Wittmund - Renate Brunken vom Reiterhof Brunken in Roffhausen hat mittlerweile viel Erfahrung mit den Menschen in der Ukraine. „Wir sehen da großartige Menschen, die nicht jammern und nicht klagen“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Die Menschen dort wollen nichts weiter als ihre Freiheit und Demokratie – ohne Wenn und Aber.“
Renate Brunken muss es wissen. Am Wochenende startete sie zusammen mit Anke Heller zum 15. Mal einen großen Hilfstransport in das Kriegsgebiet, wieder im Namen der in Wittmund ansässigen Blücher-Stiftung „Kinder in Not“.
Stundenlang wurden ein 3,5-Tonner sowie ein großer Pferdeanhänger von zahlreichen freiwilligen Helfern wie zum Beispiel Gerd Thellmann, Bernd Jeske und Detlef Klamandt vom Vorstand der Stiftung, mit Hilfsgütern beladen. Erst mittags, eine Stunde später als geplant, konnte sich der Zug auf die fast 1400 Kilometer lange Reise zunächst in Richtung Polen in Bewegung setzen.
Brot und Medikamente gestiftet
„Die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Menschen in Ost-Friesland ist ungebrochen“, musste auch Gerd „Thelly“ Thellmann aus Wittmund, Vorsitzender von „Kinder in Not“, feststellen. Ein Bäcker lieferte wiederum mehrere Körbe Brot an. Ein Arzt aus der Ammerland-Klinik in Westerstede hatte jede Menge medizinisches Equipment von Medikamenten bis zur Behandlungsliege besorgt. Verladen wurden Notstromaggregate und Solar-Paneelen, Gaskocher und Thermoskannen sowie jede Menge Babynahrung und Kinderkleidung. Dazu kamen massenweise Tabletten für die Aufbereitung von Trinkwasser, das nach den russischen Raketenangriffen auf zivile Ziele in der Ukraine zur Mangelware geworden ist.
Einfuhrzölle auf Neuwaren
Der Verein SOS Ukraine in Jever hatte im Vorfeld in einem Aufruf eine Liste mit den am dringlichsten benötigten Sachen veröffentlicht. „Die Reaktionen in der Bevölkerung waren unglaublich, einfach kolossal“, zog Renate Brunken kurz vor der Abfahrt ein Fazit. Es kamen so viele Spenden zusammen, dass diesmal alles gar nicht in die beiden Fahrzeuge passte. Vor allem mussten die Helfer bei der Beladung sehr umsichtig vorgehen: Wenn sie zu viele Neuwaren mitnehmen, werden hohe Einfuhrzölle fällig. So könnte eine gut gemeinte Hilfslieferung unbezahlbar werden.
Vor allem der polnische Zoll macht da nach den bisherigen Erfahrungen von Renate Brunken Schwierigkeiten. „Das sieht schon manchmal nach Schikane aus“, sagt sie und berichtet von stundenlangen Wartezeiten am Grenzübergang, von ewigem Hin und Her bei den Zuständigkeiten, wer denn nun wann den Hilfstransport in die Röntgenhalle fahren darf.
Die Fahrt ist nicht ohne Gefahr
„Wir haben auch schon erlebt, dass der Übergang zugeschneit war, wir uns in Schneewehen festgefahren und die polnischen Grenzer ganz gemütlich zugeschaut haben, bis wir alles freigeschaufelt hatten“, ärgert sich die engagiert Roffhausenerin.
Natürlich ist die Fahrt durch das Kriegsgebiet in der Ukraine nicht gefahrlos. Renate Brunken: „Unser Hotel, in dem wir immer übernachten, ist auch schon von einer russischen Rakete getroffen und zerstört worden. Am nächsten Tag haben die Russen die Meldung verbreitet, sie hätten ein ukrainisches Munitionslager zerstört.“
Inzwischen ist das Hotel wieder aufgebaut, und die Helfer aus Ost-Friesland sind zuversichtlich, dass sie diesmal wieder dort übernachten können. Angst kennt Renate Brunken ohnehin nicht. Sie hat bereits vor der Abfahrt zum 15. Hilfstransport ihre nächste Tour in die Ukraine geplant: „Wir haben ja noch so viele Spenden, die wir diesmal aus Platzgründen nicht mitnehmen können. Wir müssen auf jeden Fall noch einmal los.“
Konto Blücher-Stiftung „Kinder in Not“: LZO – DE 12 2805 0100 0050 1015 00: Die Stiftung will ihre Ukraine-Hilfe fortsetzen und ist auf weitere Spenden angewiesen. Die Spender erhalten nach Angaben von Gerd Thellmann umgehend eine Spendenbescheinigung, wenn sie auf ihrer Überweisung auf das Stiftungs-Konto ihre Adresse angeben.
