Wittmund - Wir haben in unserem Leben immer wieder die Wahl. Im Alltag treffen wir kleine Entscheidungen, wir entscheiden, welchen Beruf wir ausüben möchten und welche Partei wir wählen. Dass wir die Möglichkeit haben, diese Entscheidungen zu treffen, ist Grundlage der Demokratie, in der wir leben.
In der Kippe Maikäfer in Wittmund möchten Leiterin Cornelia Kuschel und ihr Team schon den Jüngsten die Möglichkeit einer Wahl geben. Deswegen haben sie sich im März 2022 für die Demokratie-Werkstatt des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (Nifbe) beworben. „Wir haben hier schon selbst viel gemacht und versucht, die Kinder mit einzubeziehen, aber manchmal wussten wir nicht so genau wie“, sagt die Krippenleiterin Cornelia Kuschel. Als sie die Fortbildung des Nifbe entdeckte, sprach es genau das an, was sie gesucht haben.
Zeitlich flexibel
„Die Demokratie-Werkstätten umfassen 32 Unterrichtseinheiten, die zeitlich so geplant werden, dass es mit den Kitas passt. Das kann zum Beispiel ein verlängertes Team-Meeting sein“, erklärt Svenja Rastedt, Transfermanagerin beim Nifbe.
In den Einheiten ging es dann vor allem darum, wie die den Kindern ein größerer Rahmen geboten werden kann, um selbst Entscheidungen zu treffen und sich einbezogen zu fühlen. „Die Themen waren in den Gruppen ganz unterschiedlich, bei einigen lag der Fokus vor allem beim Essen, und bei anderen ging es um die Ansprache der Kinder“, erklärt Kuschel. So habe es bereits einen großen Unterschied gemacht, das Essen nicht sofort auf die Teller zu verteilen, sondern diese Aufgabe den Kindern selbst zu überlassen. „So konnte jeder für sich entscheiden, was er essen möchte und wie viel“, sagt Kuschel.
So wird gewählt
Soll morgens entschieden werden, ob draußen oder drinnen gespielt wird, stimmen die Kinder mit Bildkarten ab. „Jeder darf dann einen Baustein auf das entsprechende Bild legen und so wählen“, erklärt Mitarbeiterin Petra Hacke. Bei der Ansprache der Kinder achten die Mitarbeiterinnen darauf, dass sie sich gehört fühlen. „Natürlich klappt das nicht immer alles so, wie man sich es vorstellt, aber das ist auch vollkommen in Ordnung. Es ist ein Prozess, der immer weitergeht“, sagt Kuschel.
Auch Meino Schrage, Fachdienstleiter für Generationen, Sport und Kultur bei der Stadt Wittmund, ist sich sicher, dass die Partizipation der Jüngsten ein wichtiger Punkt ist. „So lernen sie auch damit umzugehen, wenn sie in einer Diskussion einmal nicht gewinnen“, sagt er. Und genau das ist das Ziel der Demokratie-Werkstätten: Kinder sollen sich beteiligen und mitentscheiden können, so erfahren sie Wertschätzung und Respekt, erklärt das Nifbe. „Natürlich passiert das alles kindgerecht und bedürfnisorientiert. Es gibt auch Grenzen, aber diese Grenzen geben eben auch Sicherheit“, erklärt die Einrichtungsleiterin.
Sie und ihr Team möchten, dass die Krippen-Kinder so früh wie möglich lernen, selbstwirksam durchs Leben zu gehen. „Darauf können Kindergärten, Grundschulen und Schulen dann aufbauen“, sagt Kuschel.
Insbesondere im Hinblick auf die politische Situation sei so ein Ansatz für die Gesellschaft wichtig, findet Svenja Rastedt. „Viele Menschen glauben heutzutage gar nicht mehr, dass wir in einer Demokratie leben. Den Glauben daran und was es heißt, kann man so schön bei den Ein- bis Dreijährigen verankern“, sagt sie. Davon würden sie ihr ganzes Leben lang profitieren, sind sie die Frauen einig.
