Wittmund - In einer neuen Heimat Fuß zu fassen, das ist nicht einfach. Man wird nicht nur mit einer fremden Sprache, sondern auch mit einer ganz anderen Kultur und neuen Gegebenheiten konfrontiert. Um Menschen, die aus Osteuropa in den vergangenen Monaten nach Wittmund gekommen sind, eine Unterstützung zu bieten, hatte Svetlana Heckendorf eine Idee: Sie wollte eine Selbsthilfegruppe für Menschen aus Osteuropa ins Leben rufen. „Als Svetlana mit der Idee auf uns zukam, dachten wir, das könnten wir auf jeden Fall mal ausprobieren“, berichtet Cordula Franke, Leiterin der Selbsthilfe Kontaktstelle Wittmund-Wilhelmshaven.
Eigene Erfahrungen
Dass Svetlana Heckendorf genau die Richtige für den Job der Gruppenleiterin ist, stand dabei außer Frage. Sie selbst kam vor einigen Jahrzehnten aus Tadschikistan nach Wittmund. „Wir sind damals, als bei uns Bürgerkrieg war, aus unserer Heimat geflohen. Über Moskau sind wir nach Hannover geflogen und dann nach Wittmund gekommen“, berichtet Heckendorf. Sie weiß selbst, vor welchen Schwierigkeiten man steht, wenn man seine Heimat verlassen musste. Deshalb hat sie schon früh angefangen, sich für Geflüchtete zu engagieren, ob bei anderen Einrichtungen oder als Integrationslotsin beim Landkreis Wittmund.
„Die Selbsthilfegruppe ist in diesem Fall eher eine soziale Gruppe und keine gesundheitliche. Die Menschen können Kontakte knüpfen und sich austauschen“, sagt Cordula Franke. Aber für viele ist es auch eine Möglichkeit, traumatisches, das sie in der Heimat oder auf Flucht erlebt haben, für einen kurzen Moment zu vergessen. Svetlana Heckendorf möchten den Teilnehmern im geschützten Raum die Möglichkeit geben, über ihre Ängste zu sprechen. Außerdem sind die neue Sprache, andere Feiertage und ostfriesische Besonderheiten Thema für die Teilnehmer. „Viele waren zum Beispiel überrascht, dass das Meerwasser nicht immer da ist. Da hab ich mich erinnert, dass es mir, als ich hergekommen bin, ganz ähnlich ging. Es war irgendwie etwas gruselig, dass das Wasser mal da und mal weg ist“, erzählt Heckendorf. Mit ihren Erfahrungen möchte sie den Menschen helfen, so schnell wie möglich hier zurechtzukommen.
Sprache herausfordernd
Da die Sprache meistens eines der größten Probleme ist, versucht Svetlana Heckendorf Tipps mit an die Hand zu geben. Außerdem bringt sie Texte über deutsche Feiertage oder ostfriesische Bräuche auf Deutsch und auf Russisch mit. Die Gruppe soll eine Art Bindeglied zwischen den Kulturen bilden, erklärt Franke. Zudem müssen die Teilnehmer nicht aus einem bestimmten Land kommen, jedoch sollten sie Russisch verstehen können. „Deswegen haben wir die Gruppe ,Selbsthilfegruppe für Menschen aus Osteuropa genannt’. Wir wollten das ein bisschen offenhalten“, sagt Heckendorf.
Die Gruppe trifft sich seit November vergangenen Jahres regelmäßig am ersten und dritten Dienstag im Monat. Wer Interesse hat und gerne dazu kommen möchte, kann sich bei Svetlana Heckendorf melden, per E-Mail an svetlana-heckendorf@t-online.de oder unter Tel. 0172 / 5170308.
