Langeoog - Sie freue sich sehr auf die Menschen auf Langeoog, sagt die neue Inselpastorin Jeannette Schurig. Sie wird ab Februar die ev.-luth. Kirchengemeinde der Insel übernehmen, bis dahin bleibt Heinz Behrends Vakanzvertreter. Die Einspruchsfrist gegen das Ernennungsverfahren ist am Wochenende zu Ende gegangen, ohne dass sie von Mitgliedern der Gemeinde genutzt wurde.
Vorbereitung
Bei der Vorbereitung auf die Insel hatte die 46-Jährige in der NDR-Mediathek Filme gesehen und sei fasziniert gewesen von den Menschen der Insel, aber auch von den Bemühungen um fairen und nachhaltigen Handel und die vielfältigen kulturellen Aktivitäten. Daher sei sie gespannt auf viele Begegnungen, das Zuhören zum Kennenlernen und das Ausloten, wie viel Distanz oder Nähe nötig und möglich sind.
Sie habe schon viele Ideen, die sie aber erst mal „im Zaum halten wolle“, um zu schauen, ob sie passen oder ob sich gemeinsam neue Ideen entwickeln. Gerne würde sie unter anderem verstärkt Angebote und Veranstaltungen für die Kinder der Insel planen und umsetzen. Begeistert sei sie, wie viele gute Gespräche sich nach der Aufstellungspredigt schon einfach so ergeben hätten, das habe ihren Eindruck, dass die Entscheidung für die Inselpastorinnenstelle eine gute Idee war, bestärkt.
Von Thüringen an die See
Die Bewerbung auf die Insel war die erste, die aus dem Wunsch entstanden war, im beruflichen und privaten Leben neue Reize zu setzen. Der Kirchenvorstand hatte sich dann nach dem Bewerbungsgespräch einstimmig für Jeannette Schurig entschieden. Zurzeit ist sie noch Pastorin im 1200-Einwohner-Ort Magdala in Thüringen und für 13 Kirchen in 14 Dörfern zuständig. Zudem ist sie stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis Jena. Der Gedanke, sich in Zukunft für eine Kirche zu engagieren, habe ihr ebenso gefallen, wie die künftige Arbeit für und mit Insulanerinnen und Insulaner sowie auch Gästen.
Atheistisches Elternhaus
Jeannette Schurig ist in Thüringen in einem atheistischen Elternhaus aufgewachsen und hatte in Eisenach eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und war auch in diesem Arbeitsfeld tätig. Nach dem Scheitern ihrer ersten Ehe drei Jahre nach der Geburt von Tochter Antonia orientierte sie sich neu und studierte Theologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Antonia ist heute im Marketing des Deutschen Evangelischen Kirchentags tätig. Nach dem Vikariat wurde sie 2015 Pastorin in Magdala und brachte dort mit den Menschen viele Ideen auf den Weg.
Mit ihrer Fortbildung als Theaterpädagogin initiierte sie eine Theatergruppe für Kinder und Jugendliche und ging immer gerne offen aus den Kirchen heraus auf Menschen zu und suchte dabei auch immer wieder das Gespräch und die Zusammenarbeit mit kirchenfernen Menschen. Das Projekt „Kofferraumkirche“ wurde über den Kirchenkreis hinaus bekannt, für das sie mit einem Auto durch ihre Dörfer fuhr. Unter der Kofferraumtür stand: „Kirche macht die Klappe auf“.
Zudem sei ihr Kultur immer wichtig gewesen, in Corona-Zeiten habe sie Künstler für ihre Projekte Raum gegeben, woraus sich eine Reihe entwickelt habe, die auch nach Corona bestand habe. Der Begriff Kulturraumkirche wurde geboren. Nach Langeoog kommt sie mit ihrem Mann Marko, den sie 2016 kennenlernte und drei Jahre später heiratete. Der selbstständige Landschaftsarchitekt plant von der Insel aus seine Projekte in Thüringen zu Ende zu führen und freut sich ebenfalls sehr auf Langeoog.
Schurig übernimmt die Stelle von Christian Neumann, der im August Superintendent des Kirchenkreises Norden wurde.
