Esens - Johannes Freesemann war beim Königsschießen der Esenser Schützencompagnie im vergangenen Jahr als letzter der 130 teilnehmenden Schützen an der Reihe. Doch, wie heißt es so schön: Die Letzten werden die Ersten sein. Dieses Sprichwort bewahrheitete sich für den 61-Jährigen, der kurioserweise als Erster von seinem majestätischen Treffer erfuhr.
Kein Wunder, denn Freesemann, der Feldwebel und somit Vorstandsmitglied bei den Esenser Schützen ist, wertete am Schützenfestmontag gemeinsam mit Hauptmann Ottmar Dirksen die Königsschüsse aus. „Ich hielt die Scheibe mit dem besten Treffer bei der Auswertung in den Händen und schaute mir die Nummer darauf an. Es war die 982 – meine Nummer! Total verdutzt wies ich Ottmar darauf hin. Mir liefen direkt Glückstränen über die Wangen. Ottmar war so gerührt, dass er auch direkt mitweinen musste“, berichtet Johannes Freesemann lachend.
Auch seiner Frau erzählte er nichts
Nachdem er sich wieder ein wenig gefangen hatte, hieß es für ihn, zwei Stunden bis zur Proklamation durchzuhalten und sich nichts anmerken zu lassen. „Es waren zwei harte Stunden – die schlimmsten Stunden meines Lebens. Meine Frau Inge, die ich am Schützenfestmontag sonst nie auf dem Platz sehe, begegnete mir alleine in den zwei Stunden dreimal. Aber auch ihr erzählte ich nichts von meinem Glück. Ich hielt eisern durch“, so Johannes Freesemann, der seit 2004 Mitglied der Esenser Schützencompagnie ist.
„Als wir im ,Scheetstand’ zur Proklamation Platz genommen hatten, saß neben mir ein Redakteur, der scherzhaft meinte, dass ich ihm doch schon verraten könne, wer König geworden sei. Er wusste ja, dass ich die Schüsse auswertete. Ich musste mir das Lachen verkneifen und schüttelte nur stumm mit dem Kopf. Die Proklamation wurde durch unseren zweiten Vorsitzenden, Oberleutnant Frank Lühring durchgeführt. Die besten 80 Schützen werden hierbei ja in der Rangfolge aufsteigend genannt.
Heulen wie ein Schlosshund
Als er sah, wer König geworden ist, schüttelte er zunächst nur ungläubig mit dem Kopf. Doch dann nannte er endlich meinen Namen, und der Knoten war geplatzt. Ich war so erleichtert und von meinen Gefühlen überwältigt, dass ich wieder heulen musste wie ein Schlosshund. Meine Frau saß mit den anderen Vorstandsfrauen vor dem ,Scheetstand’ auf einer Bank, um der Proklamation beizuwohnen. Die Fenster waren geöffnet, so dass auch sie direkt mitbekamen, dass ich gerade König geworden war. Da mussten auch die Frauen alle direkt vor Glück weinen. Das war für uns alle ein sehr bewegender Moment“, so der amtierende Schützenkönig.
Trainer einer E-Jugend-Mannschaft
Johannes Freesemann, der sich selbst auch als „fußballverrückt“ bezeichnet und in Esens eine Mannschaft der E-Jugend trainiert, hatte bei seinem Königsschuss durchaus ein gutes Gefühl. Dass sein Treffer ihn aber zur Majestät machen würde, damit hatte er nicht gerechnet. Nach der Proklamation steht für den neuen König und sein Gefolge immer ein Platzrundgang auf dem Programm. „Wir sind allerdings mit allen 130 Schützen, die am Königsschießen teilgenommen hatten, in den Biergarten ,Alt-Ostfriesland’ am Fidi-Minßen-Pad marschiert. Nun ja, was soll ich sagen? Nach zwei Stunden, die wir dort verbracht hatten, war die Königskasse leer“, berichtet Johannes Freesemann schmunzelnd und betont, dass er auf ein schönes Königsjahr zurückblickt, das vor allem deshalb so schön war, weil er von seiner Frau Inge und allen Vorstandsmitgliedern so tatkräftig unterstützt wurde.
