Esens - Dieter Donker, der an der Bahnhofstraße in Esens schon seit Jahrzehnten eine Tankstelle betreibt, empfand die kürzliche Informationsveranstaltung zur kommenden Großbaustelle als nicht ausreichend. Diese „Aorta von Esens“, wie er die südliche Zufahrtsstrecke zur Innenstadt bezeichnet, ist ab Herbst für voraussichtlich 22 Monate für den Durchgangsverkehr gesperrt und die Häuser lediglich für Anlieger erreichbar. Viele Fragen seien nicht beantwortet worden.
Auch wenn der Tankstellenbesitzer die Notwendigkeit der Komplettsanierung einsieht: „Der Maßnahmenbeginn kommt mir zu kurzfristig.“ Mit längerem Vorlauf hätten alle Beteiligten eine bessere Planungssicherheit gehabt. „Man hätte wegen der angespannten Wirtschaftslage noch zwei Jahre warten können“, betont Donker. Vor allem befürchtet er, dass die Umsätze der Tankstelle mit Shop gegen Null einbrechen, weil der Verkehr großräumig um Esens herumgeleitet wird. Deshalb erwägt er, rechtliche Schritte einzuleiten.
Baustart ungewiss
Laut Michael Kuhn, Bauabteilungsleiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich, werden die Straßeneinmündungen mit einem „Anlieger frei“-Verkehrsschild versehen. „Die Anlieger und dazu gehören auch Kunden und Patienten, können aber im Schritttempo bis zur Wanderbaustelle vorfahren.“ Die Sicherheit der Bauarbeiter gehe aber vor. Wenn die Tiefbauarbeiten jeweils auf einem 250-Meter-Abschnitt abgeschlossen sind, werde der Endausbau mit dem Einbau der Asphalt-Tragschicht vorgenommen. Kuhn: „Einer der Fuß- und Radwege wird während der ganzen Zeit frei bleiben.“
Die Ausschreibungen für die Gewerke seien noch gar nicht heraus, erklärt Michael Kuhn. Deshalb könne er auch noch nichts über den tatsächlichen Baustart sagen – es werde wohl Herbst werden. Der dritte Bauabschnitt – die grundlegende Sanierung inklusive Wasserkanäle auf der Siebet-Attena-Straße – sei noch nicht terminiert und bilde später ein eigenes Verfahren. Dann ist erneut mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.
Hotelier gelassen
Mehrere Gewerbetreibende haben ihren Sitz an der Bahnhofstraße sowie eine Arztpraxis. „Die Nichterreichbarkeit der Praxis würde die Grundversorgung eines Drittels der Esenser Bürger in Frage stellen“, stellt Dr. Wolfram Nagel klar. Viele Patienten seien gehbehindert, weshalb das Haus für Rollstuhl und Rollator sowie Autos und Rettungswagen für Liegendtransporte erreichbar bleiben muss. „Es gibt Patienten, die nur wenige Meter gehen können. Für sie wäre ein Parkplatz auf dem Schützenplatz keine Lösung.“ Patienten könnten für die Bauzeit nicht ausweichen, weil andere Hausärzte keine neuen Personen aufnehmen und ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten besteht.
Gelassener sieht es Michael Nolting, der das Hotel garni betreibt. „Wir wissen, dass gerade der kaputte Radweg unbedingt gemacht werden muss“, betont er. Mehrfach seien die Gullis bis auf sein Grundstück übergelaufen. Allerdings rechnet auch er in der fraglichen Phase mit Umsatzeinbußen. „Die spontanen Gäste, die zufällig vorbeikommen und Buchungslücken schließen könnten, wird es dann nicht geben.“ Seine Existenz sehe er indes nicht bedroht; das Haus könne während der Bauphase über den Nobiskruger Weg angefahren werden. „Wir lassen den Gästen dann eine Wegskizze zukommen“, erklärt Michael Nolting.
