wittmund - In seiner Kindheit kam Dr. Walter Baumfalk in der Osterstraße manchmal ein einsamer, freundlich grüßender Spaziergänger mit Hut entgegen. Von ihm sei etwas „Geheimnisvolles und Mysteriöses“ ausgegangen, sagt Dr. Baumfalk heute. Es war das Wittmund unmittelbar nach der Gründung der Bundesrepublik, der Spaziergänger hieß Karl Bösch. Dr. Baumfalk maß diesen Begegnungen damals keine weitere Bedeutung zu – ahnte er doch nicht, dass es sich bei Bösch um einen der bedeutendsten Maler in der Historie Wittmunds handeln sollte.
Grundlagenforschung
Jahrzehnte später hatte sich das Verhältnis von Dr. Baumfalk zu Bösch grundlegend geändert. Der frühere Wittmunder und heute in Aurich lebende Dr. Baumfalk ist nicht nur pensionierte Richter, sondern auch ein Forscher der bildenden Kunst in Ostfriesland im 20. und 21. Jahrhundert. Der heute 85-jährige Sammler und Autor hat viel für die ostfriesische Kunstlandschaft getan, diverse Werke erstellt und Grundlagenforschung betrieben. Nun auch zu Karl Bösch (1883-1952), seinem „Bekannten“ aus Wittmunder Kindheitstagen.
Herausgekommen ist dabei eine 185 Seiten umfassende Biografie, in der Baumfalk den Lebensweg von Bösch akribisch nachzeichnete. Dabei immer auf der Suche nach alten Dokumenten, Fotos, Zeitungsartikeln und weiteren „Bösch-Kennern“. Was gar nicht so einfach war: In Böschs Lebensweg spiegeln sich auch die für einen eher kurzen Zeitraum vielen fundamentalen politischen Wechsel.
Der Künstler besuchte unter anderem die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf, war Zeichenlehrer in Siegen, Soldat im Ersten Weltkrieg sowie freischaffender Maler und Grafiker in München. Die einzige örtliche Konstante von Bösch, geboren in Bremerhaven, ist Wittmund. Hier verbringt er von 1889 bis 1897 seine Kindheit. Das in dieser Zeit in der Osterstraße 46 gebaute Haus wurde von der Familie nach der Versetzung des Vaters nicht verkauft. Es wurde, laut Dr. Baumfalk, gar zu einem „Rückzugs- und Zufluchtsort“ für Bösch. Denn der Künstler kehrte mit seiner Frau Friederika 1920 in diese Immobilie zurück und lebte hier bis zu seinem Tod 1952.
Der Rest ist Geschichte: Böschs künstlerischer Schwerpunkt bleibt auch in Wittmund die Landschaftsmalerei, im Stile eines „postimpressionistischen Realismus“ (Dr. Baumfalk). Es entsteht eine Fülle von Werken wie das Aquarell von der Peldemühle, eine kolorierte Radierung der Wittmunder Skyline oder das Ölgemälde „Janssens Bauernhof in Updorf“. Überhaupt wird Bösch zum Maler Wittmunds (Dr. Baumfalk), denn schnell interessieren sich auch Organisationen und Behörden für seine Künste: Bösch, hauptberuflich als Berufsschullehrer tätig, gestaltet Plakate und Anzeigen, erschafft die Wappen der Stadt und des Landkreises Wittmund sowie das Kriegerdenkmal. 1943 erwirbt er ein Auto und malt jetzt Landschaften in ganz Ostfriesland.
Biografie mit Bildern
Höchste Zeit also, dass die ostfriesische Kunstszene diesem Mann ein literarisches Denkmal setzt. So sah es auch Dr. Baumfalk, der in den Räumlichkeiten des Ostfriesischen Kunstkreises (OKK) in der Peldemühle von einem fast vergessenen Maler Wittmunds sprach. Anwesend war mit Frauke Poppen unter anderem die Großnichte von Bösch. Ihr und anderen Nachfahren des Künstlers ist es zu verdanken, dass die Biografie reichhaltig an Abbildungen von Böschs Werken ist.
„Karl Bösch 1883-1952“ von Dr. Walter Baumfalk, 185 Seiten, 88 Abbildungen, Isensee Verlag Oldenburg, ISBN-Nummer 978-3-7308-1996-8.
