Wittmund - Der Bedarf an Schwimmkursen ist nach wie vor ungebrochen hoch. Das bestätigen auch Hendrik Schultz und Kai Luja von der DLRG-Ortsgruppe Wittmund. Kai Luja ist Ausbildungsleiter der Gruppe und weiß, dass die Kurse nicht nur bei ihnen, sondern auch in den Nachbargemeinden stark nachgefragt sind. „Wir sind wirklich komplett voll. Wenn wir nach der Nachfrage gehen, könnten wir noch viel mehr Kurse anbieten. Da fehlt es uns aber an Trainern und auch an Wasserflächen“, sagt der Ausbildungsleiter.
Kooperation
Viele der ehrenamtlichen Trainer stehen dreimal in der Woche am Becken, immer unterstützt von mehreren Trainingshelfern. „Mehr können wir da von unseren Leuten wirklich nicht verlangen“, sagt Luja. Und auch die Trainingsbecken sind in Wittmund Mangelware. „Wir haben das Glück, dass wir in der Cliner Quelle trainieren können. Die Kooperation läuft seit sechs oder sieben Jahren und funktioniert wirklich super“, sagt der Ausbildungsleiter. Dennoch stellt sie das Training dort auch vor einige Herausforderungen, denn das Wasser in der Cliner Quelle ist eigentlich zu warm für ein Schwimmtraining.
„In Isums können wir allerdings nicht trainieren, schon gar nicht mit den Jüngsten aus den Seepferdchen-Kursen. Durch die Zugluft im Bad kühlen die zu schnell aus“, erklärt Hendrik Schultz, erster Vorsitzender der DLRG Wittmund und Vizepräsident des Landesverbandes. Aus seiner Arbeit im Landesverband weiß er: 60 Prozent der Grundschüler ein Deutschland können nicht sicher schwimmen. Eine erschreckende Situation, die sich durch die Corona-Pandemie und Energiekrise, als viele Bäder geschlossen hatten, noch verschärft hat.
„Wir konnten da zwei Jahre lang gar keine Kurse anbieten. Teilweise haben wir Kurse angefangen und mussten dann abbrechen“, erinnert sich Luja. Das Defizit, das zu dieser Zeit entstanden ist, wird sie mindestens noch ein bis zwei Jahre begleiten, sind die beiden sich sicher. „Man merkt jetzt aber langsam, dass sich der große Andrang von den Anfängerkursen auf eine Stufe höher verlagert“, berichtet Luja. Um allen gerecht zu werden, gilt bei der Anmeldung: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Damit habe man in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen gemacht. Eine Warteliste gibt es nicht.
Kein Schwimmunterricht
Es fehlt also an Trainern und Wasserflächen, um die ungebrochene Nachfrage abzudecken. Das sei in ganz Niedersachsen der Fall, berichtet Schultz. Auch besorgniserregend sei die Lage in den Grundschulen: „Nur ein Viertel der Schulen hat Zugang zu einem Schwimmbecken. Dabei ist Schwimmunterricht in der Grundschule eigentlich verpflichtend“, erzählt der Vorsitzende. Glück hätte da die Grundschule in Carolinensiel oder das NIGE in Esens. Bei den anderen Schulen im Landkreis sieht das anders aus, dort gibt es oftmals keinen Zugang zu Schwimmbädern. Schultz und seine Vereinskollegen versuchen, die entstandenen Defizite so gut wie möglich aufzuholen. Dennoch appelliert er auch die Eltern: „Unsere Seepferdchen-Kurse beginnen ab sechs Jahren. Wichtig ist aber, dass man den Kindern schon früh die Scheu vor dem Wasser nimmt.“ Das könne man, in dem man gemeinsam schwimmen geht oder auch in der Badewanne zu Hause, selbstverständlich unter Aufsicht.
