Wiesmoor/Carolinensiel - Der Alltag ist in vielen Situationen stressig. Oftmals erledigen wir viele Dinge gleichzeitig und unser Kopf ist voller Dinge, die wir noch machen müssen. Das kann Druck erzeugen. Körperliche Beschwerden können die Folge sein. Achtsamkeit ist hier eine gute Möglichkeit zur Veränderung. Sabine Akkermann ist seit zehn Jahren Achtsamkeitstrainerin. Wir haben mit ihr über dieses Thema gesprochen und warum es an Bedeutung gewinnt.
Achtsamkeit ist in aller Munde. Doch was bedeutet dieser Begriff überhaupt?
Sabine Akkermann: Achtsamkeit bedeutet für mich in die Eigenverantwortung zu gehen. Wieder zu lernen auf die eigene Intuition zu hören und den Alltag bewusst wahrzunehmen. Auf die Zeichen des Körpers zu achten und Stress zu reduzieren.
Für mich beginnt Achtsamkeit bereits bei der Wahl der Worte, die ich täglich benutze. Es geht um Lebensqualität und wie ich diese dauerhaft erreiche. Spaziergänge in der Natur oder Meditationen sind jedem bekannt. Für mich geht Achtsamkeit aber viel tiefer und ist besonders im alltäglichen Leben wichtig.
Gibt es etwas zum Thema Achtsamkeit, dass im Alltag vermieden werden kann?
Sabine Akkermann: Für mich ist es Multitasking. Es stiftet in unserem Gehirn viel Unruhe und sollte nicht das Mittel der Wahl sein. Wir sind auf Dauer nicht dafür gemacht, viele Dinge gleichzeitig zu erledigen. Es raubt uns über den Tag enorme Kraft. Ein gutes Beispiel ist der Arbeitsplatz.
Es wird sehr oft vieles gleichzeitig erledigt. Schnell eine E-Mail verfassen, gleichzeitig ein Telefonat führen, in Gedanken beim nächsten Meeting und das Memo an den Chef muss auch noch raus. Alles gleichzeitig ist zu viel für unser Gehirn, es ist im permanenten Stress. Am Abend kann das Belohnungszentrum unseres Gehirns keinen Erfolg verbuchen, weil es zu viele Impulse zu verarbeiten hat. Die Folge sind Müdigkeit und Erschöpfung.
Was denken Sie, wieso gewinnt Achtsamkeit aktuell an Bedeutung?
Sabine Akkermann: Unsere Gesundheit ist unser höchstes Gut, das wird vielen Menschen jetzt bewusst. Ein Beispiel sind Eltern schulpflichtiger Kinder, die zu ihrer eigentlichen Arbeit, plötzlich mit dem Thema Homeschooling konfrontiert waren.
Das hat bei sehr vielen zusätzlichen Stress verursacht und zur Überforderung geführt. Bei Eltern und Kindern gleichermaßen. Die psychische Belastung in der Familie ist durch zusätzliche Sorgen gestiegen. Unser Körper zeigt uns immer unsere Grenzen. Vielen wird bewusst, wie wichtig es ist, auf sich selbst zu achten. Eigenverantwortung und Selbstfürsorge sind unerlässlich, um die Lebensqualität zu erhöhen. Die achtsame Lebensweise ist da ein sehr guter Weg.
Was kann jeder konkret machen, um Stress zu reduzieren und die Lebensqualität zu erhöhen – sprich: achtsam zu leben?
Sabine Akkermann: Am wichtigsten ist es meiner Meinung nach sich zuerst bewusst zu werden, wie wertvoll das eigene Leben ist. Körper, Geist und Seele sind untrennbar und wir sollten lernen unsere Bedürfnisse zu kommunizieren und auch umzusetzen. Eine Balance zwischen Anspannung und Entspannung sollte beachtet werden.
Wichtig sind bewusste Pausen über den Tag verteilt. Dabei ist es nicht wichtig, wie lang die Pausen sind, sondern wie achtsam man diese Zeit nutzt. Es gibt heilsame Körperübungen, die in wenigen Minuten Ruhe in den Körper bringen und auch am Arbeitsplatz mit Leichtigkeit umzusetzen sind. Es gibt auch wirksame Techniken, um die Gedanken zur Ruhe zu bringen, denn das ist für viele Menschen der Grund für Schlafstörungen und allgemeine Unruhe. Wichtig ist, dass jeder für sich schaut, womit er sich am wohlsten fühlt und was in seinem Rahmen möglich ist. Es geht nicht darum das Thema Achtsamkeit perfekt umzusetzen, sondern mit Leichtigkeit und Freude.
