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Nach der Corona-Impfung Ostfriesin leidet unter Post-Vac-Syndrom – „Ich kann kaum richtig durchatmen“

Schweindorf - Johanna Janssen war gerne in Bewegung. Sie ist 38 Jahre alt, war eine gesunde junge Frau. Doch das änderte sich nach der Impfung gegen Covid-19. Die Schweindorferin erzählt, mit welchen Auswirkungen sie durch das Post-Vac-Syndrom zu kämpfen hat.

Johanna Janssen hat sich im Mai vergangenen Jahres zum ersten Mal gegen Corona impfen lassen. „Ich hatte vier Wochen lang Kopfschmerzen“, sagt sie. Das sei kräftezehrend, aber aushaltbar gewesen. Johanna Janssen wollte ihre drei Kinder, die Rheuma, Asthma und eine Nierenerkrankung haben, und ihre Mitmenschen vor einer Corona-Infektion schützen. So entschied sie sich für die zweite Impfung Ende Juni. Zwei Wochen lang hatte sie danach Herzrasen. „Das war ein Warnsignal“, vermutet die 38-Jährige.

Herzbeschwerden nach der Impfung

Seit der Booster-Impfung Mitte Januar leidet sie unter starken Auswirkungen. Zuerst habe sie sich schlapp gefühlt, wie viele nach einer Impfung. Dann habe ihre Konzentration nachgelassen. Drei Tage nach der Impfung habe Johanna Janssen gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Ihr Herz klopfte, das Herzrasen wurde sehr stark. Die Schweindorferin bekam Angst, rief ihre Nachbarin an. „Sie hat den Krankenwagen gerufen“, sagt die 38-Jährige. Johanna Janssen hält inne, ihre Stimme stockt, als sie sich daran erinnert.

Im Krankenhaus sei ihr Blutdruck gemessen, ein EKG gemacht worden. Ihr Puls und Blutdruck waren sehr hoch. Ein Herzinfarkt konnte ausgeschlossen werden. Als sie entlassen wurde, untersuchte ihre Hausärztin sie, der Puls war weiterhin hoch. „Ich konnte nicht mehr schlafen.“ Johanna Janssen war verzweifelt. „Mein Herz explodiert“, war ihr Gefühl. Sie ging zum Kardiologen. Ihr Ruhepuls lag bei 120. Bei Erwachsenen liegt der Ruhepuls normalerweise bei etwa 60 bis 80 Schlägen pro Minute.

Kardiologe stellt Perikaderguss fest

Der Kardiologe stellte einen Perikaderguss fest. Bei diesem Herzbeutelerguss sammelt sich Flüssigkeit zwischen Herzhaut und Herzbeutel an. Das spreche für eine Entzündung. Johanna Janssen bekam Betablocker, was Herzschlag und Blutdruck senkt. Sie kam kurz danach wieder ins Krankenhaus auf die Kardiologie.

Sie setzte die Medikamente, die den Blutdruck senken, nach drei Monaten langsam ab. Seitdem geht es ihr etwas besser, aber sie ist mental und körperlich schwach. „Mir fehlt die Kraft“, sagt sie. Wenn sie ein Glas Wasser hebt, wiegt das gefühlt zehn Kilogramm.

Ambulanz in Marburg

Johanna Janssen hat sich in der Post-Vac-Ambulanz im Universitätsklinikum in Marburg untersuchen lassen. Dass sie dort einen Termin bekam, sei ein Glücksfall gewesen. Die Ärzte würden nicht ausschließen, dass die Impfung eine Autoimmunreaktion bei ihr ausgelöst habe. Bei ihr wurde ein Belastungs-EKG gemacht, Blut abgenommen. Prof. Dr. Bernhard Schieffer und sein Team kümmern sich um Betroffene. Johanna Janssen fühlt sich verstanden und gut aufgehoben. Inzwischen nimmt sie Cholesterin-senkende Medikamente, was ihr helfe, die Entzündung im Körper zu reduzieren. Von einer Corona-Infektion sei sie bisher verschont geblieben.

Gute und schlechte Tage

Johanna Janssen hat gute und schlechte Tage, sie hat Herzrasen und Druck auf der Brust. Duschen und Kochen seien sehr anstrengend. Sie spricht von kompletter Erschöpfung. Ganz schlimm sei es beim Treppenlaufen, hinzu komme auch die Luftnot. „Ich kann kaum richtig durchatmen“, sagt sie. Die Schweindorferin verträgt kaum Histamin und Gluten. Sie isst vor allem Kartoffeln und Brokkoli. Sie trinkt keinen Kaffee und Tee – nur Wasser. Johanna Janssen hat 20 Kilogramm abgenommen. Sie ist seit Januar krankgeschrieben, kann nicht mehr im Einzelhandel arbeiten.

„Es gibt auch gute Tage“, sagt sie. Dann schafft sie es, ihre Kinder zum Kindergarten zu bringen. Äußere Reize wie laute Geräusche seien mental aber sehr anstrengend. Auch die Sehkraft habe nachgelassen. Sie braucht eine Brille. Ihre Beschwerden verstärkten sich zudem zur Periode hin. Johanna Janssen teilt sich ihre Kraft ein, braucht Ruhe. Sie ist dankbar für die Hilfe ihrer Mutter, ihres Mannes und ihrer Familie.

Sie sei keinesfalls gegen eine Impfung. Sie wünscht sich Verständnis und eine Anlaufstelle für Betroffene in der Region. Wer sich mit Johanna Janssen und anderen Betroffenen austauschen möchte, darf sich bei ihr melden. Sie ist per Mail erreichbar und es gibt eine Whatsapp-Gruppe. „Die Gespräche bauen uns auf“, sagt sie. Das gebe ihr und den anderen das Gefühl, nicht allein zu sein.

Hintergrund

Die Post-Vac-Stelle der Ambulanz des Universitätsklinikums im hessischen Marburg ist bisher die einzige derartige Anlaufstelle in Deutschland, die Warteliste ist lang.

Die Sprechstunde richtet sich an Menschen mit lang anhaltenden Beschwerden, die zeitlich nach einer Covid-19-Impfung aufgetreten sind und an Patienten mit Herzbeschwerden nach einer Infektion.

Wer an einem Post-Vac-Syndrom leidet, habe Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfung, Kurzatmigkeit, anhaltende Herzbeschwerden, Gedächtnisprobleme und neurologische Ausfälle ähnlich wie die bei einem Post-Covid-Syndrom.

Ina Frerichs Redaktion Wittmund
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