Esens - Wenn die Menschen, die der Verein Lebensanker in Esens betreut, richtig glücklich sind, das sei Motivation ohne Ende. So beschreibt es die Vereinsvorsitzende Brigitte Mikesky. Sie und Mitarbeiterin Annika Remmers sind sich einig, dass ihnen die Arbeit mit den Behinderten auch selbst viel gibt. Den Verein Lebensanker gibt es jetzt seit fünf Jahren – gefeiert wird das am 28. August.
Mikesky hofft, dass der Verein in Esens und Umgebung bekannter wird. Mit vier Menschen fing sie 2017 an, inzwischen arbeiten rund 30 zum Großteil Ehrenamtliche beim Lebensanker. Die Idee gibt es aber schon viel länger. „Eine andere betroffene Mutter und ich haben schon vor Jahren darüber gesprochen und uns 2008 daran gesetzt, das wirklich anzugehen“, erzählt Brigitte Mikesky. Beide haben selbst Kinder mit Behinderungen. „Auf die Einrichtungen verlassen kann man sich nicht“, sagt die Esenserin. Es gebe zu wenig Personal für gute Betreuung. Der Verein Lebensanker sieht sich deshalb als ergänzendes Angebot zu allen anderen Anlaufstellen oder Selbsthilfegruppen im Landkreis.
Helfer gesucht
Bislang hat es Brigitte Mikesky zufolge gut geklappt, Ehrenamtliche zu finden. Jetzt aber werden dringend welche gesucht. „Wir brauchen pädagogische oder pflegerische Fachkräfte“, sagt Mikesky. Außerdem gibt es auch einen Kurs für ehrenamtliche Helfer, um Alltagsbegleiter zu werden.
Bei den Kosten ist der Lebensanker auf Spenden angewiesen. Zwar ist der Verein als Betreuung im Alltag anerkannt und die Hilfen können über die Kassen abgerechnet werden, doch das decke längst nicht alle Kosten, wie Brigitte Mikesky erläutert. Ohne Spenden und Fördergelder, um die sich die Vereinsvorsitzende ständig bemüht, könne die Arbeit nicht geleistet werden.
Gebraucht wird sie: „Die Nachfrage ist sehr groß“, sagt Mikesky. Es kämen immer wieder Eltern auf sie zu, die Betreuung in Anspruch nehmen wollen. Es wüssten nur noch zu wenige von dem Verein. Dabei ist das Einzugsgebiet groß: „Meine Kollegin Melanie Mönk und ich haben uns das Gebiet aufgeteilt“, erklärt Annika Remmers. Remmers betreut den Raum von Esens bis Holtriem, ihre Kollegin von Esens aus Richtung Sielorte. Für Annika Remmers ist die Dankbarkeit der Eltern etwas Besonderes. „Sie waren oft jahrelang allein mit ihren behinderten Kindern“, sagt sie. Wenn der Lebensanker dann einen Teil der Betreuung übernimmt, hätten die Eltern auf einmal wieder Zeit für sich.
Lebensanker-Insel
Ein neuer Treffpunkt für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen gibt es indes bald in der Esenser Innenstadt: Der Lebensanker zieht in die Butterstraße 9, wo bis vor Kurzem der Unverpacktladen „n8ked“ war. Dort – in der Lebensanker-Insel – werde es Beratung und Gruppenaktivitäten geben, und andere Selbsthilfegruppen sollen den Raum nutzen können. Auch bei großen Stadtfesten möchte der Verein Lebensanker dort Präsenz zeigen.
Sollte es durch die Corona-Pandemie noch einmal Einschränkungen geben, habe der Verein durch den zusätzlichen Platz in der Butterstraße mehr Möglichkeiten, Gruppen zu teilen und die Angebote trotzdem weiterzuführen.
Hintergrund:
Der Verein Lebensanker in Esens kümmert sich um rund 30 Menschen mit vorwiegend geistigen Beeinträchtigungen und Mehrfachbehinderungen.
Die Arbeit teilt sich in drei Bereiche: die Selbsthilfe, das Wohnprojekt an der Diedrich-Müller-Straße in Esens und die Angebote zur Unterstützung im Alltag.
Bei der Selbsthilfe stehen die Beratung und Entlastung der Angehörigen im Fokus. An der Diedrich-Müller-Straße wohnen sechs Menschen in einem barrierefreien Reihenhaus. In den kleinen Wohnungen leben sie weitgehend eigenständig. Jeder bekommt so viel Hilfe wie nötig und es gibt viel Austausch. Brigitte Mikesky wohnt selbst auch dort.
Bei der Hilfe im Alltag gibt es sowohl die Begleitung des Einzelnen bei sich zu Hause oder bei den Eltern als auch Gruppenangebote, etwa zu Ernährung und Verkehrssicherheit. Zu den wöchentlichen Angeboten gehören, wie Jeanette Mikesky – die Tochter der Vorsitzenden – erklärt, unter anderem Bewegung, Kochen, Singen und Ausflüge am Wochenende.
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