Ostfriesland - Der Angriff auf die Ukraine durch Russland hat für Entsetzen gesorgt. Politiker aus dem Nordwesten haben den Militärschlag scharf verurteilt. „Es ist ein Krieg vor unserer eigenen Haustür“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Kiew liege rund 1500 Kilometer von Hannover entfernt – „das ist nicht viel“. Weil sagte: „Wir empfinden Abscheu und Wut gegenüber dieser Aggression. Täter und Opfer sind derzeit sehr klar zu benennen.“
Die beiden großen Kirchen haben ein sofortiges Ende der russischen Militärinvasion gefordert. „Wir sind erschüttert und rufen die Russische Föderation dazu auf, weitere Aggressionen zu unterlassen“, heißt es in einer Erklärung. Die Kirchen in der Region setzen ein Zeichen: Die Kirchenglocken läuten am Freitag um 18 Uhr aus Solidarität mit der Ukraine. Das teilt Pastorin Heidrun Barth aus Reepsholt für den Südkreis mit – für Friedeburg, Horsten, Neustadtgödens, Marx, Etzel, Wiesede und Reepsholt. Die Landeskirche habe sich an die Kirchen, unter anderem im Harlingerland, mit der Bitte um Glockengeläut und Friedensgebete gewandt, sagt sie. Die Kirchengemeinde Esens beteiligt sich ebenfalls.
„Ein Krieg in unserer Nähe ist heute Realität! Es droht die Gefahr, dass viele Menschen ihr Leben verlieren und es zu einer humanitären Katastrophe kommt“, sagte die Kirchenpräsidentin der evangelisch-reformierten Kirche, Susanne Bei der Wieden in Leer. Sie appellierte an alle Kirchengemeinden, sich an den Aktionen am Freitagabend zu beteiligen.
Die Industrie und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) blickt mit Sorge auf den eskalierenden Konflikt. „Die wirtschaftlichen Folgen der russischen Invasion sind noch nicht absehbar, aber sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit für einige Bereiche unserer regionalen Wirtschaft schwerwiegend werden“, sagt IHK-Präsident Dr. Bernhard Brons. Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Russland oder in die Ukraine seien aktuell zurückhaltend. Momentan unterhalten 83 IHK-Mitgliedsbetriebe Geschäftsbeziehung nach Russland. 51 Mitgliedsbetriebe sind unternehmerisch in der Ukraine aktiv. Vornehmlich wird in beide Länder nur exportiert. Die Exportgüter reichen von Textilien und Lebensmitteln bis zu Maschinenbau- und elektrotechnischen Erzeugnissen.
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Anne Janssen aus Wittmund sagte: „Der Angriff auf die Ukraine ist ein Angriff auf die Demokratie. Ich bin erschüttert über die Situation im Osten des Landes und verurteile das russische Vorgehen zutiefst. Wir werden der Ukraine solidarisch zur Seite stehen und Russlands Offensive mit der Geschlossenheit des Westens entgegentreten. Es bedarf einer sofortigen und entschiedenen Reaktion um die Ausweitung des Konflikts auf weitere Regionen zu verhindern. Ich bin in Gedanken bei der betroffenen Bevölkerung.“
