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Medizinischer Ratgeber Handeln, wenn Wunden nicht heilen wollen

Westerstede - Für Raucher gehören die Bilder schon täglich dazu. Auf den Zigarettenschachteln steht die Warnung: „Rauchen verstopft Ihre Arterien“. Darunter ist das Bild mit dem schwarzen Zeh zu sehen. Für Dr. Peter Ritter, Chefarzt der Gefäßchirurgie in der Ammerland-Klinik Westerstede, gehört dieser Anblick täglich live zu seiner Arbeit.

Bis zum Absterben des Gewebes soll es natürlich nicht kommen und so wird alles dafür getan, dass das Blut in die Extremitäten fließen kann. Mit Hilfe von Stents oder sogenannten Umleitungen können die Gliedmaßen mit sauerstoffangereichertem Blut versorgt werden.

Wenn das Gewebe abstirbt, wird es schwarz

„Das Gewebe braucht Sauerstoff, um zu überleben“, erklärt der Mediziner. Es gibt unterschiedliche Bereiche, in denen es aber zu Kalkablagerungen in den Arterien kommen kann. Und im schlimmsten Fall, wenn der Patient Symptome wie Schmerzen in den Beinen ignoriert, kann es passieren, dass eben Zehen oder andere Bereiche des Fußes absterben. „Ja, das Gewebe wird dann wirklich schwarz“, erklärt Dr. Ritter. Er weiß, dass viele Patienten Angst haben, dann zum Arzt zu gehen. Aber, was einmal abgestorben ist, wird sich nicht wieder erholen. „Es wird dann einfach immer schlimmer“, sagt der Chirurg. Manchmal entwickelt sich dieser arterielle Verschluss über Wochen, Monate oder Jahre. Das ist ganz unterschiedlich. „Oft beginnt es mit nächtlichen Schmerzen. Sobald der Betroffene dann aufsteht, ein wenig läuft, zirkuliert das Blut wieder in die Beine und Füße, es folgt eben der Schwerkraft“, sagt der Chefarzt. Und er erklärt eine einfache Faustformel: „Wunden, die innerhalb von sechs Wochen nicht abheilen, können Ursache von Gefäßerkrankungen sein und sollten ärztlich behandelt werden.“

Manchmal sind es kleine, offene Stellen oder schwarze Punkte, die sich in der Haut bilden. Es sind aber nicht nur die Raucher, die oft unter diesen Erkrankungen leiden, sondern auch Diabetiker. Dadurch, dass die Krankheit die Nerven angreift, bekommen sie die Schmerzen und den damit einhergehenden arteriellen Verschluss nicht mit. „Es tut ja nicht weh, wenn der Zeh schwarz ist“, kann kein Grund sein, nicht zum Arzt zu gehen. Denn, was im Kleinen beginnt, kann schnell weiter voranschreiten. In der Konsequenz bedeutet das, dass das Gewebe chirurgisch entfernt werden muss.

Manchmal ist es nur ein Zeh

„Das können einzelne Zehen sein, der gesamte Vorfuß oder auch Bereiche der Ferse“, erklärt Dr. Ritter. Bevor es aber zum Eingriff kommt, überprüft der Spezialist, wo sich die Ablagerungen in der Arterie befinden. Denn die Verengung muss beseitigt werden, damit nach dem Eingriff die Wunde wieder verheilen kann. Denn auch dafür ist das sauerstoffreiche Blut unbedingt notwendig. „Wir freuen uns immer, wenn wir Blut sehen“, sagt der Chirurg mit Blick auf seine Kollegen aus der Orthopädie, die viele Eingriffe unter der sogenannten Blutsperre durchführen.

Wunde verheilt nur, wenn Sauerstoff ankommt

Die Amputation an sich dauert nicht lange. „Es gibt aber Patienten, die liegen über Wochen auf unserer Station“, sagt der Gefäßspezialist. Denn Ziel des Chirurgen ist es, möglichst erhaltend zu amputieren. Aber er muss soviel Gewebe entfernen, bis er wieder auf durchblutetes stößt. Erst dann kann er die Wunde vernähen und sichergehen, dass sie mit genug Sauerstoff versorgt wird und heilt. Es gibt Fälle, bei denen sind weitere Eingriffe notwendig. Unter den Operateuren nennt man das die Salamitaktik. Dass es zu einer Amputation des gesamten Beines ab Hüfte kommt, ist aber auch in Westerstede sehr selten. „Das haben wir einmal im Jahr“, sagt der Ärztliche Geschäftsführer.

Lebensumstände sind wichtig

Nach dem Eingriff, es sind übrigens überwiegend ältere Menschen ab 70 Jahre, die in Westerstede behandelt werden, müssen die Patienten ihre Lebensumstände verbessern. Blutverdünner, gesunde Ernährung und viel Bewegung kann diese chronische Erkrankung zwar nicht heilen, aber das Risiko minimieren, weitere Gliedmaßen zu verlieren.

Inga Mennen
Inga Mennen Thementeam Soziales
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