Neuharlingersiel - „Vermutlich wird dieser Ernstfall nie eintreten“, sagt der Geschäftsführer der Deich- und Sielacht Harlingerland anlässlich einer gemeinsamen Übung mit der Freiwilligen Feuerwehr Neuharlingersiel im historischen Kutterhafen des gleichnamigen Fischerortes. „Aber wir müssen auch auf diesen Ernstfall vorbereitet sein und deshalb üben“, sagt Meinhard Edzards weiter. Es geht um die Erhöhung der Hafenmauer im Falle einer schweren Sturmflut. Die entsprechende Windrichtung vorausgesetzt könnten bei einer schweren Sturm- oder gar Orkanflut die Wellen bis in den Kutterhafen auf und dort über die Hafenmauer laufen.
Schlimmeres verhindern
Die Erhöhung der Hafenmauer entlang der oberen Promenade und Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern sowie kirchlichen Einrichtungen könnte dann die letzte Rettung sein, um Schlimmeres zu verhindern. Zuletzt geübt wurde das Einlegen der Dammbalken in dafür vorgesehene Haltevorrichtungen im Januar 2016. „Höchste Zeit, die Übung zu wiederholen“, sagt Deich- und Sielrichter Jan Steffens. Nach vorausgegangenen Übungen habe man aus kleinen Fehlern gelernt und Abläufe verbessert. Um die Dammbalken mit unterschiedlichen Längen – jeweils drei Balken erhöhen die Hafenmauer um etwa 50 Zentimeter – an der richtigen Stelle platzieren zu können, wurde jeder Balken entsprechend markiert. Auch die zur Verfügung stehende Technik, zum Beispiel zur Ausleuchtung mittels Powermoon oder ein nach den Anforderungen der Einsatzkräfte selbst entworfener und gefertigter Transportwagen, habe sich verändert beziehungsweise sei hinzugekommen. „Im Ernstfall haben wir genügend Vorlaufzeit“, sagt Jan Steffens.
Viele Hände, schnelles Ende
Die in einer Halle der Deich- und Sielacht in Ostbense auf einem Anhänger zu jederzeit startklar gelagerten Dammbalken können nach einer Sturmflutwarnung frühzeitig mit einem Unimog als Zugfahrzeug zum Hafen Neuharlingersiel transportiert werden. „Dort sind wir dann auf die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Neuharlingersiel unter Ortsbrandmeister Michael Janssen angewiesen“, sagt Steffens. „Im Ernstfall wären wir für die Erhöhung der Hafenmauer zu wenig Leute“, sagt Meinhard Edzards. „Deshalb sind wir froh, dass wir die Feuerwehr Neuharlingersiel als verlässliche Helfer vor Ort haben.“
Ehrenamt für Bevölkerungsschutz
Geübt wird nach Einbruch der Dunkelheit. Nach dem Abladen der Dammbalken vom Anhänger mit dem Gabelstapler heißt es zupacken. In Zweierteams tragen die Einsatzkräfte, 14 Feuerwehrleute und einige Mitglieder der Deich- und Sielacht, die Dammbalken zu den Transportkarren auf der oberen Promenade. Vor dort aus geht es zu den Einlegestellen. „Das hat in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Neuharlingersiel in diesem Jahr in 45 Minuten super geklappt“, lobt Meinhard Edzards als Beobachter das Einsatzgeschehen. „Vor acht Jahren waren es noch 50 Minuten.“ Edzards betont: „Die meisten Menschen wissen gar nicht, was die ehrenamtlichen Kräfte hier in ihrer Freizeit für die Allgemeinheit tun.“
