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Inklusion im Landkreis Wittmund Darum ist es für Menschen mit Beeinträchtigungen schwer, auf dem offenen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen

Wittmund/Esens - Was wir nach der Schule einmal machen wollen, ist eine Frage die viele eine Weile umtreibt. Orientierung bieten Praktika, Freiwillige Dienste oder Auslandsaufenthalte. Einige entscheiden sich dann für ein Studium, andere für eine Ausbildung. Die Lebenswege sind so individuell wie der Mensch selbst.

Das sieht bei Menschen mit geistiger Beeinträchtigung anders aus. Nach der Schule ist der Weg zu den Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) häufig vorgegeben. Denn eine Stelle auf dem offenen Arbeitsmarkt zu finden, ist nicht einfach und häufig mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden.

Mehr Praktika in allgemeinen Betrieben

Doch das muss nicht so sein, da sind Matthias Regner, Schulleiter der Förderschule Esens, Bent Bogena von der Eingliederungshilfe des Landkreises Wittmund und Christian Ubben, Koordinator für Berufsberatung an der Förderschule Esens, sich einig.

„Vor gut zwei Jahren haben wir uns das Ziel gesetzt, unseren Schülerinnen und Schülern mehr Praktika in Regelbetrieben zu ermöglichen. Wir haben 50 Prozent angestrebt, was eine Menge ist, wenn man bedenkt, dass es das vorher so gut wie gar nicht gab“, erklärt Regner. Doch durch ein gutes Netzwerkt zu Betrieben, habe man einige Praktikumsstellen ausfindig machen können, erklärt Christian Ubben. „Mit dazugehört zum Beispiel die Kita Bärenhöhle, der Markantmarkt in Blomberg und auch ein landwirtschaftlicher Betrieb“, erklärt Ubben. Das sei für die Schüler, die sich zum Ende ihrer Schulzeit damit beschäftigen wie es weiter gehen soll, eine große Hilfe. „Viele Schüler können und wollen mehr. Durch die Praktika und Betriebsbesuche können sie viele Facetten der Berufe kennenlernen und sich für etwas entscheiden, dass ihren Interessen entspricht. Für einige ist ein Praktikum bei den Werkstätten nicht mehr fordernd genug“, sagt Ubben.

Regelbetrieb liefert keinRundum-Sorglos-Paket

Doch dann wirklich in den freien Arbeitsmarkt einzusteigen sei für viele immer noch mit Unsicherheiten verbunden. „Ein Arbeitgeber liefert natürlich nicht das Rundum-Sorglos-Paket, wie die Werkstätten für Behinderte Menschen das können“, sagt Regner. Hier gebe es immerhin auch Wohnmöglichkeiten und Freizeitangebote. Deswegen hätten auch häufig Eltern bedenken und würden sich Sorgen um die Versorgung ihrer Kinder machen. „Fängt man jedoch früh genug an, die Eltern und Kindern über die Möglichkeiten zu informieren, können diese Ängste abgebaut werden“, sagt Ubben. Deswegen veranstaltet die Schule regelmäßig Informationsabende für Eltern. Möglichkeiten seien zum Beispiel ein Außen-Arbeitsplatz oder eine Stelle durch das Budget für Arbeit unterstütz wird, erklärt Bent Bogena. So entstehe für die Betriebe und auch die Mitarbeiter mehr Sicherheit.

Doch auch bei den Betrieben in der Region müsse ein Umdenken stattfinden. „Unsere Schülerschaft ist ein Teil dieser Gesellschaft und so müssen sie auch behandelt werden“, findet Regner. Und viele seien nach dem ein Praktikant in ihrem Betrieb war überrascht, wie gut es lief. „Doch meistens gibt es gar keinen Berührungspunkt und der muss erst einmal geschaffen werden“, erklärt Ubben. Ein Beispiel, wo das gut geklappt hat sei Marc Ising, der bei der Kurverwaltung Carolinensiel mit dem Budget für Arbeit angestellt ist. Wie sein Arbeitsplatz aussieht, erzählt er uns Anfang Januar.

Das Budget

für Arbeit

Das Budget für Arbeit gibt es in Niedersachsen seit dem Jahr 2008. Entwickelt wurde es als eine Unterform des persönlichen Budgets gemeinsam mit den örtlichen Trägern der Sozialhilfe. Ziel ist es, mit Hilfe des Budgets für Arbeit eine Großzahl von Werkstattbeschäftigten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln und Ihnen den Einstieg in Regelbetrieben zu ermöglichen. Beanspruchen können das Budget für Arbeit Menschen, die in einer WfbM arbeiten oder Recht hätten dort zu arbeiten, erklärt die Website Familienratgeber von der Aktion Mensch. Voraussetzung sei, dass sie einen Arbeitgeber auf den allgemeinen Arbeitsmarkt finden, der sie einstellen möchte.

Außerdem muss dieser Arbeitsplatz sozialversicherungspflichtig sein. Das Budget für Arbeit setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Zum einem erhalten die Mitarbeiter Assistenz und weitere Hilfe in den Bereichen, in denen sie es brauchen.

Außerdem erhält die Organisation, die den Arbeitsplatz anbietet einen Lohnkostenzuschuss, um unter anderem die Betreuung des Mitarbeiters in seinem Betrieb zu gewährleisten. Neben dem Budget für Arbeit gibt es auch den Werkstatt-Außen-Arbeitsplatz.

Der Unterschied besteht darin, dass der Mitarbeiter beim Außen-Arbeitsplatz weiterhin bei der WfbM angestellt ist. Beim Budget für Arbeit wird ein Arbeitsvertrag zwischen dem Mitarbeiter und dem allgemeinen Betrieb geschlossen.

Zuständig für das Budget für Arbeit ist die Sozialhilfe des Landkreises Wittmund.

Kim-Christin Hibbeler
Kim-Christin Hibbeler Redaktion Wittmund
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