Westerholt/Utarp - Wer in Ostfriesland aufwächst, kennt Plattdeutsch von klein auf. Opa vertellt Geschichten van fröher und beim Boßeln holt de een of anner en Schööt. Damit die Sprache erhalten bleibt, wird sie wieder mehr bei Kindern gefördert – wie von den Grundschulen Utarp-Ochtersum und Westerholt-Willmsfeld.
Elke Eilts, Klassenlehrerin der 4., setzt sich in Westerholt ein. In Willmsfeld engagiert sich unter anderem Gunda Heeren. Die Sprache gehört für die Schüler dazu: „Wer möchte, darf sich eine Brosche anstecken. Damit zeigen die Kinder ,Ik kann Platt’“, sagt Eilts. Das Angebot ist aber größer: Die Schule hat ein Video gedreht, das auf der Homepage zu sehen ist. Dort heißt es: „Troo di wat – snack Platt!“ Und sie trauen sich: Vergangenes Schuljahr wurde eine Ostfriesland-AG gegründet. „Dafür war großes Interesse da“, freut sich Leiterin Eilts. Fast alle Viertklässler seien dabei, und auch in der 3. sei es erfolgreich.
Die Schule darf sich seit diesem Schuljahr außerdem „Modellschule für Plattdeutsch“ nennen. Dafür hat sie einen Antrag bei der Landesschulbehörde gestellt und gezeigt, mit welchen Angeboten sie Platt ins Schulleben integriert: mit Immersionsunterricht, einer AG sowie der Teilnahme am Lesewettbewerb und anderen Veranstaltungen. Und die Schule hat Ideen, wie einen Besuch von Schülern bei älteren Menschen im Pflegeheim.
Eintauchen ins „Sprachbad“
Dem Kollegium geht es aber um mehr als Sprache, nämlich um Kultur. „Wir haben eine ,Teetied‘ gemacht“, sagt Eilts und erinnert sich an die Gespräche bei Tee und Apfelkuchen. Dem kann auch Schüler Max Eilers (9) zustimmen: „Ich mag das Lesen gerne und die ,Teetied’.“
„Bei uns gibt es auch Immersionsunterricht in verschiedenen Fächern. Das ist ,Eintauchen ins Sprachbad‘“, erklärt seine Lehrerin. Das bedeutet, dass Menschen eher beiläufig eine Sprache erlernen. Eilts versteht aber die Sorge mancher Eltern, dass ihre Kinder ohne Platt-Kenntnisse im Unterricht nicht mitkommen könnten. Sie kann aber beruhigen: Ihre Erfahrung ist, dass Schüler Wörter und Redewendungen lernen, und ihnen das zugutekommt.
Eine Erfahrung macht Eilts immer wieder: „Wenn ich meine Schüler frage, ,Mit wem sprichst du zuhause Platt?‘, sind es meist die Großeltern. Sie leisten einen wichtigen Beitrag“, sagt die Lehrerin. Dem stimmt Max Eilers zu. Und, dass die AG einen Rap zum Lied „An de Eck steiht een Jung mit en Tüddelband“ lernt, finden seine Klassenkameraden Fiona Scheepker, Greta Moser, Mia Caspers, Lena Mammen, Julian Frerichs, Marlon Friedrichs und er toll. Eilts ist froh, wenn sie den Kindern Mut macht und sagt: „Wir möchten die Kinder begeistern.“
Die Schüler (v. l.) Marlon Friedrichs, Julian Frerichs, Max Eilers, Greta Moser, Lena Mammen, Mia Caspers und Fiona Scheepker sprechen mit ihrer Lehrerin Elke Eilts in Westerholt gerne Platt.
Draußen Naturkunde auf Platt
Ähnlich ist es in Utarp-Ochtersum. Die Grundschule bietet das Ganztagsangebot „Rund um Ostfriesland“ an, wo es um Traditionen und Sprache geht. Das wird gut angenommen, sagt Leiterin Ines Poker. „Die Kinder sollen spielerisch lernen“, sagt Helmut Janssen. Poker freut sich, dass sich der Plattdeutschbeauftragte für den Landkreis Wittmund an ihrer Schule engagiert. „Sprache öffnet Türen. Wer mehrsprachig aufwächst, hat es leichter“, findet Janssen. „Und man muss Platt leben.“ So geht er mit Schülern auch mal raus, wo sie beim Struukbessensmieten die Sprache sprechen. Und in der Natur lernen sie Bäume und Blumen auf Platt kennen. Es sei wichtig, den Schülern etwas vorzuleben, ist Janssen überzeugt. So, wie es Viertklässler Julian Heeren erlebt – er kennt Platt auch vom Boßeln.
An der Schule gehen die Angebote nun weiter: Zu Martini wird „Mien lüttje Lateern“ gesungen, zu Weihnachten gibt es Gedichte und Lieder. „Das Schönste ist, dass Plattdeutsch Alltag ist“, findet Poker.
