Harlingerland - Den Auftakt der Rundfunkgeschichte setzte die „Gesellschaft für drahtlose Belehrung und Unterhaltung“ in Berlin, die Ende Oktober 1923 – also vor genau 100 Jahren – mit einem kleinen Programm startete. Weitere Sendeanstalten folgten, und es entstand 1925 eine gemeinsame Rundfunkgesellschaft, deren Anteilsmehrheit sich die Reichspost sicherte.
Jahrzehntelang kassierte der Briefträger die monatlichen Rundfunkgebühren. Bis 1969 war dies ein unveränderter Betrag von zwei Reichsmark bzw. zwei Deutsche Mark. Schwarzhörer gab es wohl immer, obwohl das NDR-Seepferdchen – das war schon zur Fernsehzeit – mahnte: „Schwarz hören und sehen kommt teuer zu stehen!“.
In der Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945) erkannte die Politik den Wert des Rundfunks als modernes Propagandainstrument. Die regionalen Sender wurden aufgelöst und die politischen Informationen und Nachrichten zentral durch das Reichsministerium für Propaganda kontrolliert. Eine weite Verbreitung der Rundfunkempfänger war deshalb erwünscht, und Ende 1938 gab es bereits mehr als neun Millionen Rundfunkteilnehmer.
Ältere Menschen erzählten lange davon, welche Bedeutung der Rundfunk im Zweiten Weltkrieges hatte. Besonders gegen Kriegsende waren die Informationen von Bedeutung: Als Deutschland von den alliierten Truppen erobert wurde, musste ein Rundfunksender nach dem anderen den Betrieb einstellen. Für den lokalen Raum blieb schließlich nur noch der Reichssender Wilhelmshaven, der mit dem Lied „Wor de Nordseewellen“ als Pausenzeichen bis zur Kapitulation aktiv blieb. Noch am 4. Mai 1945 war ein Aufruf des Seekommandanten Ostfriesland zu hören, der zur Ruhe ermahnte und vor einem Chaos warnte.
Wilhelmshaven war – nachdem Hamburg nicht mehr sendete – für kurze Zeit auf der Mittelwelle recht gut zu empfangen und strahlte in den Abendstunden Nachrichten und Unterhaltungsmusik aus. Viele Menschen hörten aber auch heimlich den britischen Nachrichtensender BBC, dessen typisches Erkennungssignal noch lange in Erinnerung blieb. Wegen der häufigen Stromsperren standen im Dorf auch immer einige Batteriegeräte zur Verfügung.
