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Kurpastor auf Langeoog Dr. Jörg Alt ist Jesuit und Klimaaktivist der Letzten Generation

pia Miranda
Jesuiten Pater Jörg Alt wird am 28. Oktober 2022 abtransportiert. Aktivisten der Gruppen Scientists Rebellion, Extinction Rebellion und Letzte Generation blockierten  die Karlsstraße in München.

Jesuiten Pater Jörg Alt wird am 28. Oktober 2022 abtransportiert. Aktivisten der Gruppen Scientists Rebellion, Extinction Rebellion und Letzte Generation blockierten die Karlsstraße in München.

IMAGO/Alexander Pohl

Langeoog - Dr. Jörg Alt ist Kurpastor auf Langeoog, Jesuit und hat in seinem Leben schon „schräge Dinge“ gemacht. So war Alt schon für Projekte in Afrika und lebte zweieinhalb Jahre bei Mayaindianern im Dschungel Mittelamerikas. Über all diese Erfahrungen hat er Vorträge auf Langeoog gehalten. Denn auf die Insel kommt der Nürnberger seit etwa vier Jahren als Kurpastor. Das bedeutet, dass er jährlich zwei Wochen für die Katholische Kirche St. Nikolaus arbeitet und die Ruhe der Insel genießt. Immer, wenn er da ist, hält er Vorträge über seine „schrägen Dinge“, die seien immer ein guter Aufhänger. Auch in diesem Jahr wird er über eine Erfahrung berichten – über die als Klimaaktivist der Letzten Generation.

Vor Gericht als Aktivist

„Flucht vor der Justiz? Kurpastor trotz Strafverfahren“ lautet der Titel des Vortrags am Donnerstag, 16. Februar, ab 20 Uhr im Pfarrheim St. Nikolaus. Denn der 61-Jährige muss sich in diesem Jahr noch vor Gericht wegen Straßenblockaden verantworten und weil er sich mit den Klimaaktivisten auf der Straße festklebte.

Mit dem Klima und der Natur beschäftigt er sich schon länger, lernte bei seinen Reisen wie andere Kulturen auf Ökosysteme blicken. „Bei den Mayas war es so, dass sie jedes Mal, wenn sie einen Baum gefällt haben, vor dem Baum standen und sich bei ihm und den Geistern entschuldigt haben.“

In eine radikalere Richtung sei er jedoch erst durch die Fridays-for-Future-Bewegung gekommen. „Die haben mich kritisiert, dass ich nicht genug getan hätte.“ Ein weiterer Katalysator sei der Hungerstreik eines guten Freundes vor der Bundestagswahl gewesen. Durch diese drastischen Aktionen und Gespräche mit jungen Menschen sei ihm bewusst geworden, wie dringlich die Lage ist. „Für uns hier in Deutschland sind die Folgen noch beherrschbar. Wir können sie mit Technik und Geld bekämpfen, aber es wird einen Punkt geben, an dem die Situation kippt. Deswegen brauchen wir verdammt noch mal jetzt Lösungen.“ Laut des Klimaberichts des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wird dieser Punkt in drei Jahren sein. Nur so viel Zeit bleibe, um echte Veränderungen zu bewirken, damit das Ziel einer globalen Erwärmung von maximal zwei Grad erreicht werden kann.

Laut Alt müssten sich dafür aber mehr Leute mit dem wissenschaftlichen Konsens auseinandersetzen und die Fakten akzeptieren, dass „wir die letzte Generation sind, die das ausbremsen kann“.

Bei den Mayaindianern und auch in Afrika seien die Folgen schon deutlicher: „Mir wurde berichtet, dass sie zum Beispiel nicht mehr mit Regenmustern klar kommen. Aussaat- und Erntezeiten kommen durcheinander. Das Wetter ist unkalkulierbar.“ Hierzulande sei die Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal ein Beispiel und nur ein leichter Vorgeschmack auf das, was komme.

Was kann man tun?

Obwohl es auch seine Aufgabe als Geistlicher ist, zu predigen, will der Jesuit nicht nur mit erhobenem Zeigefinger da stehen. „Obwohl ich gerne Steak esse, lebe ich mittlerweile vegan, fliege nicht mehr und nutze überwiegend öffentliche Verkehrsmittel. Wie man es macht, muss jeder für sich schauen. Man kann sich wie ich auch auf die Straße setzen und sich festkleben.“

Diese Form des Protests hat er gewählt, da er nicht das Gefühl hat, dass die Menschen sonst hinschauen. „In der Geschichte wurden oft nur Sachen gesamtgesellschaftlich angestoßen, wenn da jemand war, der genervt hat – Sklavenbefreiung, Frauenwahlrecht, Indien wäre noch unter der Kolonialherrschaft.“

Dem Vorwurf, dass sein Amt als Geistlicher eines solchen Protests nicht angemessen sei, begegnet er stets mit einem Appell: „Sagt mir, was besser funktioniert und ich mach’s.“ Eine bessere Alternative bekam er bisher noch nicht, weswegen für ihn weiterhin gilt: „Es hilft nur nerven.“ Außerdem verweist Alt auf die Bibel. „Auch die Propheten haben sich über Herrscher beklagt. Und auch Jesus hat für seine Sache Gesetze gebrochen.“

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