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Baudenkmal ist fast 200 Jahre alt Außenmauern der Esenser Synagoge sind noch weitestgehend erhalten

Die Esenser Synagoge von 1827 in einer Computeranimation von Werner Adden. In der Bildmitte der separate Eingang für die Frauen.

Die Esenser Synagoge von 1827 in einer Computeranimation von Werner Adden. In der Bildmitte der separate Eingang für die Frauen.

Sammlung Detlef Kiesé

Esens - Die jüdische Gemeinde Esens ließ 1827 an der Burgstraße eine eigene Synagoge errichten, nachdem die mehr als 100 Mitglieder zunächst ein Hinterhaus an der Graftegge genutzt hatten. Seit 1702 existiert deren Friedhof am Mühlenweg. 1899 wurde hinter der Synagoge das Gemeinde- und Lehrerhaus, heute jüdisches Museum August-Gottschalk-Haus, errichtet.

Am 15. Februar 1828 eingeweiht, diente die Synagoge mit Thoraschrein und Empore nach dem großen Stadtbrand 1860 als Notunterkunft der Judenschaft. An der Südseite gab es neben dem außenliegenden Schornstein einen hölzernen Anbau. Die Synagoge wurde in der Pogromnacht am 9./10. November 1938 geplündert und durch Brandstiftung zerstört. Die Täter wurden später angeklagt.

In Apothekerhand

Nach Auflösung der Gemeinde 1940 erwarb der Apotheker Enno Johanssen das Gebäude, der es privat nutzte und zur Doppelgarage ausbaute. Im ausgebauten Obergeschoss trocknete er zuweilen Kräuter wie Kamillenblüten. Ein Großteil der Außenmauern von 1827, abgesehen von der Fassade zur Burgstraße und teilweise verputzt, blieb erhalten. Der Eingang für die Frauen und die Lage der drei Rundbogenfenster an der Nordseite sind noch sichtbar. Johanssens Sohn gleichen Namens verkaufte das Haus 1990 an Adele Sylvester, die ihre gesamte Liegenschaft 2020 veräußerte.

Das Gebäude der früheren Synagoge an der Burgstraße in Esens soll wieder genutzt werden. Dafür setzt sich der Arbeitskreis Juden und Christen ein, der seit 30 Jahren bereits das August-Gottschalk-Haus (rechts) betreibt.

ARBEITSKREIS JUDEN UND CHRISTEN VOLLER TATENDRANG Verein will Leben in Esenser Synagoge bringen

Detlef Kiesé
Esens

Musikprofessor Christiaan Verhoog, der das Nebenhaus sowie die südliche Garage in der früheren Synagoge gemietet hatte, nutze das Obergeschoss zwischen Anfang der 1970er-Jahre bis 2019 für die fachgerechte Lagerung seiner Chorbibliothek mit mehr als 1000 Partituren und Notensätzen für den mittlerweile nicht mehr bestehenden Frauenchor Esens.

Arbeitskreis bemüht

Der Ökumenische Arbeitskreis Juden und Christen bemüht sich seit seiner Gründung 1989 um die Erhaltung und um den Erwerb der ehemaligen Synagoge, die 1993 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Laut Institut für Denkmalpflege stellt sie ein wichtiges Zeugnis für die jüdische Kultur in Esens dar und bildet ein wichtiges Zeugnis der deutschen Geschichte und der Judenverfolgung. 2009 gab der Arbeitskreis das Vorhaben des Erwerbs des privat genutzten Gebäudes direkt neben der ehemaligen jüdischen Schule August-Gottschalk-Haus zunächst auf.

Neue Bewegung kam in die Sache, als Verhoog 2018 ankündigte, sein Archiv auf dem Dachboden der ehemaligen Synagoge auflösen zu wollen. Der Arbeitskreis nahm erneut Kontakt zur Besitzerin auf. Als diese signalisierte, das Gebäude an den Arbeitskreis verkaufen zu wollen, bezog dieser die Stadt Esens in das Vorhaben ein. Im Frühjahr 2020 erwarb die Stadt Esens nach einem einstimmigen Ratsbeschluss die ehemalige Synagoge, die für die Öffentlichkeit auf unterschiedliche Weise zugänglich gemacht werden soll.

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund
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