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Porträt Er kann Leber, Milz, Schilddrüse – nur kein Plattdeutsch


Schilddrüsen sind sein Spezialgebiet: Dr. Wojciech Jelen ist neuer Chef der Viszeralchirurgie. 
Inga mennen

Schilddrüsen sind sein Spezialgebiet: Dr. Wojciech Jelen ist neuer Chef der Viszeralchirurgie.

Inga mennen

Wittmund - Unter dem Arm trägt er ein riesiges Bild, eine Fotografie von einer Frau, die einen sogenannten Kropf hat. Und so weiß schon fast jeder, der Dr. Wojciech Jelen gestern im Wittmunder Krankenhaus sah, der neue Chefarzt der Viszeralchirurgie zieht in die Klinik ein und er wird vor allem den Bereich der Schilddrüsenoperationen einen neuen Auftrieb in Wittmund geben.

Übergangsloser Wechsel

„Mittwoch packe ich meinen letzten Karton in Aurich und am Donnerstag packe ich den dann hier in meinem Büro wieder aus“, sagt der 56-Jährige und lacht. Denn ohne einen Tag frei wird er ab dem 1. September in Wittmund den Posten als Chefarzt übernehmen. Ein bisschen eingezogen ist er aber schon in seinem Büro in der Chirurgischen, denn bereits am Wochenende brachten seine Frau Antje und er die ersten Sachen herüber. Seit dem Frühjahr war die Stelle des Viszeralchefs vakant, nachdem Michael Gaide gegangen ist. Ein Headhunter, Firmen die darauf spezialisiert sind, Ärzte für Krankenhäuser zu finden, kam schließlich auf Dr. Jelen zu. Er war bis jetzt Oberarzt in der Ubbo Emmius Klinik in Aurich. „Ich hatte ohnehin das Gefühl, ich müsste mich noch einmal verändern“, sagt der eloquente Mann, der in Breslau geboren wurde. Da kam ihm das Angebot nur recht, denn in Wittmund, so der Mediziner, könnte man im Bereich der inneren Chirurgie noch vieles bewegen. „Die Gerätschaften sind hier top und auch die Ärzte“, schwärmt der Mediziner, der, wie er sagt, ein echter Teamplayer ist.

Das Haus in Wittmund war ihm nicht fremd. Bereits von 1998 bis 2000 hatte Dr. Jelen hier als Weiterbildungsassistent gearbeitet. „Das ist doch toll, jetzt schließt sich der Kreis und ich kann meine aktiven Jahre bis zur Rente in diesem Haus verbringen“, sagt der Auricher, der jetzt – und das hat er schon genau analysiert – täglich eine Fahrzeit von 22 Minuten vor sich hat.

Stipendium erhalten

Von 1987 bis 1992 studierte der Vater von drei Kindern und Opa eines Enkelkindes Humanmedizin an der Schlesischen Akademie in Hindenburg. Vor genau 30 Jahren kam er auch nach Deutschland, denn er erhielt ein Hochschulstipendium der Otto-Benecke-Stiftung. „Und wie es dann so ist, mir gefiel die Sprache, die Kultur und die Liebe tat sein übrigens“, begründet Jelen den Entschluss, warum er in Deutschland blieb. Sein Herz, so sagt er, schlägt ohnehin dort, wo seine Familie ist – und die lebt eben in Aurich. Wenngleich der 56-Jährige aber einmal im Jahr noch nach Polen fährt, um dort seine Mutter zu besuchen. „Ich mag das internationale, unsere Familie ist so weit verstreut auf der Welt“, sagt Dr. Jelen.

Facharzt für Chirurgie wurde er 2004 in Aurich und seit 2014 ist er auch Facharzt der Viszeralchirurgie (auch Bauchchirurgie genannt). „Wohl jeder unseres Faches bezeichnet sich als Handwerker“, sagt Wojciech Jelen, der in seiner Freizeit das Skalpell gegen den Schraubenschlüssel tauscht und gerne an Autos schraubt.

Schilddrüsen-Spezialist

Das Spezialgebiet des Arztes sind aber nicht die Motoren, sondern die Schilddrüsen. „Das fasziniert mich“, sagt der Mediziner, der solche Operationen 50 bis 60 Mal im Jahr vorgenommen hat. Das Feld möchte er auch in Wittmund weiter ausbauen – genauso wie das der onkologischen Eingriffe. „Wir haben ein ganz hervorragendes Team, warum sollten wir die Patienten woanders hinschicken, wenn wir die Eingriffe hier vornehmen können“, sagt Wojciech Jelen, dem der Kontakt zu den behandelnden und die Patientenzufriedenheit sehr am Herzen liegen.

Patientengespräche

Auf seinem Handy kommt gerade eine Nachricht an. Es ist ein Bild, ein Mann liegt im Krankenbett, frisch an der Schilddrüse operiert. „Es ging ihm wirklich sehr schlecht und ich bin froh, dass ich ihm helfen konnte“, freut sich der Mediziner über die positive Rückmeldung. Denn wie er sagt, darf ein Patient nie zu einer Nummer werden. „Jeder benötigt eine individuelle Versorgung“, sagt der Arzt, der sich ab Donnerstag Zeit nehmen wird für die Frauen und Männer, die zu ihm in die Sprechstunde kommen. „Ich kann ja alles, Milz, Leber, Magen, Schilddrüse, nur mit dem Plattdeutschen hapert es ein wenig“, sagt Dr. Jelen und lacht.

Ein Wunsch von ihm ist es, regelmäßig Patientenveranstaltungen anzubieten und die Menschen bei Vorträgen über Erkrankungen aus seinem Spezialgebiet aufzuklären. „Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden – vom gesamten Team. Die Größe eines Krankenhauses sagt nichts über die Leistungsfähigkeit aus“, betont Dr. Wojciech Jelen und zieht mit seinem großen Bild in Richtung Büro, aus dem er so schnell nicht wieder ausziehen möchte.

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