit breitem Panzer, während Hummer, Langusten und Garnelen zu den Langschwanzkrebsen mit länglichem Körperbau gehören.“ Die Strandkrabbe erreicht eine Panzerbreite von bis zu acht Zentimetern und kommt in einer grünlichen und einer eher rostroten Farbvariante vor. Sie erfüllen im Ökosystem Wattenmeer eine wichtige Funktion als Räuber kleinerer Meerestiere sowie als Beute von größeren Meeresräubern und Vögeln.
Man findet sie praktisch überall: an Buhnen und Molen, auf Sandboden und zwischen Felsen, auf dem Wattgrund und zwischen Algenwäldern. Die Scheren einer ausgewachsenen Strandkrabbe können empfindlich kneifen. Ein ebenfalls bekannter Kurzschwanzkrebs ist der Taschenkrebs. Er gehört zu den größten Krebsen und erreicht eine Panzerbreite von bis zu 30 Zentimetern.
„Mit seinen kräftigen Scheren erbeutet der räuberisch lebende Krebs Muscheln, Schnecken, Fische und andere Krebse. Er ist in der Lage, einen menschlichen Finger ernsthaft zu verletzen.“ Aggressiv ist der Taschenkrebs dennoch nicht. Der Taschenkrebs kann bis zu 50 Jahre alt werden.
Gefährliche Gattung
„Mehr in Acht nehmen sollte man sich vor der Schwimmkrabbe.“ Dieser kleine Krebs mit wenigen Zentimetern Panzerbreite ist in der Lage, mit einem zu Paddeln umfunktionierten hinteren Beinpaar im Wasser zu schwimmen und dort Fische zu jagen. Die Strandkrabbe ergreift ihre Beute wie mit einer Zange, eine Schwimmkrabbe schneidet in die Haut der Fische wie eine Schere. „Strandwanderer können unbesorgt sein – die Schwimmkrabbe findet sich eher in den Netzen der Fischer als im Angespül der Küste.“
Bis zu 100 Jahre alt
Die größte Krebsart in der Nordsee ist der Hummer. Er wird 60 Zentimeter lang und kann ein sehr hohes Alter von rund 100 Jahren erreichen. Die Tiere leben auf felsigen Böden, wo sie in Nischen und kleinen Höhlen gute Versteckmöglichkeiten finden. Charakteristisch für den Hummer sind seine zwei großen Scheren.
In letzter Zeit bekommt der Europäische Hummer Konkurrenz durch den in Europa eingeführten Amerikanischen Hummer, der unserem einheimischen Vertreter Nahrung und Lebensraum streitig macht. In der Deutschen Bucht ist der Hummer sehr selten. Es existiert eine kleine Population bei Helgoland, ansonsten trifft man ihn eher selten in der Nähe von Geröllfeldern an. „Vor einigen Jahren wurden im Windpark Riffgat bei Borkum von Wissenschaftlern fast zweieinhalbtausend junge Hummer ausgesetzt. Ziel ist eine Ansiedlung der Hummer in diesem Gebiet, da diese die großen Steinaufschüttungen um die einzelnen Windkraftanlagen als Lebensraum nutzen können.“
Die Krebse stellen mit ihrem Formenreichtum und ihren vielfältigen Anpassungen eine wichtige Gruppe innerhalb des Ökosystems Meer dar, sagt der Biologe.
