Wiesedermeer - Das aktuelle Thema Finanzen im Kontext mit der dramatischen Entwicklung der Energie- und Heizkosten der kommenden Monate spielt auch bei der kleinen Raiffeisenbank Wiesedermeer-Wiesede-Marcardsmoor eine zunehmend große Rolle. „Wir haben palettenweise Kohlebriketts verkauft“, berichtete Vorstand Gero Hirsch im Vorfeld der Generalversammlung an diesem Freitag aus der Warenabteilung, die dem Kreditinstitut angeschlossen ist.
Die eigenverantwortlichen Mitarbeiter des Raiffeisenmarkts hätten sich dabei als flexibel, schnell und experimentierfreudig erwiesen und für dieses Segment neue Lieferanten aufgetan. „Auch von den Kunden selbst sind aufgrund der hohen Nachfrage Ideen gekommen, die unsere Mitarbeiter mit ihnen umgesetzt haben“, erklärt Hirsch. Weil sich viele Hausbesitzer im ländlichen Bereich auf die Beheizung ihrer Räume im kommenden Herbst/Winter vorbereiten, sei aber auch der Absatz von Flüssiggas in Flaschen gestiegen. Bei Brennholz und Heizöl habe man indes keine merklich erhöhte Nachfrage registriert.
Düngemittel teurer
Landwirte, die ihre Ländereien bewirtschaften, müssen in diesen Zeiten aber auch für Düngemittel tiefer in die Tasche greifen. Vorstand Lars Dominik erklärt diesen Umstand: „Die massiv gestiegenen Preise liegen an den stark erhöhten Energiekosten, die bei der Herstellung anfallen.“ In der Folge gehe der Absatz zurück, die Bauern düngen einfach weniger oder setzen stärker auf Gülle. „Auf der anderen Seite haben wir Anfragen vorliegen, dass wir Düngemittel für das nächste Jahr auf Lager legen.“ Manche Landwirte, so Dominik, liebäugelten mit einem anderen Saatgut, das weniger anfällig ist. Außerdem spiele die Witterung stets eine Rolle bei Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.
Die Veränderungen in der Landwirtschaft, aber auch die steigende Attraktivität der Wiesedermeerer Warenabteilung spiegeln sich in den Zahlen wider, die Gero Hirsch und Lars Dominik den Genossenschaftsmitgliedern am Donnerstag im „Grünen Jäger“ erläutern. Der Warenumsatz ist von 2020 auf 2021 um 6,5 Prozent auf 4,7 Millionen Euro gestiegen, beim 350 Quadratmeter großen Haus- und Gartenmarkt verzeichnete man einen Zuwachs von 20 Prozent. „Auch aus Wiesmoor kommen immer mehr Kunden zu uns, die zum Beispiel unsere Produkte der Tierhaltung nutzen“, wird Dominik deutlich. „Wir überprüfen das Sortiment regelmäßig nach ,Rennern und Pennern‘, nehmen Artikel heraus oder bauen Segmente um.“
Im Berichtszeitraum 2020/21 – also mitten in der Pandemie – verkaufte die Raiffeisenbank 100 Tonnen mehr an Futtermitteln, allerdings 1500 Tonnen weniger an Düngemitteln. Lars Dominik: „Die Menge ging um zwölf Prozent auf 11 000 Tonnen zurück.“
Mehr Kredite vergeben
Was die Geldwirtschaft betrifft, so schreibt die fast kleinste Genossenschaftsbank in Deutschland ebenfalls gute Zahlen. Die Bilanzsumme ist auf 61,9 Millionen Euro (+ 6,8 Prozent) gestiegen, Kredite wurden in Höhe von 39,2 Millionen Euro (+ 5,1 Prozent) gewährt. Kunden vertrauen ihrer Bank 43 Millionen Euro (+ 5,9 Prozent) an Einlagen an. Das betreute Kundenwertvolumen, so Vorstand Gero Hirsch, stieg auf 110 200 Euro.
„Bei den Menschen herrscht eine sehr große Verunsicherung, weil sie nicht wissen, was sie künftig im Portemonnaie haben werden.“ Wiesedermeerer Kunden seien wegen der Krise allerdings noch nicht von hier abgeschlossenen Baufinanzierungen zurückgetreten. Außerdem, so Hirsch, seien die Immobilienpreise sowie die Kosten für Neubauten deutlich angezogen. Die aktuelle Zinslage rate eher von großen Sprüngen ab.
Erneuerbare Energien in Fokus
Hirsch rechnet in der nächsten Zeit andererseits mit einer steigenden Kreditnachfrage auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. „Ich kann mir vorstellen, dass Personen, die noch über ein Geldpolster verfügen, in eine Photovoltaikanlage oder die Isolierung ihres Eigenheims investieren, um die Energiekosten zu reduzieren.“
In den Bankräumen selbst halte man an der Nachhaltigkeitsstrategie fest. Dies, so Dominik und Hirsch, sei in vielen Aspekten auch bei der Umgestaltung der Kundenhalle in diesem Jahr berücksichtigt worden. Der persönliche Kontakt mit den Menschen besitze auch in Zeiten zunehmenden Homebankings einen hohen Stellenwert.
