Wittmund - Der Anzeiger für Harlingerland erfreut sich heute einer großen Akzeptanz bei den Menschen im Verbreitungsgebiet. Sowohl in der Gegenwart als auch in seiner 160-jährigen Geschichte war die Tageszeitung immer nahe am Geschehen in der Region, nahe an ihren Lesern. Das Medium hat stets alle gesellschaftlichen und technischen Wandlungen mitgemacht – und stellt sich im digitalen Zeitalter als moderne und zuverlässige Informationsquelle dar.
Die Erfolgsstory begann mit dem Ansinnen des tüchtigen Buchdruckers Christian Ludolph Mettcker, der schon im Jeverland Erfolg mit seinen „Jeverschen wöchentlichen Anzeigen und Nachrichten“ (heute „Jeversches Wochenblatt“) verzeichnete. So ermutigte er seine in das Handwerksunternehmen eingestiegenen Söhne Andreas Wilhelm und Johann Ludolph Mettcker, in Wittmund eine zweite Zeitung zu etablieren. Sie sollte aus dem gesamten Harlingerland mit den Inseln Langeoog und Spiekeroog sowie der Region Friedeburg – dem Gebiet des späteren Landkreises Wittmund – berichten. Zusammen mit dem Wittmunder Kaufmann Jakob Christian Ajold Bergner als Partner gründeten sie den Anzeiger für Harlingerland.
„Expedition“ im Laden
Bergner, der Schriftleiter der neuen Zeitung wurde, richtete in seinem Kolonialwarengeschäft mit Buchhandlung in der Brückstraße in Wittmund 1862 eine Geschäftsstelle („Expedition“) für den Anzeiger ein, in der sich ebenfalls die Redaktion befand. Mit zwei Probenummern am 17. und 24. März zeigten die Verleger bereits, wie die neue Zeitung aussehen sollte.
Am 1. April 1862 erschien dann die erste reguläre Ausgabe – auf vier Seiten plus zwei Seiten Beilage im Seitenformat etwas kleiner als das heutige DIN-A-4-Format. Produziert in der Mettcker-Buchdruckerei in Jever, erschien das Blatt zunächst zweimal in der Woche – montags und freitags. Der Abonnentenpreis lag bei siebeneinhalb Groschen für ein Vierteljahr ohne Porto oder Botenlohn, die Insertionsgebühr acht Pfennige „für die einspaltige, große Corpuszeile oder deren Raum“. In der „Expedition“ aufgegebene Anzeigen unterschieden sich meist kaum vom redaktionellen Text. Vor allem waren es Landwirte und Viehhändler, die ihre Kühe, Schafe und Pferde zum Kauf anpriesen. Bald wurde mit Bildern und größeren Schriften versucht, die Aufmerksamkeit der Leser auf das angebotene Produkt zu lenken.
„Es wird die Aufgabe der Redaktion sein, die wichtigsten Ereignisse im Gebiete des politischen Lebens der Völker besonders zu berücksichtigen. Daneben sollen auch Belehrungen über Fragen des wirtschaftlichen Lebens (…) ihren gebührenden Platz finden. Der Landwirtschaft und Pferdezucht soll besonders Aufmerksamkeit gewidmet werden“, gaben die Verleger ihren Lesern mit auf den Weg.
Akzeptanz wächst
Und die Akzeptanz wuchs. Bis 1864 stieg der Zeitungsumfang zeitweilig auf acht Seiten. Nach Jakob Christian Ajold Bergners Tod übernahm 1864 Schwiegersohn Johannes Oeltjen Verlag und Redaktion. Inserate wurden fortan ebenfalls in den Buchdruckereien von C. L. Mettcker & Söhne in Jever und im alten Patrizierhaus am Esenser Marktplatz entgegengenommen.
Neue Möglichkeiten der Informationsbeschaffung ergaben sich 1864 durch den Anschluss Wittmunds an das Telegrafennetz. Die Vorlagen für die in zwei Spalten unterteilten Zeitungsseiten erstellten Setzer in gebrochener Schrift (Fraktur) im Handsatzverfahren mit Bleilettern; das Endprodukt entstand im Bleidruckverfahren.
